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Studie Städte werden als Industriestandort wieder attraktiv

| Redakteur: Melanie Krauß

Großstädte erleben laut DIW deutlich mehr industrielle Betriebsgründungen als andere Regionen Deutschlands. Insbesondere Unternehmen mit starkem Fokus auf Forschung und Entwicklung profitieren in Ballungsgebieten von einem Produktivitätsvorteil.

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Großstädte wie Berlin und München werden als Standort für Industriegründungen wieder interessanter. Unternehmen profitieren hier von einem verstärkten Wissenstransfer durch nahegelegene Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
Großstädte wie Berlin und München werden als Standort für Industriegründungen wieder interessanter. Unternehmen profitieren hier von einem verstärkten Wissenstransfer durch nahegelegene Hochschulen und Forschungseinrichtungen.
(Bild: gemeinfrei / CC0 )

Management – mk. In deutschen Großstädten und Metropolen wurden im Zeitraum 2012 bis 2016 rund 40 % mehr Industriebetriebe gegründet als in den übrigen Regionen Deutschlands. Das zeigt eine von der Hans-Böckler-Stiftung in Auftrag gegebene Studie von Martin Gornig, Forschungsdirektor Industriepolitik am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) und Axel Werwatz von der Technischen Universität Berlin. Besonders attraktiv für industrielle Gründerinnen und Gründer sind Berlin und München. Aber auch Leipzig, Dresden und Städte an Rhein und Ruhr zeigen eine überdurchschnittliche Gründungsintensität.

Mögliche Gründe dafür liefert eine zweite, gleichzeitig veröffentlichte Studie von Heike Belitz und Alexander Schiersch vom DIW Berlin. Die Forscher konnten zeigen, dass in Ballungsgebieten angesiedelte Industrieunternehmen eine höhere Produktivität aufweisen als Betriebe in peripheren oder ländlichen Regionen. Der Produktivitätsvorteil für die Unternehmen in der Stadt ist bei Unternehmen mit starker Forschung und Entwicklung besonders ausgeprägt.

„Forschungs-und-entwicklungsstarke Unternehmen in städtischen und zentralen Räumen profitieren am deutlichsten von den Vorteilen der Agglomerationsräume, zum Beispiel vom Wissenstransfer“, so Belitz. „Und dieser geschieht am erfolgreichsten dort, wo auch private und öffentliche Forschung stark ist“. Dies sei am größten Forschungsstandort Deutschlands, in München, der Fall. Stuttgart verfüge zwar über eine umfangreiche Unternehmensforschung, aber über relativ wenig öffentliche Forschung. In Berlin sei es umgekehrt.

Die Bedeutung der Großstädte als Industriestandort hänge sehr stark davon ab, wie intensiv das von Hochschulen und Forschungseinrichtungen produzierte Wissen von den Unternehmen genutzt wird. „Hier erscheint es sinnvoll, bei der Förderung des Wissens- und Technologietransfers stärker auf Marketing und Anreizelemente für Hochschulen und außeruniversitäre Forschungsinstitute zu setzen,“ so Belitz weiter.

Von einer wahren Renaissance der Stadt als Industriestandort oder Industrie als neuem Wachstumsmotor für die Städte könne aber noch nicht die Rede sein. „Dafür müssen erstens aus neugegründeten Betrieben schnellwachsende Unternehmen werden, zweitens müssen die bestehenden Industrieunternehmen in den Städten die digitale Transformation erfolgreich meistern“, so Gornig.

Wie Unternehmen dafür gewappnet sind, haben Gornig und Ralf Löckener von Sustain Consult am Beispiel Berlin untersucht. Dazu wurden eine Umfrage unter Betriebsräten industrieller Betriebe der Hauptstadt und vertiefende Interviews mit Unternehmens-, Verbands- und VerwaltungsvertreterInnen geführt. Die Ergebnisse zeigen, dass es in Berlin bei den Industriebetrieben einen großen Anpassungsbedarf gibt. Zwar spielt bei 74 % der Befragten das Thema „Industrie 4.0“ im Unternehmen eine Rolle, aber 47 % sagen, es mangele an externer Unterstützung, um die Herausforderungen zu meistern. „Insbesondere vielen kleinen und mittleren Industrieunternehmen gelingt es bisher zu wenig, sich das innovationsfördernde Umfeld Berlins zunutze zu machen“, sagt Löckener.

Die Politik kann laut DIW Berlin in vielfacher Weise die Rückkehr der Industrie in die Städte unterstützen und fördern, zum Beispiel mit einer verbesserten Bereitstellung von Risikokapital, der Intensivierung des Wissenstransfers oder der Verfügbarkeit von Fachkräften aus dem In- und Ausland. Um die innovative Weiterentwicklung von Produkten und Angeboten zu unterstützen, können in Städten wie Berlin die öffentlichen Infrastrukturinvestitionen, zum Beispiel im Energie- oder Logistikbereich, die lokalen Unternehmen einbinden. Eine zentrale Aufgabe der Politik werde es zudem sein, bei knapper werdenden Flächen in den Innenstädten, die auch beliebte Wohnstandorte sind, Nutzungskonflikte zwischen Gewerbe und Wohnen aufzulösen.

Betriebsgründungen je 100.000 Beschäftigte
  • Berlin: 230
  • München: 105
  • Rhein-Main: 77
  • Leipzig/Dresden: 76
  • Rhein-Ruhr: 66
  • Hamburg: 63
  • Stuttgart: 47
  • Übriges Bundesgebiet: 58
  • „Es stellt sich aber auch die Frage, ob es aus regionalpolitischer Sicht überhaupt wünschenswert ist, Städte, die schon große Dienstleistungsstandorte sind, auch noch als Industriezentren zu fördern, denn ländliche Regionen könnten dadurch noch stärker abgehängt werden“, gibt Gornig zu bedenken. „Anderseits könnte die Attraktivität von Berlin oder Städten an Rhein und Ruhr das Muster eines zunehmenden Gefälles zwischen einem wirtschaftlich starken Süddeutschland und einem schwächeren Norden brechen.“

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