3D-CAD-Software Solidworks und die 3D-Experience-Plattform wachsen zusammen

Autor / Redakteur: Stefanie Michel / Stefanie Michel

Die Entwicklung von Solidworks zeigt, dass die 3D-CAD-Software sich der 3D-Experience-Plattform annähert. Damit kann der Datenaustausch sowie die Kollaboration innerhalb der Dassault-Welt vereinfacht werden.

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Bernard Charlès: „Die Digitalisierung schafft eine industrielle Renaissance.“
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(Bild: Stefanie Michel)

Früher – also vielleicht vor 5 oder 6 Jahren – war eine CAD-Software eine CAD-Software. Im Herbst wartete man sehnsüchtig auf die neue Software-Version, die vielleicht „nur“ allgemeine Verbesserungen oder ein neueres Design bot, vielleicht aber auch ganz neue Funktionen beispielsweise für die Blechbearbeitung oder zur Kostenberechnung. Das war bei Solidworks nicht anders. Wer die Chance hatte, auf der Solidworks World dabei zu sein, konnte sich schon über ein halbes Jahr früher informieren, was die Entwickler in die neue Version integriert hatten.

Digitalisierung und IoT geben den Weg vor

Doch in der Softwarebranche ist heute deutlich erkennbar, dass die Digitalisierung einen großen Einfluss auf die Entwicklung hat und somit ein jährliches Softwareupdate nicht den letzten Stand der Entwicklung widerspiegelt. Vielmehr geht es allgemein bei der Weiterentwicklung von CAD-Systemen um browserbasierte Anwendungen, um Datenaustausch, um mechatronische Produktentwicklung oder um digitale Marktplätze – oft in Zusammenarbeit mit Partnern.

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Ähnlich gestaltet sich das auch bei Solidworks: Die Version 2019 wird zwar Ende des Jahres verfügbar sein, aber im Februar auf der Solidworks World standen die neuen Features für die kommende Version weniger im Vordergrund. Statt dessen wurde klar, wie sich Solidworks mehr und mehr in das Dassault-Universium integriert, Prozesse durchgängiger werden und das Angebot über Partner in Richtung Digitalisierung breiter wird. Zudem war das Thema 3D-Druck überall präsent. Ganz konkret kündigte CEO Gian Paolo Bassi 5 Neuheiten an:

1. 3D-Experience Social Collaborative Services

2. Solidworks 3D-Experience PLM Services

3. Solidworks Product Designer

4. Solidworks X-Design

5. 3D-Experience Marketplace Make

Für jeden das passende CAD-System

Für den CAD-Bereich gibt es zwei interessante Neuheiten, denn es wird nicht nur die bekannte Desktop-Version von Solidworks geben. Zukünftig soll X-Design als browserbasierte Cloudversion zur Verfügung stehen (im Moment gibt es eine Beta-Version, die man testen kann). Es eignet sich zum Beispiel auch zum skizzieren auf dem Tablet, um daraus parametrische Zeichnungen zu generieren. Mit X-Design will man laut Uwe Burk, Country Manager Central Europe, den CAD-Markt „demokratisieren“, also jedem Interessenten die Möglichkeit bieten, 3D-CAD-Software ohne große Hürden zu nutzen. Der Zugang zur Software ist unabhängig von Gerät und Ort, die Daten können daher nicht lokal gespeichert werden.

Wer lokale Ressourcen zum Speichern von Konstruktionen nutzen will, kann den Product Designer als hybride Lösung nutzen. Der Vorteil hierbei ist, dass die Datenbank auf der 3D-Experience-Plattform liegt und sie sich dort auch weiterverarbeiten lassen. Somit ist diese Solidworks-Version beispielsweise kompatibel mit Catia (und natürlich auch mit X-Design). Möglich macht dies das schon 2017 bekannt gegebene „Power‘by“, eine Funktionalität zum vereinfachten Datenaustausch zwischen verschiedenen Dassault-Produkten über die 3D-Experience-Plattform. So rückt auch Solidworks immer näher an diese Plattform heran, die zum Datenzentrum der Software von Dassault Systèmes geworden ist.

Cloud schafft neue Varianten der Zusammenarbeit

Dieses Zusammenwachsen gibt auch bei PLM die Entwicklung vor, denn mit Solidworks 3D-Expericence PLM Services stehen nun Datenverwaltungs- und PLM-Funktionen in der Cloud zur Verfügung. Das scheint zukünftig, kombiniert mit X-Design, breite Möglichkeiten des Datenaustausches auf der 3D-Experience-Plattform zu bieten.

Dazu passen auch die angekündigten 3D-Experience Social Collaborative Services: Die Daten aus der Konstruktion stehen online zur Verfügung und über 3D-Dashboard lassen sie sich teilen. So ist es einfach, mit anderen Arbeitsgruppen zusammenzuarbeiten und auf die gleichen Daten zuzugreifen, ähnlich einem sozialen Netzwerk.

Marketplace als „Amazon der Fertigung“

Eine solche Lösung verbindet allerdings nicht nur Entwickler, Designer und Ingenieure, die an einem Projekt zusammenarbeiten. Mit Marketplace hat Dassault Systèmes zudem eine Plattform geschaffen, die die Produktentwicklung mit Fertigern zusammen bringt. Bassi hat die Vision, dass daraus „Amazon der Fertigung“ entsteht. Zunächst steht der Dienst „Marketplace Make“ zur Verfügung, über weltweit Fertiger finden und Teile herstellen lassen kann – über alle Fertigungsprozesse hinweg: 3D-Druck, Zerspanung, Spritzguss, Umformtechnik und vieles mehr. Der Marktplatz verwaltet zudem alle Aspekte einer Transaktion zwischen Käufer und Verkäufer, wie beispielsweise Zahlungen, Währungen und Rechnungsstellung. Das bedeutet: Für jede Transaktion gibt es eine Aufzeichnung, die vollständig zurückverfolgt werden kann. Der Dienst „Marketplace Part Supply“ ist ein intelligenter Online-Katalog für 3D-Bauteile. Mit über 600 Anbietern soll jeder Solidworks-Anwender weltweit über 30 Millionen Teile per Mausklick verfügen. Damit sei es einfach Teile zu finden, sie zu vergleichen oder Teile mit einer geometrischen Signatur eines CAD-Modells zu suchen. Ist das richtige Bauteil gefunden, lässt es sich in Solidworks Desktop mit Drag and Drop einfügen.

Einfacher Konstruieren mit Partnern

Das Thema Kollaboration spielt auch bei der Konstruktion in Solidworks selbst eine gewisse Rolle. Für die Entwicklung von Smart oder Connected Products hatte man in den letzten Jahren bereits mit Solidworks Electrical und PCB Voraussetzungen geschaffen, Elektrik und Elektronik in die Konstruktion zu integrieren. Um noch einfacher IoT-Lösungen zu entwickeln, können die CAD-Software-Nutzer nun mit Seebo, einer IoT-Plattform, aus ihren mechanischen Produkten schnell Connected Products machen. Sie müssen einfach aus den vorhandenen Bibliotheken elektronische Komponenten auswählen und per Drag & Drop in ihre Produkte einbauen. So will Seebo komplizierte Dinge möglichst einfach machen, inklusive der Tools für die Entwicklung einfacher Dashboards für Datenauswertung und Condition Monitoring.

3D-Druck bei der Konstruktion berücksichtigen

Ein weiterer Schwerpunkt auf der Veranstaltung waren alle Themen rund um den 3D-Druck. Während HP und Stratasys die Solidworks World für die Ankündigung eigener Neuheiten nutzten (HP stellte die neuen 3D-Drucker der Familie Jet Fusion 300/500 vor; Stratasys gab die Zusammenarbeit mit einer Organisation bekannt, die maßgeschneiderte, günstige Prothesen für Bedürftige herstellt), präsentierte Desktop Metal ein neues Software-Tool speziell für Solidworks-Nutzer. Der 3D-Drucker-Anbieter, der den Metalldruck für die Fertigung verfügbar machen will, stellt mit Live Parts eine experimentelle Software vor, die Bauteile mit bionischen Strukturen erzeugt (Generative Design). Ohne viel Vorkenntnisse entstehen in kürzester Zeit komplexe, leichte Komponenten, die additiv gefertigt werden können.

Eine Partnerschaft mit 3D Systems macht zudem den Einsatz der Software 3D-Xpert für Solidworks-Nutzer möglich. Damit steht ein Tool zur Verfügung, mit dem Konstrukteure zahlreiche Funktionen bereit gestellt bekommen, die sie benötigen, um ihre Konstruktionen für additive Fertigung vorzubereiten und zu optimieren. Die aus Solidworks stammende CAD-Daten werden über einen Mausklick direkt in 3D-Xpert für die Analyse übernommen.

Mit diesen Partnerschaften baut Dassault Systèmes den durchgängigen Workflow innerhalb der Solidworks-Welt aus, nachdem im letzten Jahr bereits eine CAM-Funktion integriert worden war.

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