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Digitaler Arbeitsschutz

Ständige digitale Alarmbereitschaft führt zu krankmachendem Stress

| Redakteur: Victoria Sonnenberg

Digitaler Arbeitsschutz bietet Unternehmen wertvolle Ansatzpunkte, um mit digitalen Medien konstruktiv umzugehen und Stress zu reduzieren.
Digitaler Arbeitsschutz bietet Unternehmen wertvolle Ansatzpunkte, um mit digitalen Medien konstruktiv umzugehen und Stress zu reduzieren. (Bild: Trueffelpix - Fotolia.com)

Mit dem neuen Verfahren „Digitaler Arbeitsschutz“ hat der Tüv Rheinland gemeinsam mit dem Slow-Media-Institut eine Basis geschaffen, die einen angemessenen Medienumgang in Unternehmen fördern soll.

Ständiges Handyklingel und der stete E-Mail-Check, das zeitgleiches Reagieren auf eingehende Anfragen und Aufgaben rufen bei vielen Arbeitnehmern Stress hervor. In ständiger digitaler Alarmbereitschaft ist für sie ein eigenverantwortliches Filtern, Priorisieren und Bearbeiten der vielen Informationen und Aufgaben kaum noch möglich. Überforderung, Stress und damit einhergehende Krankheitssymptome sind oftmals die Folge. In den vergangenen zehn Jahren verzeichnete die AOK einen Anstieg der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen um zwei Drittel. Tüv Rheinland und das Slow-Media-Institut haben mit dem neuen Verfahren „Digitaler Arbeitsschutz“ eine Basis geschaffen, den angemessenen Medienumgang im Unternehmen zu fördern und ein kooperatives, positives Leistungsklima im digitalen Arbeitsumfeld zu etablieren.

Prüfzeichen bestätigt gesunden Medieneinsatz in Unternehmen

Das Verfahren ist Bestandteil des Prüfzeichens „Ausgezeichneter Arbeitgeber“ von Tüv Rheinland. Neben einem obligatorischen Grundmodul, welches das vollständige Personalmanagement umfasst, können Unternehmen zusätzlich ihren digitalen Arbeitsschutz prüfen und zertifizieren lassen. Vor Ort prüfen Tüv-Rheinland-Auditoren, inwiefern Unternehmen ein Konzept zum digitalen Arbeitsschutz etabliert haben und dieses von allen gelebt wird. Mit einem Prüfzeichen verdeutlichen Unternehmen nach außen, dass sie für einen verantwortungsvollen, fortschrittlichen und den Mitarbeitern zuträglichen Einsatz digitaler Medien stehen und nach entsprechenden Leitlinien handeln. Zugleich dient das Prüfzeichen Arbeitssuchenden als Indikator, welches Unternehmen einen gesunden Medieneinsatz und damit ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Arbeitszeit und Freizeit fördert. Das Prüfzeichen kann so die Entscheidung für einen Arbeitgeber positiv beeinflussen. „Arbeitnehmer achten zusehends auf diese weichen Faktoren. Unternehmen, die hier aktiv sind, verbessern ihre Chancen, Mitarbeiter und besonders Fachkräfte zu finden“, erklärt Arne Spiegelhoff, Projektleiter bei Tüv Rheinland.

Mit präventiven Maßnahmen der Gefahr begegnen

Digitaler Arbeitsschutz bietet Unternehmen wertvolle Ansatzpunkte, um mit digitalen Medien konstruktiv umzugehen und Stress zu reduzieren. In systematischer Weise werden Mitarbeiter-, Team- und Führungsebene in ein Unternehmenskonzept eingebunden. „Für den Erfolg des digitalen Arbeitsschutzes ist es wichtig, dass diese drei Ebenen kooperieren. Dies reicht von der Vereinbarung unterbrechungsfreier Arbeitsphasen, der Schulung der Mitarbeiter, der Einbindung des Themas in jährliche Personalgespräche bis hin zur Auswertung von Kündigungsgründen“, erklärt Sabria David vom Slow-Media-Institut. Ziel ist es dabei, den Fortschritt der digitalen Technologien adäquat in die Arbeitswelt zu integrieren und ihren Gefahren mit präventiven Maßnahmen zu begegnen.

Regelungen sollen Work-Life-Balance fördern

In der Maßnahmenumsetzung bedeutet das für Unternehmen konkret: Sie müssen unter anderem klare und dokumentierte Regelungen zur Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit treffen, die eine ausgewogene Work-Life-Balance fördern. Ein Unternehmen kann zum Beispiel festlegen, dass die Erreichbarkeit via Handy oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit und an Wochenenden untersagt wird, für welche Fälle es Ausnahmeregelungen gibt und wie ein entsprechender Zeitausgleich für die betroffenen Personen aussieht. Auf Organisations- und Teamebene sind konkrete Maßnahmen zur Eindämmung der E-Mail-Flut zu entwickeln und zu vereinbaren. „Hier spielen auch Vorgesetzte eine wichtige Rolle. Sie können im Vorfeld Informationen sinnvoll filtern, gezielt delegieren und so unnötige E-Mails vermeiden“, erklärt Arne Spiegelhoff. Zudem muss das Unternehmen einen Beauftragten für den digitalen Arbeitsschutz benennen. Dieser fungiert für alle Parteien als zentraler Ansprechpartner. Er wertet die Verbesserungsvorschläge aus und gestaltet den digitalen Arbeitsschutz als fortlaufenden Prozess.

Die Tüv-Rheinland-Auditoren prüfen vor Ort in dem Unternehmen, ob das Unternehmen alle notwendigen Anforderungen erfüllt. Dazu werden Dokumente, Protokolle und Auswertungen geprüft, die ein Unternehmen über die verschiedenen Prozesse vorlegen muss. Diese Vorgaben werden in Gesprächen mit Mitarbeitern und Führungskräften auf ihre Umsetzung im geschäftlichen Alltag überprüft. Bei erfolgreichem Audit erhält das Unternehmen ein Prüfzeichen und ein entsprechendes Zertifikat.

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