Exportmärkte Spaniens Wirtschaft und Industrie zurück in der Spur

Autor Stéphane Itasse

Nachdem die Eurokrise in Spanien für erhebliche Wirtschaftseinbrüche gesorgt hatte, erholt sich die Ökonomie wieder. Auch der Maschinenbau kann von anziehenden Investitionen seiner Kundenbranchen profitieren.

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Spaniens Maschinenbauer dürfen sich freuen: Insbesondere ihre Kunden aus der Automobilindustrie planen hohe Investitionen.
Spaniens Maschinenbauer dürfen sich freuen: Insbesondere ihre Kunden aus der Automobilindustrie planen hohe Investitionen.
(Bild: VW)

Im Jahr 2015 wuchs das spanische Bruttoinlandsprodukt real um 3,2 %, wie das Statistikamt INE mitteilt; ein Jahr zuvor waren es noch 1,4 % gewesen. Beide Raten liegen deutlich über dem Wachstum der EU oder der Eurozone. Dabei hat vor allem die spanische Inlandsnachfrage die Wirtschaft belebt, wie die Statistiker mitteilen. Damit lässt das Land die sechs Rezessionsjahre von 2008 bis 2013 hinter sich. Für das laufende Jahr erwartet die EU-Kommission ein Plus von 2,7 %.

Zwar kann man bei den Industrie-Indikatoren im Quartalsvergleich schon Zeichen einer Verschnaufpause entdecken, doch die Wachstumsraten sind immer noch hoch. So legten die Bruttoanlageinvestitionen im vierten Quartal um 6,4 % zum Vorjahr zu, im dritten Quartal waren es noch 6,7 %. gewesen. Die Ausrüstungsinvestitionen wuchsen in den drei Monaten zum Jahresende 2015 um 10,9 % nach 11,2 % im Vorquartal. Das Wachstum der Fertigungsindustrie verlangsamte sich im vierten Quartal des vergangenen Jahres auf 4,1 % nach 4,3 % in den Monaten Juli bis September.

Industrieunternehmen werden wieder zuversichtlicher

Diese positiven Zahlen kommen auch allmählich bei den Industrieunternehmen an. Laut der jüngsten Umfrage zur Industriekonjunktur des Ministeriums für Industrie, Energie und Tourismus im März 2016 bei –1,9 Punkten, das waren 0,4 Punkte mehr als im Vormonat, allerdings auch 0,9 weniger als im März 2015. In den Jahren 2011 und 2012 war dieser Index zeitweise auf –20 Punkte eingebrochen. Damit folgt dieser Stimmungsindex dem Index der Industrieproduktion, der seit dem vierten Quartal 2013 wieder wächst. Als Ursache für den aktuellen leichten Stimmungsrückgang sieht das Ministerium die in den ersten drei Monaten 2016 um 6,5 % gesunkenen Auftragsbestände sowie die um 8 % erhöhten Fertigwarenlager.

Für den Maschinenbau selbst liegen noch keine detaillierten Zahlen vor, das INE berichtet von einem Umsatzwachstum von 8,7 % im Jahr 2015. Das spiegelt sich in der Einfuhr von Maschinen und Anlagen wider, die ihre zweistelligen Wachstumsraten aus dem Jahr 2014 auch in den ersten neun Monaten 2015 mit einem Plus von 18,9 % beibehielten. Noch viel kräftiger legten mit einem Zuwachs um 28,6 % die Importe aus Deutschland zu, dem wichtigsten Maschinenlieferland. Den positiven Trend stützt nach Angaben der Außenhandelsförderung Germany Trade and Invest (GTAI) die staatliche Industrialisierungspolitik, die im Verbund mit frischen EU-Fördermitteln Investitionen in moderne und effizientere Technik begünstigt.

Regierung legt Förderprogramm für Industrieinvestitionen auf

In den kommenden Jahren stehen die Zeichen für weiteres Wachstum im Maschinenbau gut. Um die Reindustrialisierung zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit der Branche zu steigern, will die spanische Regierung 2016 vergünstigte Kredite in Höhe von insgesamt 757,5 Mio. Euro an die Industrie vergeben. Die Laufzeit beträgt bis zu zehn Jahre, die Zinsen liegen zwischen 1,7 und 4 %. Madrid unterstützt damit den Neubau von Industrieanlagen, ihre Verlagerung innerhalb des Landes, die Erweiterung von Produktionskapazitäten oder Modernisierungen. Insgesamt sollen direkt und indirekt fast 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen. Zudem soll diese Unterstützung zur Steigerung der Industrieexporte beitragen, vor allem von Produkten mit einem höheren technischen Niveau.

Darüber hinaus gewinnt nicht nur die Bauwirtschaft nach sieben mageren Jahren wieder an Boden. Insbesondere alle Automobilhersteller mit Produktionsstandorten in Spanien planen Investitionen in Milliardenhöhe, wie die deutsch-spanische Handelskammer (AHK Spanien) berichtet. Ausschlaggebend dafür sind die Arbeitsmarktreformen, die zu mehr Flexibilität und Wettbewerbsfähigkeit geführt haben.

Doch auch die Produktions- und Absatzzahlen der Branche sind positiv: Im Jahr 2015 verließen 133.000 Fahrzeuge mehr als erwartet die 17 Produktionsstätten der Automobilhersteller in Spanien, und damit 330.000 oder 13,7 % mehr als 2014. Spanien festigte damit seinen achten Platz im weltweiten Ranking der Automobilproduzenten, vor Brasilien und hinter Mexiko. Insgesamt wurden laut Daten des spanischen Herstellerverbands AFNAC im vergangenen Jahr 2.733.301 Einheiten gefertigt.

Automobilhersteller kündigen hohe Investitionen in Spanien an

Das Wachstum des heimischen Marktes um 20,9 % hat den Produktionszuwachs genauso positiv beeinflusst, wie die Besserung der wirtschaftlichen Lage in angrenzenden Absatzmärkten wie Frankreich, Deutschland und Großbritannien. Exportiert werden die in Spanien produzierten Automobile bis nach China, Südkorea und in die USA. Damit sind die Zahlen des vergangenen Jahres die besten seit dem Geschäftsjahr 2007, in dem 2,89 Mio. Fahrzeuge produziert worden waren.

Die Verbesserung der Ergebnisse lässt jedoch die spanischen Hersteller ihr gesetztes Ziel von 3 Mio. produzierten Fahrzeugen für das Geschäftsjahr 2017 nicht verändern. Auch das Ziel von 2,8 Mio. Fahrzeugen für 2016 scheint mit der schon Ende 2015 begonnen Produktion der neuen Fahrzeugreihen, wie dem Renault Mégane, in Reichweite. Allerdings scheint es nicht, als ob es einen sprunghaften Anstieg schon 2016 geben würde, da wichtige neue Fahrzeugmodelle erst im Jahr 2017 auf dem Markt kommen.

Was die Investitionsvorhaben der Branche betrifft, kündigte Seat-Chef Jürgen Stackmann eine 3,3-Mrd.-Euro-Investition in den Produktionsstandort Martorell (Barcelona) an, wo bis 2019 mit der Produktion von vier neuen Seat-Modellen begonnen wird. Des Weiteren wird die Volkswagen-Gruppe 900 Mio. Euro in die Fabrik in Landaben (Navarra) investieren, um dort ab 2017 die neue Generation des Polo herzustellen. Mercedes Benz kündigte ebenfalls Investitionen von 780 Mio. Euro für den Standort Vitoria an, wo der Transporter Vito und die Großraumlimousine der V-Klasse hergestellt werden.

Ford investiert in Almussafes nach der Schließung des belgischen Werkes

Auch die weiteren Automobilhersteller legen nach. So flossen seitens Ford seit 2011 über 2,3 Mrd. Euro in den Standort Almussafes (Valencia), der nach der Schließung von Gent (Belgien) mittlerweile der größte des Konzerns in Europa ist. Hier werden die Modelle Mondeo, Galaxy und S-Max hergestellt. Renault investiert zurzeit 600 Mio. Euro in Palencia, wo mittlerweile die vierte Generation des Verkaufsschlagers Megane vom Band rollt. Nissan hat es seinen Konkurrenten gleichgetan und investiert 430 Mio. Euro in die Neuausstattung der Fabriken in Avila und Barcelona, wo neue Lastwagen beziehungsweise das Modell Pulsar und der Nachfolger des Pick-ups Navara produziert werden.

Durch den Zuschlag für die Produktion des neuen Lieferwagens K9 mit einem Investitionsvolumen von 600 Mio. Euro gilt auch der Standort Vigo der PSA Peugeot Citroën Gruppe für die kommenden zehn Jahre als gesichert. Weitere 230 Mio. Euro ließ die Gruppe ins Werk von Villaverde fließen, wo momentan der C4 Cactus hergestellt wird. In dieses positive Gesamtbild reiht sich auch die Investition von weiteren 500 Mio. Euro von General Motors in den Standort Figueruelas ein. Hier wird die fünfte Generation des Opel Corsa montiert.

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