Energietechnik Sonne und Wind gegen den Energiekollaps

Autor / Redakteur: Thomas Isenburg / Rosemarie Stahl

Mit Brasilien, Russland, der VR China und Indien gehört Südafrika zu den BRICS-Staaten. Diese Bezeichnung fasst Schwellenländer mit Zuwachsraten zwischen 5 und 10 % zusammen. Das Land ist reich an Bodenschätzen und klimatisch gesegnet. Aus diesen günstigen Voraussetzungen hat sich eine etablierte Minen-, Chemie- und Automobilindustrie mit hohem Energiebedarf entwickelt.

Firma zum Thema

Der Jeffreys Bay Windpark wurde von Siemens erichtet und soll ein Symbol für das neue Südafrika sein.
Der Jeffreys Bay Windpark wurde von Siemens erichtet und soll ein Symbol für das neue Südafrika sein.
(Bild: Isenburg)

Aufgrund der großen Kohlevorkommen gilt Südafrika als Nummer fünf der weltweiten Kohleexporteure und ist bislang mit seiner Energieversorgung auf diesen Primärenergieträger ausgelegt. Das macht die Region am Kap eben auch zu einem der größten Kohlendioxidemittenten weltweit. Hierzu sprechen internationale Vereinbarungen zur Reduktion der Kohlendioxidemissionen in Paris Ende letzten Jahres eine deutliche Sprache. Unter dem Begriff COP21 sollen die weltweiten Kohlendioxidemissionen so reduziert werden, dass die Erderwärmung auf 1,5 °C begrenzt wird. Dazu müssen die Treibhausgasemissionen im Zeitraum zwischen 2045 und 2060 auf null gesenkt werden. Gerade Schwellen- und Entwicklungsländer, wie eben auch Südafrika, argumentierten in Paris, dass sie nicht ursächlich für die Kohlendioxidemission verantwortlich seien. Jedoch wegen des Nachholbedarfs sind gerade hier höhere Kohlendioxidemissionen zu erwarten. Begleitet wird dies von einer sich rasch entwickelnden, konsumfreundlichen jungen farbigen Mittelschicht. In der jüngsten Vergangenheit konnte Südafrika seinen Energiehunger nicht immer stillen und es kam gerade für energieintensive Wirtschaftszweige zu häufigen Stromausfällen mit Energieeinbußen.

Bildergalerie

Südafrikas Energiemix besteht zurzeit zu 85 % aus Kohle als Primärenergieträger aus dem eigenen Land, zu 6 % aus fossilen Kohlenwasserstoffen wie Öl und Gas, zu 4 % aus Kernenergie sowie zu 5 % aus Wasserkraft und sonstigen erneuerbaren Energien.

Schon seit einigen Jahren beschäftigt sich das afrikanische Land auch intensiv mit den Implementierungen von erneuerbaren Energien in seinen Kraftwerkspark. Begünstigt wird eben dieses auch durch die klimatisch vorteilhafte Lage. Die meisten Gebiete haben eine durchschnittliche Sonneneinstrahlung von mehr als 2500 Stunden im Jahr. Dabei ist die jährliche direkte Solarstrahlung mit bis zu 3000 W/m2 etwa dreimal so hoch wie in Deutschland. An seiner etwa 3000 km langen Küstenlinie wehen die Winde des südlichsten Landes Afrikas durchschnittlich mit 18 km/h, da hier der kalte Benguelastrom auf den warmen Agulhasstrom trifft.

Förderung von Windkraftanlagen und Solarenergie

Damit diese Ressourcen genutzt werden, wurde 2011 das REIPPP-Programm zur weiteren Implementierung von erneuerbaren Energien im Energiemix am Kap aufgelegt. Durch ein wettbewerbsorientiertes Ausschreibungsverfahren wird eine bestimmte Einspeisekapazität für erneuerbare Energien durch private Stromerzeuger genehmigt. Gefördert werden insbesondere Windkraftanlagen sowie die Solarenergie. Bis zum Jahr 2020 soll eine Leistung von 6925 MW installiert sein. Auch soll der Einfluss des heftig kritisierten Monopolisten Eskom als Energieversorger zurückgedrängt werden. Dieser Energieversorger wurde in der Vergangenheit für die Stromausfälle verantwortlich gemacht.

Bei den Vergaberunden des REIPPP-Programms erhält das Unternehmen den Zuschlag, das die Energie zum kleinsten Einspeisetarif liefert. In den ersten Vergaberunden waren die Unternehmen Vestas, Siemens und Nordex im Bereich Windenergie am erfolgreichsten. Sie teilen sich drei Viertel des Marktes jeweils zu einem Drittel. Dabei sank der Einspeisetarif von 11,51 auf 5,77 Cent während der ersten drei Runden. Meistens handelt es sich um größere Projekte über 100 MW. Pro Jahr sollen etwa 500 MW an Leistung installiert werden.

Ein prominentes Beispiel für die Umsetzung ist der Jeffreys Bay Windpark an der Küste Südafrikas. Hier lieferte die Siemens AG die Windkraftanlagen. Der Windpark befindet sich in der Nähe von Jeffreys Bay, nicht weit von Port Elizabeth am Indischen Ozean. Das etwa 3700 ha große Land, auf dem die 60 Siemens-Turbinen stehen, wird von Farmern weiterhin zur Viehzucht genutzt. Mit dem größten privaten Energieversorger der Subsahara, Globeleq, bestehen energieertragsabhängige Verträge über die erweiterte Landnutzung. Auf der Fläche wurden 40 km Straßen neu gebaut und 200 km Kabel verbinden die Windkraftanlagen mit dem 132-kV-Stromnetz des staatlichen Energieversorgers Eskom. Die Konstruktion des Windparks startete 2012, seit Mitte 2014 liefern die Turbinen Strom in das südafrikanische Netz. 460.000 MWh Energie pro Jahr sollen 100.000 Haushalte mit Strom versorgen. Ein Referenzprojekt für das neue Südafrika.

(ID:44073657)