Grindtec 2016 Spezialmesse boomt durch stete Nachprofilierung

Redakteur: Peter Königsreuther

Die internationale Messe für Schleiftechnik, die Grindtec, hat bereits bei ihrem letzten Auftritt im Jahre 2014 die Speerspitzen ihrer Präsentationsphalanx deutlich geschärft – nicht zu jedermanns Freude. Spannende Ideen haben sich der Grindtec-Veranstalter Afag und der Träger, der Fachverband Deutscher Präzisions-Werkzeug­schleifer (FDPW), diesmal wieder einfallen lassen. Welche das sind und welche Trends die Branche derzeit umtreiben, verrät uns der FDPW-Geschäftsführer, Prof. Dr.-Ing. Wilfried Saxler.

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Zukünftig will sich die Grindtec auch stärker um den Schleifmittelsektor kümmern sowie um das Präzisionsschleifen. Der Verein Deutscher Schleifmittelhersteller VDS ist deshalb jetzt auch im Messebeirat vertreten.
Zukünftig will sich die Grindtec auch stärker um den Schleifmittelsektor kümmern sowie um das Präzisionsschleifen. Der Verein Deutscher Schleifmittelhersteller VDS ist deshalb jetzt auch im Messebeirat vertreten.
(Bild: AFAG)

Die Grindtec hat vor zwei Jahren ihr Profil geändert. Was waren die Gründe und wichtigsten Neuerungen?

Durch eine Neugliederung der langen Liste zugelassener Exponate wollten wir die Analysemöglichkeiten verbessern und als fachlicher Träger der Messe das Profil schärfer formulieren. Dazu haben wir eine gezielte fachliche Auswertung der zurückliegenden Messen durchgeführt – und genau das fiel uns ziemlich schwer! Die Nummerierung der Nomenklatur folgte keiner sachlichen Struktur.

Die Begriffe wurden alphabetisch geordnet und dann fortlaufend durchnummeriert. Seit 2014 haben wir den vierstelligen Nummerncodes ein Schema hinterlegt: Die erste Ziffer beschreibt die Warenobergruppe. So steht die „0“ für Werkzeugbearbeitungssysteme, die „1“ für „Schleifmaschinen“, die „3“ für „Maschinenperipherie“. Die zweite Ziffer beschreibt die Untergruppen. Bei den Schleifmaschinen ist das etwa „Außenrundschleifmaschinen“, „Innenrundschleifmaschinen“, „Flachschleifmaschinen“. Die dritte und vierte Ziffer sind in den Gruppen einfach fortlaufend. So können wir und die Afag-Verantwortlichen sofort überschauen, welche Gebiete der Schleiftechnik noch nicht erfasst sind oder nicht dazugehören.

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Gab es Konsequenzen für die Aussteller?

Ja! Deshalb musste manch traditioneller Aussteller auf eine Präsentation verzichten. Das war nicht einfach, aber nach unseren Erklärungen leuchtete das den Betroffenen ein. Schaut man sich als potenzieller Aussteller nun die Hauptgruppen an, so kann man das eigene Produktportfolio im Idealfall schnell zuordnen. Ein weiterer Vorteil betrifft das Anmeldeprozedere, weil die Projektleitung der Afag nun Ausstelleranträge mit fraglichen Exponaten besser beurteilen und einordnen kann.

Wie haben sich die Neuerungen auf Aussteller und Besucher ausgewirkt?

Offenbar ist die Grindtec sehr attraktiv, wenn man das so sagen darf. Ehrlich gesagt haben wir nicht damit gerechnet, dass wir immer noch nicht alle Unternehmen der Schleiftechnik erreicht haben. Denn wir beobachten, dass es Aussteller gibt, für die sich die Messe nicht so sehr rentiert. Das heißt, wir verlieren durchaus einige Aussteller. Weil wir aber seit Beginn der Messe ein stetiges Wachstum der Ausstellerzahl verzeichnen, gewinnen wir offensichtlich neue Protagonisten hinzu und diese kommen nicht nur aus dem Ausland. Die Ausstellerresonanz ist insgesamt sehr positiv. Wir führen keine fachlichen Diskussionen mehr darüber, ob ein Exponat erlaubt ist oder nicht. Die klare Struktur hat sicherlich auch dazu beigetragen. Aber das Entscheidende sind die Besucher. Wachstum auf der Ausstellerseite hinsichtlich Anzahl und belegter Fläche ist nur dann gut, wenn auch die Besucherseite wächst. Es gibt nichts Schlimmeres als gähnende Leere auf den Messeständen. Einige Besucher finden zwar, dass ein Messebesuch nun nicht mehr an einem Tag zu bewältigen ist. Aber die Grindtec ist die Internationale Fachmesse für Schleiftechnik und wenn wir alles zeigen wollen, was relevant ist, dann haben wir auch ohne fachliche Erweiterung das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht.

Planen Sie noch weitere Schärfungen des Präsentationsspek- trums?

Wir haben stets Anfragen zu Exponaten, die zur Schleiftechnik gehören, aber noch nicht erfasst sind, wie spezielle Schleifzentren, Zubehör, Abrichtsysteme, Spannsysteme, Software. Wir wundern uns selbst, was zum Teil noch fehlt. So kamen fast 10 % Neues dazu, was aber nicht bedeutet, dass dies ein entsprechendes Wachstum auslöst. Es handelt sich hier eher um echtes Finetuning. Große Änderungen haben wir für die Zukunft eigentlich nicht geplant.

Welche Trends bewegen die Schleifbranche und folglich die Grindtec momentan?

Meist orientieren sich die Trends in den Fachbranchen an den Megatrends und die Entwicklungstendenzen in der Schleiftechnik lassen sich folglich daraus ableiten. Picken wir mal einige Megatrends heraus, wie Konnektivität, E-Mobilität, Globalisierung, Individualisierung, Neo-Ökologie; dann erkennt man, dass diese auch neue Herausforderungen an technische Maschinen, Geräte, Komponenten, Verfahren und Materialien stellen. Die Weiterentwicklung von Verfahrenskombinationen in Schleif-Dreh-Zentren – hier spreche ich bewusst nicht von Dreh-Schleif-Zentren – ist dabei ein Dauerthema. Besonders durch die Individualisierung werden die zu fertigenden Losgrößen immer kleiner. Aber auch die großen Werkstückgeometrien, wie sie etwa im Energiesektor benötigt werden, fordern die Fertigung in einer Aufspannung. Neue Materialien sowie die steigende Verwendung von Aluminiumlegierungen fordern den Einsatz von PKD-Werkzeugen. Das sind besondere schleiftechnische Herausforderungen, da der harte Schneidstoff nur mit Diamantschleifscheiben bearbeitet werden kann. Dabei werden aber auch abtragende Verfahren, wie das Erodieren und die Laserbearbeitung, alternativ oder in Kombination mit dem Schleifen genutzt. Aber auch die generativen Fertigungsverfahren stellen die Schleiftechnik vor neue Herausforderungen. Die Afag registriert außerdem einen weiterhin starken Trend zur Internationalisierung der Messe.

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Wie sieht es mit der Nachwuchsförderung im Schleifbereich aus?

Das ist ein wichtiges, wenn nicht sogar das wichtigste Thema. Sie ist die Grundlage all dessen, was wir tun, entwickeln und umsetzen wollen und müssen. Der Wettbewerb an Berufsbildern ist in Deutschland sehr groß. Selbst wenn man sich nur die technischen Berufe anschaut, tun sich die Jugendlichen schwer, sich zu entscheiden. Und die Anbieter von solchen Stellen müssen viel tun, um zu überzeugen. Wir haben eigentlich viele Jugendliche auf dem Arbeitsmarkt, aber die meisten wollen studieren gehen. Mittlerweile starten 58 % der Schulabgänger ein Studium. Diese sogenannte Studienanfängerquote lag bis 2007 noch unter 40 %. Auf der Ausbildungsseite sieht es dementsprechend düster aus. Leider wird damit auch die Auswahl an „guten“ Auszubildenden immer kleiner. Das Bemühen um Auszubildende ist bei unseren Verbandsmitgliedern recht hoch. Sie stellen auf Ausbildungsmessen aus. Hier geht es nicht nur darum, das Unternehmen ins richtige Licht zu rücken, sondern auch den Ausbildungsberuf, also das Berufsbild. Zu diesem Zweck haben wir im FDPW mit der Unterstützung unserer Fachakademie und freiberuflicher Profis die Kampagne „Schärfer geht’s nicht“ ins Leben gerufen. Dabei wurde eine neue Homepage „ScharfHoch2.de“ mit einer Menge an Infos rund um den Beruf des Schneidwerkzeugmechanikers respektive der Schneidwerkzeugmechanikerin entwickelt.

Meinen Sie, dass das überzeugend genug ist, eine Zukunft in der Schleifbranche zu suchen?

Das Ganze ist natürlich in einem Look aufgemacht, der Jugendliche anspricht. Außerdem können Unternehmen, die in unserem Handwerk ausbilden wollen, einen Messestand bei uns ausleihen. Das kommt echt gut an. In der FDPW-Geschäftsstelle haben wir damit ein interessantes Barometer geschaffen. An der Häufigkeit der Ausleihungen unserer Messestände – wir haben nämlich gleich mehrere bauen lassen – sehen wir die Dynamik unseres Ausbildungsmarktes. Trotz aller Bemühungen bleibt es ein schwerer Kampf, denn andere Branchen schlafen auch nicht und betreiben massiven Wettbewerbsdruck. Vor allem auch deshalb, weil das Berufsbild nicht so bekannt ist wie das eines Elektrikers, Zerspanungs- oder Industriemechanikers.

Deutschland und die Schweiz genießen in der Schleiftechnik und im Schleifmaschinenbau weltweit ein hohes Ansehen. Ich wünsche mir sehr, dass wir dies halten können. Hierzu brauchen wir Topleute. Gefragt sind nicht nur die Ingenieure. Wir brauchen Fachkräfte in der Anwendungstechnik und in der mechanischen und elektrotechnischen Produktionstechnik. Die schleiftechnischen Systeme und Maschinen werden zwar durch die Benutzersoftware immer einfacher in der Anwendung, aber das technische und technologische Know-kow darf nicht fehlen.

Wie entwickelt sich die Grindtec-Landschaft bezüglich der ausländischen Aussteller?

Wir stellen fest, dass das internationale Interesse an der Grindtec sowohl seitens der Aussteller als auch besuchermäßig sehr groß geworden ist und stetig steigt. Bei der Premiere 1998 waren es nur 15 Firmen, jetzt werden 235 ausländische Unternehmen ihre Innovationen präsentieren. Diese Entwicklung ist klar auf das internationale Engagement zurückzuführen, was man etwa über Werbemaßnahmen in namhaften internationalen Fachmagazinen erreichen kann, wie es die Afag macht. Hier wurden die finanziellen Budgets in den letzten Jahren immer weiter aufgestockt. Aber auch die Besuche von anderen, vor allem ausländischen Fachmessen durch die Afag und den FDPW sind dabei wichtig. Der Erfahrungsaustausch unter den Organisatoren gehört natürlich dazu. Unser Ziel ist es, die Position der Grindtec als Weltleitmesse der Schleiftechnik noch weiter auszubauen. Wir sind auf einem verdammt guten Weg und hoffen sehr, dass wir das Niveau auch für die zukünftigen Messen so halten können. Besonders bemerkbar machen sich inzwischen die Erfolge unserer gemeinsamen Präsentationen sowie der intensivierten Medienarbeit in China und Indien. 2016 kommen allein 60 Unternehmen aus Asien!

Welche Rahmenprogramme ergänzen das Ausstellerangebot in diesem Grindtec-Jahr?

Das Programm wurde vom Veranstalter Afag entwickelt und beinhaltet außer dem breiten Angebot der 560 Aussteller das Kompetenzzentrum Schleiftechnik in Halle 5. Dort sind zahlreiche Forschungseinrichtungen sowie Aus- und Weiterbildungsinstitutionen vertreten. Gemeinsam mit den Fachmedien und dem Grindtec Forum repräsentiert dieser Verbund den neuesten Stand aus Forschung und Entwicklung. Neu auf der Grindtec ist der Themenpark Schleiftechnik 4.0 in der ebenfalls neuen Messehalle 4. Diese Sonderschau mit führenden Unternehmen wie Kuka Roboter, Kellenberger, Wolf IT fokussiert das Thema Digitalisierung in der Schleiftechnik. Der kollegiale Erfahrungsaustausch kommt dabei nicht zu kurz: Unser traditioneller Austellerabend findet am 17. März abends erstmals im Business-Bereich der WWK-Arena des FC Augsburg statt.

Welche Grindtec-Evolutionsschritte machen Sie stolz?

In meiner langen Tätigkeit als Geschäftsführer und Mitglied im Messebeirat konnte ich mich stark in die Entwicklung der Grindtec einbringen. Vorher war ich 14 Jahre in Sachen F&E und in der Industrie im Schleiftechniksektor tätig. Die Entwicklung der Grindtec durfte ich von Anfang an miterleben und in den letzten Jahren mitgestalten.

Die Messe hat sich toll entwickelt. Die Partner haben mir ihr volles Vertrauen geschenkt. Und auf all dies bin ich sehr stolz. Es waren aber besonders die kleinen Schritte, die wir immer mit Bedacht nach vorne gemacht haben. Auch das kann man als Evolutionsschritte, wie Sie es in Ihrer Frage formuliert haben, bezeichnen. Bisher ging's ja immer bergauf und wir hoffen, dass das so bleibt.

Was sind die Ziele für Grindtec 2018? Reicht Augsburg noch?

Mit dem neuen Präsentationsprofil haben wir schon vor der kommenden Messe sehr gute Erfahrungen gemacht und können es 2018 sicher auch so anwenden. Dennoch haben wir den Verein Deutscher Schleifmittelwerke VDS in unseren Beirat aufgenommen. Der VDS wird uns dabei helfen, das Profil auf dem Schleifmittelsektor stärker auf das Präzisionsschleifen zu fokussieren. Unser Ziel liegt ganz klar auf dem Erhalt der Qualität der Messe, wir wünschen uns aber natürlich auch ein gesundes Wachstum. Damit meine ich eine Steigerung auf beiden Seiten – also auf der Aussteller- und der Besucherseite. Ihre zweite Frage kann ich eindeutig mit „ja“ beantworten. Die Afag wird in zwei Jahren den gestiegenen Flächenbedarf durch eine temporäre Messehalle auf dem Freigelände abdecken. Diese professionelle Halle wird über die Halle 3 optimal in den Besucherrundgang eingebunden sein. Das wurde von der Afag bereits im vergangenen Oktober anlässlich der Weltleitmesse für Aufzugtechnik, der Interlift, sehr erfolgreich praktiziert. Spätestens für die Grindtec 2020 steht die wesentlich größere neue Halle 2 zur Verfügung, die das Wachstum problemlos aufnimmt. MM

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