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ZVEI Jahreskongress

Sprachlose Roboter kündigen Digitalisierung an

| Redakteur: Frank Jablonski

Prof. Johanna Wanka kündigt auf dem ZVEI-Jahreskongress in Berlin weit reichende Investitionen in Bildung und Forschung an.
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Prof. Johanna Wanka kündigt auf dem ZVEI-Jahreskongress in Berlin weit reichende Investitionen in Bildung und Forschung an. (Bild: Jablonski)

Die Bandbreite der Kunden und Anwender von Elektrotechnik und Elektronik ist extrem breit, doch sie alle durchleben gerade den Trend der Digitalisierung. Im kreisrunden Tempodrom in Berlin versuchte der diesjährige ZVEI-Jahreskongress einen Rundumblick.

Automatisierung – fj. Künstliche Intelligenz, sprachlose Kommunikationsroboter, intelligente Moleküle und personalisierte Medizin - die Bandbreite des ZVEI-Jahreskongress in der vergangenen Woche in Berlin war breit, ordnete sich aber immer dem Motto unter: „Mensch, Maschine, Miteinander - Leben in einer digitalen Welt“.

Beispielsweise versuchte sich der Vorsitzende der Geschäftsführung von Bosch, Dr. Volkmar Denner, an der Einordnung des Internets der Dinge zwischen der Gegenwart und einer fernen Zukunft. So sei man bei Bosch bereits heute soweit, dass neuronale Netze aus Dingen und Geräten intelligente Assistenten für den Bediener entstehen ließen.

Ein autonom fahrendes Auto ist für Denner eine von vielen Anwendungen, an denen bei Bosch gearbeitet wird. Dass auch ein Mehr an Sicherheit in der digitalen Welt notwendig ist, zeigte er am Beispiel der Blockchain-Technologie. Diese Systematik, bei der Daten fälschungssicher in einer Art dezentraler Datenbank gesichert werden, ist eine Mischung aus Methodik und Technik, um Verträge oder Zahlungen abzusichern oder den Betrug mit manipulierten PKW-Tachometer-Ständen einzudämmen.

Der Digitale Zwilling beim ZVEI-Jahreskongress

Sein Verbandskollege und Wettbewerber Klaus Helmrich von Siemens zieht die Waschmaschine als Parade-Beispiel heran, um den Nutzen des Digitalen Zwillings und der Vernetzung zu erläutern: Zum ersten könne vor der Produktion des realen Gerätes wichtige Fragestellungen der Konstruktion und Fertigung geklärt werden. Zum zweiten kann der Anwender über die höhere Informationsdichte profitieren und drittens könnte der Rückfluss von Nutzungsdaten der Komponenten an den Hersteller zukünftig wertvolle Hilfe zur Verbesserung von Produktion und Herstellungsprozess geben.

Auch die Politik ließ es sich nicht nehmen, mit ihrer Anwesenheit die Bedeutung der Automatisierer zu würdigen. Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries ging auf die besondere Stellung der Elektroindustrie in einer digitalen Zukunft ein und Kabinettskollegin Prof. Johanna Wanka forderte in Ihrer Funktion als Bundesbildungs- und -forschungsministerin eine Bildungsoffensive für die digitale Wirtschaft, um nach Gentechnik, Kernfusion und anderen Zweigen, in denen Deutschland zwar forscherisch exzellent aber wirtschaftlich abgehängt sei, nicht erneut gesellschaftlich negativ zu besetzen: „Wir neigen dazu, Angstdebatten zu führen. Wir sollten aber statt dessen Zukunftsfelder positiv besetzen. So ist es beispielsweise wichtig, dass wir Produktionen aus dem Bereich des autonomen Fahrens wieder nach Europa zurück holen“, rief sie den etwa 300 Kongress-Teilnehmern zu.

Durch die „Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland“ werden im ersten Schritt insgesamt 13 beteiligte außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit modernen Geräten und Anlagen ausgestattet. Der Fraunhofer-Verbund Mikroelektronik sowie das Ferdinand-Braun-Institut, Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik und das Leibniz-Institut für innovative Mikroelektronik erhalten dafür rund 350 Millionen Euro. Zusammen mit weiteren Maßnahmen werden für Forschung und Innovation in der Mikroelektronik insgesamt etwa 800 Millionen Euro bis zum Jahr 2020 ausgegeben, so Wanka in ihrer Rede.

Bund mischt in der Bildung mit

Auch auf ein weiteres Thema, das von den großen deutschen Verbänden häufig thematisiert wird, ging sie in ihrer Rede ein: Zwar dürfe der Bund aufgrund des Bildungsföderalismus inhaltlich in Sachen digitaler Bildung an Schulen nicht bestimmen, dennoch kündigte sie weit reichende Investitionen an den Schulen an: Das Forschungsministerium bietet demnach an, über einen Zeitraum von fünf Jahren mit fünf Milliarden Euro Grundschulen, weiterführende Schulen und Berufsschulen in Deutschland mit digitaler Ausstattung wie Breitbandanbindung, WLAN und Geräten auszustatten. Im Gegenzug sollen sich die Länder verpflichten, die entsprechenden pädagogischen Konzepte, die Aus- und Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern sowie gemeinsame technische Standards umzusetzen.

Aufmerksam folgten die Kongress-Teilnehmer auch den Einschätzungen des Regierungsberaters Prof. Schmidt. Der Vorsitzende der Wirtschaftsweisen reagierte auf die internationale Kritik am deutschen Exportüberschuss und zeigte auf, dass die deutschen Exporte langsamer als in früheren Jahren wüchsen. Ein Grund zur Sorge sieht Schmidt jedoch nicht: „Der Euro-Raum befindet sich seit dem Jahr 2013 in einer Erholungsphase. Mit erwarteten Zuwachsraten von 1,7 und 1,6 % in diesem und im nächsten Jahr dürfte er kräftig wachsen.“ Zudem steige die Kapazitätsauslastung weiter und die Arbeitslosigkeit würde weiter fallen. Sorge bereitet Schmidt lediglich Frankreich aufgrund der geringen Wachstumszahlen.

Dass am Ende des Kongresses nicht alles in Sachen Digitalisierung auf Anhieb funktioniert, demonstrierte Moderator Jo Schück gemeinsam mit Prof. Handke, die den Kommunikationsroboter Pepper auf der Bühne zum Reden bringen wollten. Das klappte zu Belustigung der Teilnehmer nicht, zeigt aber am Ende besser als das Fazit vom wiedergewählten ZVEI-Präsidenten Ziesemer, dass in der digitalen Welt schon vieles geht, aber die Tücke häufig noch im Detail steckt.

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