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Recruiting Talente-Detektor gegen den Fachkräftemangel

Autor: Melanie Krauß

Die Bundesagentur für Arbeit und die Bertelsmann-Stiftung haben einen Eignungstest für Metalltechniker entwickelt: Nach vier Stunden steht fest, ob Kandidaten mit Erfahrung, aber ohne Abschluss oder Deutschkenntnisse das Zeug für die Konstruktion haben.

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Am Ende des Tests erhalten Teilnehmer eine Ergebnisübersicht über die fünf wichtigsten beruflichen Handlungsfelder. Sie können jeweils maximal vier Punkte erzielen.
Am Ende des Tests erhalten Teilnehmer eine Ergebnisübersicht über die fünf wichtigsten beruflichen Handlungsfelder. Sie können jeweils maximal vier Punkte erzielen.
(Bild: Bertelsmann Stiftung)

Gut ausgebildete Fachkräfte sind im Bereich der Metalltechnik mindestens genauso gefragt wie Kobalt oder Lithium. Doch Nachfrage und Angebot driften hier weit auseinander. Jedes zweite Unternehmen hat laut Deutscher Industrie und Handelskammer (DIHK) mit dem Problem fehlender Arbeitskräfte zu kämpfen und der VDMA befürchtet, dass der Fachkräftemangel das Wachstum der Branche bremsen könnte.

Frank Menge und Eugen Haferstein (v.l.), Ausbildungsmeister für Metalltechnik an der Fortbildungs-Akademie Reckenberg-Ems gGmbH (FARE), haben den Test mitentwickelt.
Frank Menge und Eugen Haferstein (v.l.), Ausbildungsmeister für Metalltechnik an der Fortbildungs-Akademie Reckenberg-Ems gGmbH (FARE), haben den Test mitentwickelt.
(Bild: Bertelsmann Stiftung)

Für Unternehmen wird es also Zeit, Alternativen in Betracht zu ziehen. Natürlich wären voll ausgebildete Fachkräfte die optimale Lösung, aber gerade bei weniger komplexen Tätigkeiten wie der Vorbereitung von Werkstücken kann es sich lohnen, auch Kandidaten ohne entsprechenden Schulabschluss eine Chance zu geben. Schon heute erledigen laut Bundesagentur für Arbeit 70 % der sogenannten Ungelernten Standardtätigkeiten und Aufgaben von Fachkräften. Dazu zählen beispielsweise Mitarbeiter, die ohne fachliche Qualifikation bereits mehrere Jahre praktische Berufserfahrung gesammelt haben, oder Ausländer, die in ihrem Land einen Abschluss erlangt haben, der jedoch nicht in Deutschland anerkannt wird.

Der neue Eignungstest Myskills, den die Bundesagentur für Arbeit gemeinsam mit der Bertelsmann-Stiftung entwickelt hat, soll genau diese Zielgruppe ansprechen. „Durch den Myskills-Test kann man klar sehen, wo man jemanden schon einsetzen kann und wo er noch geschult werden muss“, erklärt Frank Menge, leitender Ausbildungsmeister an der Fortbildungs-Akademie Reckenberg-Ems (FARE) und einer der Testentwickler für den Beruf Fachkraft Metalltechnik der Fachrichtung Konstruktionstechnik.

Konkrete Aufgaben aus der Praxis

Der Test besteht aus mehr als 100 Fragen zu konkreten beruflichen Handlungssituationen, wobei jeweils 20 Fragen zu den folgenden Handlungsfeldern gestellt werden:

  • Bauteile und Baugruppen schweißen
  • Bleche und Rohre umformen und trennen
  • Baugruppen und Metallkonstruktionen montieren und demontieren
  • Einzelteile mit Werkzeugmaschinen drehen und fräsen
  • Bauteile mit handgeführten Werkzeugen und Maschinen herstellen

Darin enthalten sind die komplette manuelle Bearbeitung, das Zusägen, Entgraten, Bohren, Erstellen von Gewinden, das Messen, Zuschneiden, die Oberflächenvorbereitung, das Schweißen unterschiedlicher Metalle mit den Handschweißverfahren MAG/MIG, LHS, GSS sowie Brennschneiden, Korrosionsschutzmaßnahmen und vieles mehr.

„Der Myskills-Test zeigt hieb- und stichfest, was jemand in einem Beruf kann. Und zwar nach deutschen Arbeitsstandards“, so Eugen Haferstein, ebenfalls Ausbildungsmeister für Metalltechnik an der FARE. Und Menge ergänzt: „Die Testfragen zum Berufsbild Fachkraft Metalltechnik in der Fachrichtung Konstruktionstechnik wurden so zusammengestellt das man wirklich sehen kann, ob jemand praktische Berufserfahrung in den verschiedenen Handlungsfeldern hat oder nicht.“

Insgesamt haben die Teilnehmer vier Stunden Zeit, die Fragen zu bearbeiten. Das Konzept des Tests ist computerbasiert und enthält Videosequenzen und Momentaufnahmen von Handlungssituationen. Der Vorteil ist, dass diese Videos sprachneutral sind und daher auch von Menschen verstanden werden können, die noch nicht so gut Deutsch sprechen. Zudem gibt es Myskills in mehreren Sprachen: Deutsch, Englisch, Russisch, Arabisch, Farsi und Türkisch. Insbesondere für Flüchtlinge kann das eine Chance sein, den Test sogar in ihrer Heimatsprache zu absolvieren.

Ergebnisse richtig interpretieren

In der Gesamtwertung können die Teilnehmer bis zu vier Punkte pro Handlungsfeld erreichen. Bei der Interpretation der Ergebnisse sollten Unternehmen jedoch beachten, dass der Test alles andere als einfach ist. Jemand mit zwei Punkten in einem Handlungsfeld kann dort beispielsweise unter Anleitung schon eingesetzt werden. Drei Punkte bedeuten, dass derjenige eigenständig arbeiten kann und dass der Weg zur Fachkraft nicht mehr weit ist. Erreicht jemand die Toppunktzahl, ist das für den Arbeitgeber ein Glücksgriff. „Vier Punkte kann eigentlich nur jemand mit den praktischen Fähigkeiten eines Spitzen-Facharbeiters erreichen“, sagt Menge.

Am Ende des Tests erhalten Teilnehmer eine Ergebnisübersicht über die fünf wichtigsten beruflichen Handlungsfelder. Sie können jeweils maximal vier Punkte erzielen.
Am Ende des Tests erhalten Teilnehmer eine Ergebnisübersicht über die fünf wichtigsten beruflichen Handlungsfelder. Sie können jeweils maximal vier Punkte erzielen.
(Bild: Bertelsmann Stiftung)

In Zukunft soll es möglich sein, dass Arbeitgeber bei der Arbeitsagentur oder im Jobcenter gezielt nachfragen, wenn sie Mitarbeiter mit bestimmten Fähigkeiten suchen. Dadurch lässt sich im besten Fall das Investment bei der Arbeitnehmersuche senken und Unternehmen erhalten die Möglichkeit, fähige und kompetente Mitarbeiter zu finden, die sie aufgrund der Sprachbarriere sonst nie gefunden hätten. Derzeit ist der Test für acht Berufsfelder verfügbar. Neben der Fachkraft Metalltechnik Fachrichtung Konstruktionstechnik wird Myskills unter anderem auch für Kfz-Mechatroniker oder Verkäufer angeboten. Im Laufe des Jahres will die Bundesagentur für Arbeit den Test für insgesamt 30 Berufe zur Verfügung stellen. Darunter auch weitere industrierelevante Berufe wie Maschinen- und Anlagenführer, Industrieelektriker, Fachinformatiker (Systemintegration) und Verfahrensmechaniker Kunststoff-Kautschuktechnik.

„Meine Empfehlung ist: Arbeitgeber sollten sich die Menschen mit ihren Myskills-Testergebnissen wirklich anschauen, denn dieser Test hat tatsächlich Hand und Fuß“, so Menge. „Wir waren ja bei der Testentwicklung bei weitem nicht allein. In großen Expertenrunden haben Vertreter der Innungen, Kammern, Ausbildungsmeister, Betriebsinhaber und Unternehmensvertreter aus Handwerk und Industrie die konkreten Fragestellungen und Testanforderungen überprüft und angepasst. Alle Vertreter haben hinterher gesagt, dass der Test so für sie passt – das ist eine Aussage, die man in unserer ganzen Branche ernst nehmen sollte.“

(ID:45502789)

Über den Autor

 Melanie Krauß

Melanie Krauß

Redakteurin Management & IT und Karriere & Weiterbildung