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Fraunhofer-IKTS Suspensionsspritzen führt Beschichtungen in neue Dimensionen

Redakteur: Stéphane Itasse

Mit thermisch gespritzten Partikel-Suspensionen haben Forscher bisher unerreichte Schichtqualitäten realisiert. Das Verfahren zur Oberflächenveredelung von stark beanspruchten Bauteilen will nun das Fraunhofer-Instituts für Keramische Technologien und Systeme (IKTS) in Dresden in die Praxis überführen.

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Mit Suspensionen aus feinen Keramik- oder Hartmetallpartikeln können dünne Hochleistungsschichten mit extrem geringer Rauheit auf großflächige Bauteile thermisch gespritzt werden.
Mit Suspensionen aus feinen Keramik- oder Hartmetallpartikeln können dünne Hochleistungsschichten mit extrem geringer Rauheit auf großflächige Bauteile thermisch gespritzt werden.
(Bild: Fraunhofer-IKTS)

Insbesondere thermische Beschichtungsverfahren, wie das atmosphärische Plasmaspritzen (APS) oder Hochgeschwindigkeitsflammspritzen (HVOF), kommen bei hohen Belastungen der Oberfläche bislang zum Einsatz. Auf Basis von keramischen oder metallischen Pulvern können Isolations-, Korrosions- und Verschleißschutzschichten auf Maschinen- und Anlagenkomponenten zwischen 100 und 500 μm appliziert werden.

Spritzverfahren führen zu rauen Oberflächen

Die Pulverpartikel sind zwar so fein wie Mehl und die Schicht dünner als eine Chipkarte – trotzdem weist eine solche Oberfläche unter dem Mikroskop eine hohe Rauheit auf. Um eine bestimmte Oberflächengüte zu erreichen, müssen die bespritzten Bauteile daher oftmals mechanisch nachbearbeitet oder versiegelt werden. Andere Beschichtungsverfahren, wie die chemische oder physikalische Gasphasenabscheidung (CVD, PVD), erlauben Schichten unter 10 µm. Allerdings lassen sich mit diesen Verfahren keine großen Flächen veredeln. Vielmehr profitieren nur kleine Werkzeugeinsätze, wie Wendeschneidplatten, von einer CVD- oder PVD-Beschichtung.

Forscher des Fraunhofer-IKTS haben nun die Voraussetzung dafür geschaffen, extrem glatte, beständige Schichten auch auf großflächigen Komponenten herzustellen, ohne Nachbearbeitung. Sie entwickelten Suspensionen für das thermische Spritzen, die an Stelle der bisher genutzten Pulver eingesetzt werden, und erreichen damit neue Beschichtungsqualitäten und -eigenschaften. Dafür kommen noch feinere, in Wasser oder organischen Lösungsmitteln dispergierte Submikro- und Nanopartikel zum Einsatz, die als reines Pulver nicht verspritzt werden können.

Thermisches Suspensionsspritzen senkt Oberflächenrauheit auf 1 μm

„Beim thermischen Suspensionsspritzen entstehen extrem stabile, dünne Schichten zwischen 10 und 50 μm. Durch die homogenen Suspensionen reduzieren wir bisherige Rauheiten von über 5 auf 1 μm bei deutlich geringerem Materialeinsatz“, erläutert Dr. Annegret Potthoff, Leiterin der Gruppe Pulver- und Suspensionscharakterisierung am Fraunhofer-IKTS. Darüber hinaus sind erstmals funktionelle Oberflächen möglich. Sie können zum Beispiel mit photokatalytisch aktiven Schichten versehen werden, durch die Medikamentenrückstände in Abwasseraufbereitungsanlagen nachhaltig abgebaut werden.

Die Suspensionen werden am Fraunhofer IKTS im nach DIN EN ISO/EC 17025 akkreditierten Labor hinsichtlich Feststoffgehalt, Korngrößenverteilung und Viskosität für jede Anwendung individuell angepasst. „In Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS konnten wir die gesamte Prozesskette und bestehende Anlagentechnik auf Suspensionen adaptieren. Die am IWS entwickelten Hardwarekomponenten, wie Suspensionsförderer und -injektor, können leicht in bestehende Spritzanlagen integriert werden“, berichtet Potthoff. Neben den unterschiedlichen keramischen Werkstoffen, wie Chrom-, Aluminium- oder Zirkonoxid, können erstmals auch Hartmetalle defektfrei thermisch gespritzt werden. Außerdem erlaubt die Technik gradierte Schichtsysteme, mit denen zum Beispiel thermische und mechanische Eigenschaften kombiniert werden können.

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