Zertifiziertes Umweltmanagement bei SpanSet

13.02.2017

SpanSet hat Ende 2016 das Umweltmanagement-Zertifikat nach ISO 14001:2015 erhalten. Im Interview gewährt Geschäftsführer Patrick Schulte Einblicke in die Umweltstrategie des Unternehmens und in die Liste der Kundenanforderungen.

SpanSet mit Sitz in Übach-Palenberg bei Aachen entwickelt und produziert Lösungen für die Hebe- und Ladungssicherungstechnik sowie für persönliche Schutzausrüstung und Höhensicherung. Ein umfassendes Dienstleistungs-Portfolio rund um das Safety Management rundet das SpanSet-Angebot ab.

Herr Schulte, seit November 2016 hängt ein Zertifikat nach ISO 14001 in Ihrem Besprechungsraum. Warum erst jetzt und warum überhaupt noch?
Patrick Schulte: Zugegeben: Wir sind keine Vorreiter beim Thema ISO 14001. In dem Zertifikat sehen wir eher eine Dokumentation dessen, was wir in Sachen Umweltschutz schon seit Jahren machen. So gesehen stellt es im Wesentlichen eine Formalie für die Außenwirkung dar. 

Also Marketing?
Wenn Sie unter Marketing nicht allein die plakative Werbung eines Unternehmens verstehen, sondern seine gesamte Marktkommunikation, stimme ich Ihnen zu. Wir kommunizieren mit unseren Kunden und der Öffentlichkeit. Dabei zeigen wir auf, was wir tun, damit unsere Produkte und Dienstleistungen möglichst umweltfreundlich sind. 

„Wegwerfmentalität steht nicht im Einklang mit einem nachhaltigen Umweltmanagement“


Was genau tun Sie denn?
Zum einen produzieren wir in relevantem Umfang hier vor Ort in Deutschland. Neben der eigenen Bandweberei und Färberei stehen uns Spezialmaschinen aus der eigenen Entwicklung zur Verfügung. Damit können wir auch individuelle Wünsche kurzfristig umsetzen, und diese Produkte werden nicht um die halbe Welt transportiert, bevor sie beim Kunden ankommen.

Ein anderer Aspekt: Zurrgurte werden in großen Mengen zur Ladungssicherung genutzt. Preis- und Wettbewerbsdruck haben einen nachteiligen Einfluss auf Qualität und Langlebigkeit. Nach kurzer Nutzungszeit werden die Zurrsysteme entsorgt und ersetzt. Diese Wegwerfmentalität steht nicht im Einklang mit einem nachhaltigen Umweltmanagement – weder aufseiten der Anwender solcher Produkte noch aufseiten ihrer Hersteller. Deshalb dominieren langlebige und somit umweltfreundliche Produkte unser Portfolio. SpanSet hat beispielsweise schon vor zehn Jahren die Mehrwegfähigkeit von Antirutschmatten propagiert und früh eine hochverdichtete Vollgummi-Ausführung ins Angebot aufgenommen. Seinerzeit haben wir uns in den Normenausschüssen für dieses müllvermeidende Produkt stark gemacht. 

„Kunden bewerten den Faktor Langlebigkeit der Produkte höher als den Preis“

Das Umwelt-Bundesamt, das an der Weiterentwicklung von ISO 14001 mitwirkt, weist ausdrücklich darauf hin, dass auch indirekte Faktoren wie die Lebensdauer der hergestellten Produkte Teil des Umweltmanagements sind. 

Korrekt. Diese sogenannten indirekten Faktoren nehmen einen direkten Einfluss auf die Umwelt. Die ISO 14001 fragt ja nicht nur, wie wir im Betrieb Energie und Emissionen einsparen, was wir mit der Abwärme machen oder welche Materialien wir einsetzen. Es geht auch und verstärkt darum, ob und wie unsere Produkte in der Anwendung die Umwelt schonen. Da spielt die Haltbarkeit eine entscheidende Rolle. Wir erleben es immer häufiger, dass unsere Kunden den Faktor Langlebigkeit höher bewerten als den Preis. 

Nur in der Theorie oder auch in der Praxis?
Neben dem ökologischen Aspekt braucht es immer einen weiteren Nutzen, der sich in Euro und Cent ausdrückt. Ein niederländischer Kunde hat kürzlich seine bislang eingesetzten Wettbewerbs-Rundschlingen durch unsere Schwerlast-Rundschlingen mit Tragfähigkeiten von 100 Tonnen ersetzt, obwohl sie mehr kosten. Begründung: die deutlich längere Lebensdauer. Das Plus bei den Kosten wird durch ein Plus bei der Haltbarkeit mehr als kompensiert. Hinzu kommt ein Minus beim Müll. So entstehen in der Praxis – und eben nicht nur in der Theorie – umweltfreundliche Produkte. Zu diesem Kontext passt auch unser Angebot von Reparaturleistungen. Damit verlängern wir die Lebensdauer von Rundschlingen und anderen Produkten der Hebe- und Sicherungstechnik. Diese Reparaturen sind ein Baustein unseres Dienstleistungs-Portfolios mit Prüfleistungen, technischer Kundenberatung und Risikoanalysen. Der wirtschaftliche Nutzen, d.h. Haltbarkeit, Reparaturfähigkeit und kurzfristiger Service sind bei den Kunden entscheidende Argumente.

Fordern die Kunden von Ihnen ein umweltbewusstes Angebot oder ein Zertifikat?
Das erste immer. Das zweite immer öfter. Insbesondere bei Konzernen und öffentlichen Auftraggebern gehört ein zertifiziertes Umweltmanagement häufig zu den Voraussetzungen für die Teilnahme an einer Ausschreibung. Zumindest ist das Zertifikat für uns Differenzierungsmerkmal gegenüber Wettbewerbern, die allein auf den Preis setzen. Wir haben zu Umweltthemen schon immer eine proaktive Haltung eingenommen. ISO 14001 dokumentiert das von neutraler Seite. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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Abb. 1: Umweltfreundliche Argumente allein reichen nicht aus: „Neben dem ökologischen Aspekt braucht es immer einen weiteren Nutzen, der sich in Euro und Cent ausdrückt“, sagt SpanSet-Geschäftsführer Patrick Schulte. Download hier

Patrick Schulte, Geschäftsführer, verantwortet seit 2006 operativ die Bereiche Rechnungswesen, Finanzierung, IT, Einkauf, Fertigung, Personal sowie Qualitätswesen und vertritt die deutschen Gesellschaften und Beteiligungen in der Unternehmensgruppe. Nach seinem Wirtschaftsstudium arbeitete er für eine internationale US-Unternehmensberatung, wechselte in die Konzernsteuerung eines Bochumer Industriekonzerns und war kaufmännischer Geschäftsführer einer mittelständischen Unternehmensgruppe in Wuppertal.