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Hochregallager

SSI Schäfer erstellt Lagerlösung aus einem Guss

| Autor/ Redakteur: Jörg Wurlitzer / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Durch automatische Lagerprozesse erzielt der Papierwaren-Hersteller Wepa erhebliche Zeit- und Kosteneinsparungen. Für die Prozesse zwischen Produktion und Rampe hat SSI Schäfer aus Giebelstadt eine Lösung aus einer Hand und einem Guss erstellt – über 30 000 Paletten sind auf 13 Ebenen im schnellen Zugriff.

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Die Lagerverwaltungssoftware „Ant“ von SSI Schäfer sorgt im Hochregallager von Wepa für transparente, effiziente Lagerverwaltung und optimale Steuerung der komplexen Fördertechnik und Subsysteme. Bild: SSI Schäfer
Die Lagerverwaltungssoftware „Ant“ von SSI Schäfer sorgt im Hochregallager von Wepa für transparente, effiziente Lagerverwaltung und optimale Steuerung der komplexen Fördertechnik und Subsysteme. Bild: SSI Schäfer
( Archiv: Vogel Business Media )

Standortsicherung, Konzentration von acht Außenlägern, Automatisierung der intralogistischen Prozesse und eine Verringerung der Transportkosten – die Zielvorgaben waren exakt definiert, als die Entscheidungsträger des Papierwaren-Herstellers Wepa im Herbst 2005 die Neustrukturierung der Logistik und die Errichtung eines Hochregallagers (HRL) am Stammsitz im sauerländischen Arnsberg-Müschede beschlossen.

„Das vorherige Blocklager bot nur etwa 10% der benötigten Palettenstellplätze, so dass wir zusätzlich acht Außenläger betreiben mussten“, erklärt Wepa-Logistik-Leiter Rainer Melles. „Mit dem Hochregallager an diesem Standort erzielen wir deutliche Kosten- und Qualitätsvorteile.“ Allein für die Zusammenführung der verteilten Waren musste oft ein erheblicher Aufwand betrieben werden. „Mehrere Kunden erhalten bis zu 30 verschiedene Artikel von uns“, so Melles. „Um eine solche Komplettladung zusammenzustellen, hatten wir im Vorfeld der eigentlichen Distribution unwirtschaftliche Vorläufe.“

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Zentrallager muss auch die Funktion eines Produktionspuffers übernehmen

In einem immer stärker vom Wettbewerb geprägten Umfeld kann sich das kein Unternehmen über einen längeren Zeitraum erlauben. Das inhabergeführte Unternehmen zählt mit 300 Mio. Euro Jahresumsatz, 1400 Mitarbeitern und einem Produktionsausstoß von 240 000 t pro Jahr zu den führenden Herstellern von Papiertaschentüchern, Haushalts- und Toilettenpapier, Papierhandtüchern und anderen Hygiene- und Kosmetikprodukten aus Zellstoff und recyceltem Altpapier.

„Eine sehr empfindliche Produktgruppe“, so Melles. „Da war das mehrfache Handling nicht nur unwirtschaftlich, sondern oft auch mit Risiken verbunden.“ Ein Zentrallager musste her, das mit ausreichend Kapazitäten auch die Funktion eines Produktionspuffers übernehmen konnte.

Den Auftrag für das Gesamtprojekt vergab Wepa an SSI Schäfer, Giebelstadt. Als Generalunternehmer für eine schlüsselfertige Erstellung des neuen Zentrallagers übernahmen die Spezialisten für hochdynamische Logistiksysteme die Bauabwicklung des rund 13 Mio. Euro umfassenden Projektes – inklusive Dach- und Wandbau, Haustechnik und Sprinkleranlage. In weiteren Umsetzungsschritten realisierte SSI Schäfer dann den Stahlbau für das automatische Hochregallager, integrierte die Lager- und Palettenfördertechnik nebst Regalbediengeräten und Steuerungstechnik und sorgte schließlich mit Installation der leistungsstarken Lagerverwaltungssoftware „Ant“ für die notwendige informationstechnische Basis.

Hohe Systemleistung trotz begrenzten Raums

„Eine Lager-Lösung aus einer Hand und einem Guss“, urteilt der SSI-Projektbeauftragte Andreas Hümmer. „Auf diese Weise konnten wir trotz des begrenzten Raumes und des engen Zeitplans eine Anlage mit derart hoher Systemleistung realisieren.“

Seit rund einem halben Jahr läuft das neue Hochregallager, das auf die dynamische Kommissionierung von Schnelldrehern ausgelegt ist, nun im Vollbetrieb. Auf 13 Ebenen stehen dort in acht Gassen 33 500 Stellplätze für doppelt tiefe Einlagerung von Paletten mit Papierwaren zur Verfügung. „Während wir einen Produktionsrhythmus 24/7 im Vierschicht-Betrieb haben, erfolgt die Distribution an fünf Werktagen bis freitags 22 Uhr“, sagt Melles. „Da muss ein Lager effiziente Auslagerungs- und Kommissionierstrukturen sowie Pufferfunktionen bei der Produktionsentsorgung bieten.“

Dazu ist das Lager über die neue Fördertechnik direkt an die Produktionslinien angebunden. Die im Werk fertig verpackten Verkaufseinheiten werden in eine Zentralpalettierung eingeschleust. Dort erfolgt in einer Stretchanlage die Fixierung der palettierten Artikel mit Folie, die Kennzeichnung der Paletten mit einem Barcodeetikett und die Erfassung im Lagerverwaltungssystem (LVS), das nach Kriterien, die Wepa festgelegt hat, die Lagerplätze vergibt und die unterlagerten Subsysteme wie etwa die Regalbediengeräte (RBG) steuert.

Lagerverwaltungssoftware „Ant“ von SSI Schäfer kommt zum Einsatz

Zum Einsatz kommt bei Wepa das plattformunabhängige Lagerverwaltungssoftware „Ant“ von SSI Schäfer. Die Lagersoftware hat sich bereits bei zahlreichen namhaften Kunden als leistungsstarkes IT-System bewährt. Grundlage dafür bilden die moderne, branchenübergreifende Systemarchitektur und die konsequente Anwenderorientierung, die sich im modularen Aufbau des Systems widerspiegelt.

Bereits mit seinen Standardmodulen deckt „Ant“ eine Vielzahl der vom Markt geforderten Leistungsumfänge weitgehend ab. Logistische Funktionen wie etwa Wareneingangsabwicklung, Lagerplatzoptimierung und Auftragszusammenführung, die Tourenabwicklung oder eine durchgängige Inventur nach Handelsgesetzbuch-(HGB-)Richtlinien sind so ohne zeitraubenden Programmier- und Kostenaufwand realisierbar. Durch Parametrierung lässt sich das LVS in seinen Funktionalitäten überdies komfortabel auf die jeweils kundenspezifischen Anforderungen zuschneiden.

So auch bei Wepa. Unterhalb des kundenseitigen Hostsystems sorgt „Ant“ in Arnsberg-Müschede nicht allein für transparente, effiziente Lagerverwaltung. Im HRL von Wepa steuert „Ant“ die kompletten Warenein- und -ausgangsfunktionen ebenso wie die Produktionsentsorgung, die komplexe Fördertechnik und die Subsysteme. Zwei eingesetzte PC-gestützte Visualisierungssysteme informieren darüber hinaus den Leitstand jederzeit über die aktuellen Anlagenzustände und -auslastungen und zeigen gegebenenfalls auftretende Ablaufunterbrechungen präzise und informativ an. Als weitere Softwaresysteme kommen bei Wepa eine Oracle-Datenbank sowie das Betriebssystem Linux zum Einsatz.

Mitfahrende Kameras für durchgängige Überwachung

Die gestretchten Paletten werden automatisch auf ihre Lagerfähigkeit geprüft und gegebenenfalls am Nicht-in-Ordnung-(NIO-)Platz ausgesteuert beziehungsweise den Regal-bediengeräten zugeführt. Mit einer Geschwindigkeit von bis zu 200 m/min und einem Hub der Teleskopgabeln von 80 m in 60 s sausen die acht RBG durch die Gassen und sorgen mit ihren Doppelspielen für eine Einlagerung von 230 Paletten und eine Auslagerung von 270 Paletten pro Stunde. Damit die Prozesse durchgängig überwacht werden können, sind alle acht Regalbediengeräte mit mitfahrenden Kameras ausgestattet. Mit ihnen können Störungen erfasst und in der Leitzentrale sichtbar gemacht werden, ohne dass ein Service-Mitarbeiter die 40 m hohen Masten erklimmen muss.

Allein am Standort Arnsberg-Müschede produziert Wepa in vier Schichten etwa 1800 Paletten Papierhandtücher und Toilettenpapier. Hinzu kommen Anlieferungen aus anderen Wepa-Werken, die für Komplettlieferungen im neuen Zentrallager zusammengeführt werden. „Daher sind die Prozesse auf Hochverfügbarkeit ausgelegt“, so Melles. „Wir haben uns an dem Bedarf in Spitzenzeiten ausgerichtet und eine Umschlagleistung von 425 Paletten pro Stunde vorgegeben.“ Dabei können die Leistungsspitzen von Ein- und Auslagerung unabhängig voneinander gesteuert werden: hohe Auftragsbestände, reduzierte Einlagerungen – hohe Produktionsentsorgung, reduzierte Auslagerungsprozesse.

Daten kommen aus dem Warenwirtschaftssystem Navision

Für die Auslagerung und Zusammenstellung der Lieferaufträge erteilen die Versandkoordinatoren von Wepa dem Lagerverwaltungssystem die entsprechenden Angaben. Mit den Daten aus dem Warenwirtschaftssystem „Microsoft Navision“ stößt das LVS die Auslagerung an.

Die Regalbediengeräte setzen die jeweiligen Paletten an Übergabepunkten auf die Palettenförderanlage, die die Paletten in den Verladebereich und dort direkt bis an den wartenden Lkw transportiert (die Lkw-Fahrer wurden vorher per SMS-Mitteilung über das anzudockende Tor informiert). Dort nimmt der beauftragte Lkw-Fahrer die Ware von der Fördertechnik ab und lädt sie mit einem von Wepa bereitgestellten Hubwagen in den Lastkraftwagen.

Ein Wepa-Rampenkoordinator überwacht die Lkw-Beladung und schließt datentechnisch die Verladung ab, was dann den automatischen Lieferscheindruck bewirkt. Zwischen 2000 und 2500 Paletten gehen auf diese Weise täglich von Arnsberg-Müschede zu Kunden.

Hochwertigere Tätigkeiten für ehemalige Lageristen

Mittlerweile ist das gesamte Lagergut der acht Außenläger in dem neuen Zentrallager gebündelt – die bisherigen Läger konnten aufgelöst werden. Für die Steuerung, Überwachung und Abwicklung der effizienten Abläufe genügen in dem neuen automatischen Hochregallager überdies insgesamt 15 Mitarbeiter. „Die operativen Kräfte waren früher mit manuellen Tätigkeiten im Lager befasst“, erläutert Melles. „Mit den neuen automatischen Abläufen im Hochregallager haben wir die Mitarbeiter weiterqualifizieren und ihnen hochwertige Arbeitsplätze im Leitstand des Hochregallagers anbieten können.“

Dort erfolgt die Visualisierung der Anlagenzustände, auf die die Wepa-Mitarbeiter in Problemfällen als First-Level-Support sofort reagieren können. Darüber hinaus haben Wepa und SSI Schäfer einen Wartungsvertrag mit einer 24-h-Service-Hotline vereinbart, um die hohe Verfügbarkeit von Waren und Anlage sicherzustellen.

Einsparung von Transport- und Lagerkosten, Zeitersparnis bei der Auftragsbearbeitung, Qualitätssteigerung durch effiziente, flexible und durchgängig transparente Prozesse – die Investitionen in das neue HRL haben sich schnell amortisiert. „Unsere Zielvorgaben konnten wir mit dem neuen Hochregallager vollkommen realisieren“, resümiert Melles. „Dabei zeichnete sich SSI Schäfer in dem Projekt durch hohe Flexibilität, schnelle Reaktion und konsequente Kundenorientierung aus.“

Dipl.-Ing. Jörg Wurlitzer ist Business Unit Manager bei der SSI Schäfer Noell GmbH, 97232 Giebelstadt, Tel. (09334) 979316, fellmann@ssi-schaefer-noell.com

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