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Internationale Märkte

Südkoreas Wirtschaft leidet unter Chinas Schatten

| Autor: Stéphane Itasse

Mit Südkoreas Wirtschaft geht es eher zögerlich wieder aufwärts, die Abhängigkeit von China ist groß.
Mit Südkoreas Wirtschaft geht es eher zögerlich wieder aufwärts, die Abhängigkeit von China ist groß. (Bild: Siemens)

Nachdem das BIP im vergangenen Jahr um 2,4 % geschrumpft ist, dürfte Südkoreas Wirtschaft 2016 wieder zum Wachstum zurückkehren. Die Zentralbank wird mit ihren Prognosen allerdings immer vorsichtiger.

Für das laufende Jahr geht die Zentralbank Bank of Korea in ihrer jüngsten Veröffentlichung von 2,7 % Wachstum aus, nachdem es zu Jahresanfang noch 3 % sein sollten. Im Jahr 2017 sollen es dann 2,8 % werden. Diese Wachstumsprognose ist immer noch höher als die des staatlichen Forschungsinstitutes KDI mit 2,6 % und die der privaten Wirtschaftsforschungsinstitute (LG: 2,5 %, Hyundai: 2,5 % und Keri: 2,3 %), wie die Deutsch-Koreanische Handelskammer (AHK Korea) berichtet.

Der Internationale Währungsfonds IWF hingegen rechnet laut Informationen der Kammer mit einem Wachstum von 3 % für Südkoreas Wirtschaft im kommenden Jahr. Der Fonds empfahl der koreanischen Regierung, die expansive Finanz- und Geldpolitik fortzusetzen und gleichzeitig eine Strukturreform anzustreben, um das Wachstumspotenzial zu verbessern. Nach den vom Parlament vorgelegten Wirtschaftsaussichten wird das koreanische BIP pro Kopf im laufenden Jahr 27.625 US-Dollar und im kommenden Jahr 29.763 Dollar betragen. Den mittelfristigen Wirtschaftsaussichten zufolge wird das BIP pro Kopf im Jahr 2018 auf 31.744 Dollar steigen.

Binnennachfrage und Politik sorgen für Wirtschaftswachstum

Angetrieben wird das Wachstum laut Analyse der Zentralbank vor allem von der Binnennachfrage, die wiederum von einer expansiven Wirtschaftspolitik unterstützt wird. Für das kommende Jahr erwarten die Volkswirte der Bank of Korea, dass auch die Exporte wieder anziehen, wenn sich der Welthandel allmählich wieder erholt. Ihr Anteil an der Wirtschaftsleistung ist beträchtlich: Daten der Weltbank zufolge hängen in Südkorea 45,9 % des BIP vom Export von Gütern und Dienstleistungen ab, diese Rate ist fast genauso hoch wie in Deutschland (46,9 %). Der weltweite Durchschnitt liegt demnach bei gerade einmal 29,1 %. Doch die Exportzahlen Südkoreas sehen nach Angaben der AHK aktuell nicht gut aus: Die Ausfuhren sind nach einer kurzen Erholung im Juni wieder zurückgegangen. Laut Daten des Zollamtes liegt das Exportvolumen vom 1. bis 20. Juni bei 25,65 Mrd. Dollar, 12,8 % weniger als ein Jahr zuvor. Bei den Ausfuhren geht es seit Januar 2015 somit den 17. Monat in Folge abwärts. Das ist ein Negativrekord seit der Einführung der monatlichen Exportstatistiken im Jahr 1970.

China als größter Exportmarkt Südkoreas zeigt deutliche Schwäche

Betrachtet man die einzelnen Exportmärkte des Landes, wird der Grund für die Misere der südkoreanischen Exporte deutlicher. Auf dem größten Absatzmarkt China gab es 2015 ein Minus beim Ausfuhrwert von 8 %, in den ersten drei Quartalen 2016 waren es sogar -8,5 %, wie die Korea International Trade Association (Kita) berichtet. Die USA als zweitgrößter Exportmarkt waren 2015 weitgehend stabil (-0,6 %), im laufenden Jahr ging es jedoch um 5,4 % nach unten. Positiv entwickelten sich hingegen die Ausfuhren nach Hongkong mit +11,6 % im Jahr 2015 und +6,9 % bis September 2016 sowie nach Vietnam mit +24,2 beziehungsweise +12,2 %.

Für 2016 erwartet die Zentralbank außerdem einen Leistungsbilanzüberschuss von 97 Mrd. US-Dollar, der im kommenden Jahr auf 80 Mrd. Dollar sinken soll.

Was die Lage der Unternehmen betrifft, erreichte der Geschäftsklimaindex der Zentralbank im September 2016 (neueste verfügbare Daten) einen saisonal angepassten Stand von 73 Punkten, ein Punkt weniger als im August. Der Index für das Wirtschaftsklima – einer Kombination aus Geschäftsklimaindex und Verbraucherstimmung – ging im September um einen halben Punkt auf 94,5 Punkte zurück.

Bei den Unternehmensinvestitionen prognostiziert die Bank of Korea ein Minus für das laufende und ein Plus für das kommende Jahr, ohne genauere Zahlen zu nennen. Positive Impulse erwartet sie von verbesserten weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen und den Bemühungen der Regierung, die Investitionstätigkeit zu stimulieren. Bremsend wirkten hingegen die zahlreichen Unternehmenspleiten, die sinkende Kapazitätsauslastung und die weitere Anpassung der Lagerbestände.

Einen Vertrauensbeweis für die Volkswirtschaft gab es allerdings von den ausländischen Unternehmen: Ihre Direktinvestitionen waren bis Ende September 2016 so hoch wie noch nie zuvor. Laut dem koreanischen Handelsministerium betrugen sie von Januar bis September 15,05 Mrd. Dollar, dies entspricht einem Zuwachs von 13,4 % im Vorjahresvergleich, wie die AHK Korea berichtet. Der größte Anleger war die Europäische Union mit 5,32 Mrd. Dollar, was einem Anteil von 35 % entspricht. Dahinter folgen China, die USA und Japan.

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