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Lackindustrie

Spagat zwischen Umwelt und Kosten

22.01.2009 | Autor / Redakteur: Hertha Kerz / Ulrike Gloger

Farben wecken Gefühle und beeinflussen Stimmungen, sie warnen und informieren. Lacke dienen als Oberflächen- oder Brandschutz.
Farben wecken Gefühle und beeinflussen Stimmungen, sie warnen und informieren. Lacke dienen als Oberflächen- oder Brandschutz.

Die Lackindustrie ist eine Hightech-Branche; es gibt hohe Anforderungen an die Produkte, Rohstoffe und Verfahren. Lackhersteller müssen eine Vielzahl von Auflagen und Verordnungen erfüllen. Gleichzeitig steigen die Ansprüche des Marktes. Dennoch zeigt sich die Branche zuversichtlich.

Der gesamte Inlandsverbrauch an Lacken lag im Jahr 2007 bei 1,62 Mio. t. Davon entfielen 511 000 t auf die Industrie-lacke; die Zahlen für 2008 dürften ähnlich ausfallen. Waren vormals vorzugsweise lösemittelhaltige Systeme marktbeherrschend, erlangen durch die Anforderungen der VOC-Richtlinie (VOC – flüchtige organische Substanzen) die umweltfreundlichen Systeme eine immer größere Bedeutung.

Die VOC-R beschränkt die maximal einsetzbare Lösemittelmenge. Durch sie liegen heute die Wasserlacke mit 50% an der Spitze der Industrieanwendungen. Nur noch 30% aller eingesetzten Beschichtungssysteme bestehen aus lösemittelhaltigen Lacken, wobei deren Lösemittelanteil stark reduziert ist. Mit 15% folgen Pulverlacke und bei der restlichen Verwendung kommen mit 5% High-Solid- und Ultrahigh-Solid-Lacke zum Einsatz. Nano- und nanoskaline Systeme haben keine größere Bedeutung.

Allerdings ist die VOC-R recht großzügig gefasst. Ihr Grenzwert liegt bei einem Jahresverbrauch von 5 t Lösemittel. Bei einem Lack, der zum Beispiel 30% Lösemittel enthält, wären das rund 17 t. Das macht die Problematik überschaubar.

Bei den Anwendern herrscht oft Ungewissheit

Doch die Unwissenheit über das Thema ist groß. „Es kommen oft Kunden, die glauben, sie dürften jetzt nicht mehr lackieren“, bedauert Dipl.-Ing. Frank Berger, Branchen-Vertriebsleiter Bereich Maschinenbau bei der Emil Frei GmbH & Co. KG. „Wenn wir für sie dann aber die Lösemittelbilanz erarbeiten und eine Berechnung aufstellen, reichen oft schon kleine Maßnahmen, die ihnen aus der Verlegenheit helfen.“

Einige Firmen würden aufgrund der VOC-Problematik die eigene Lackieranlage in Frage stellen und nur noch mit Pulver beschichten, um auf der sicheren Seite zu sein. „Der Schritt zum Wasserlack hin ist bei vielen zu groß“, erklärt Berger. „Um unter der 5-t-Lösemittelgrenze zu bleiben, vergeben einige Lackierer ihre Lackaufträge dann lieber nach außen als die komplette Lackierung umzustellen.“ Die Grundsatzfragen der VOC-Thematik drehen sich also auch darum, ob überhaupt und wo noch lackiert werden soll.

Die VOC-R, 2007 eingeführt, geht 2010 in die zweite Stufe. Durch sie wird dann ein großer Teil der lösemittelhaltigen Lacke ganz vom Markt verschwinden und der Rest nur noch in Spezialanwendungen, Nischensegmenten und im Korrosionsschutz genutzt.

Die Verarbeitung der verschiedenen Lacke ist nicht gleich: Lösemittelhaltige Lacke sind einfach zu verarbeiten, trocknen schnell und können bei fast allen Umgebungseinflüssen eingesetzt werden. Substitution kann dagegen bedeuten: längere Trocknungszeiten, Kocherbildung, schlechtere Benetzung, Anlagenmodifizierung und längere und präzisere Prozesse. „Die Prozesse müssen ganzheitlich und richtig eingestellt werden“, gibt Berger zu bedenken. „Der Anwender muss wissen, was er tut, welche Auswirkungen sein Tun hat und dass die Wasser- und High-Solid-Lacke einen wesentlichen Einfluss auf die Performance haben.“

 

Modern, aber teuer

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