Folienrecycling Taufrisches PE-Regranulat aus verbrauchter Agrarfolie

Autor / Redakteur: Pia Steiner / Peter Königsreuther

Wie man aus verschmutzter Polyethylenfolie, die ihr Einsatzleben in der Agrarindustrie hinter sich hat, quasi wieder neuwertiges PE-Granulat machen kann, zeigt ein niederländischer Recycler mit technischem Know-how aus Österreich.

Firmen zum Thema

Von links: Lindner-Produktmanager Stefan Scheiflinger-Ehrenwerth, der Daly-Plastics-Geschäftsführer und Eigentümer Peter Daalder sowie Gerd Gerdes (COO) von Daly Plastics vor den Ballen aus Verpackungsfolien, die mithilfe von Lindner-Know-how bald wieder zu einsatzfähigem Granulat recycelt werden, das so gut wie Neuware ist, wie Daly verspricht.
Von links: Lindner-Produktmanager Stefan Scheiflinger-Ehrenwerth, der Daly-Plastics-Geschäftsführer und Eigentümer Peter Daalder sowie Gerd Gerdes (COO) von Daly Plastics vor den Ballen aus Verpackungsfolien, die mithilfe von Lindner-Know-how bald wieder zu einsatzfähigem Granulat recycelt werden, das so gut wie Neuware ist, wie Daly verspricht.
(Bild: Lindner)

Daly Plastics zählt in den Niederlanden zu den größten Kunststoffabfall-verarbeitenden Betrieben. Am Standort Zutphen recycelt das Tochterunternehmen Caroda Polymer Recovery Agrar- und Verpackungsfolien. Regranulate von gleicher Qualität wie Neuware, lautet die Philosophie. Das erfordert innovatives Equipment und ausgeklügelte Prozesse. Dazu gehören zwei Jupiter 2200 und vier Micromat-2000-Zerkleinerer von Lindner Recyclingtech, die der Sortier- und Aufbereitungsanlage bei Daly Plastics das optimale Austragskorn liefern.

Peter Daalder ist ein „alter Hase“ der Branche und deshalb auf Fachveranstaltungen wie dem Internationalen Altkunststofftag oft zu Gast. Speziell beim Thema Folienrecycling ist die Expertise des niederländischen Unternehmers sehr gefragt. Schon vor über 30 Jahren erkannte er das Potenzial und gründete 1985 als 16-jähriger Schüler mithilfe seiner Eltern die Daly Plastics BV in Zutphen, der er bis heute vorsteht. In zweiter Generation war die Familie zuvor schon im Altpapierhandel tätig. Das neu gegründete Unternehmen spezialisierte sich dann auf das Sammeln und Verwerten von Kunststoffabfällen.

Bildergalerie

Größter Kunststoffrecycler der Niederlande

Nach 25 Jahren erweiterte Peter Daalder sein Geschäftskonzept und stieg 2013 mit einer eigenen Aufbereitungsanlage für Agrar- und Verpackungsfolien in das Kunststoffrecycling ein. Die Marktbedingungen hatten sich geändert und der Sammellogistiker und Altstoffexporteur ergriff die Gelegenheit beim Schopf. Vier Granulierlinien betreibt die Unternehmenstochter Caroda Polymer Recovery inzwischen am Standort Zutphen. Damit zählt Daly Plastics heute zu den größten Kunststoffabfall-verarbeitenden Betrieben in den Niederlanden. Die Agrarfolien werden in den Benelux-Ländern und Norddeutschland bei über 2500 Landwirten gesammelt. Rund 64.000 t Altfolien fallen im Jahr zur Verwertung an. Der Großteil wird auch tatsächlich als wiederverwendbares Polyethylen-Rezyklat (PE-Regranulat) in den Kreislauf zurückgeführt.

Zerkleinerer trotzt Erdbrocken und Steinen

Bei der Zerkleinerung der Folien setzt Daly Plastics auf das technische Know-how von Lindner. Die zwei Jupiter 2200 und die vier Micromat 2000 sind dabei im Dauereinsatz – vier Schichten, rund um die Uhr, sieben Tage die Woche. Das auf dem Betriebsgelände angelieferte Material wird gewogen, von Greifbaggern grob vorsortiert, auf ein Förderband aufgegeben und der Aufbereitung zugeführt. Ein Jupiter 2200 steht dabei im Freien vor der Sortierhalle und zerkleinert die Agrarfolien, damit das Folienmaterial direkt danach per Trommelsieb leichter von darin befindlichen Steinen und Erde befreit werden kann. „Agrarfolien enthalten des Öfteren solcher Art Störstoffe. Dem Jupiter machen selbst große Steine und Erdklumpen im Aufgabegut nichts aus“, weiß Peter Daalder aus Erfahrung.

Zerkleinerer und Infrarotsortierer arbeiten „Hand in Hand“

Der zweite Vorzerkleinerer des Typs Jupiter 2200 ist in der Halle untergebracht und einer der modernsten automatischen NIR-Sortieranlagen von Pellenc (Nutzt das Spektrum des „Nahen Infrarotlichts“ zur Detektierung von Kunststoffsorten) vorgeschaltet. Dieser Jupiter zerkleinert Post-Consumer-Folien auf DIN-A4-Format. Ein optimales Austragskorn bereit zu stellen und eine gleichzeitig stattfindende Dosierung desselben für die anschließende Sortierung zu bieten, sind dabei essenzielle Funktionen für einen reibungslosen Ablauf. Außer diesen Voraussetzungen punktet der Jupiter auch mit seinem geringem Energieverbrauch (energieeffizienter Antrieb, Kraftreserve durch Schwungmasse), seine störungsfreie Funktion sowie durch seine einfache Bedienbarkeit und Wartung. In der Halle werden die Verpackungsfolien mit dem Greifbagger vorab grob aussortiert und dem Jupiter verarbreicht. „Für den optischen Sortierprozess ist das DIN-A4-Format ideal“, erläutert Peter Daalder, „Die Sensoren können dadurch das LDPE (Low density Polyethylen - quasi typisches Einkaufstüten- oder Agrarfolienmaterial) von anderen PE-Sorten und PP (Polypropylen) optimal unterscheiden und diese aus dem Materialstrom auschleusen.“

Wenn doch mal „was ist“, geht es schnell weiter

Den Impuls für die Entscheidung, die Zerkleinerer von Lindner anzuschaffen, gab nicht zuletzt die darin befindliche Schutzkupplung, die Maschinenschäden durch Fremd- und Störstoffeintrag vermeidet, sondern auch die hydraulische Wartungsklappe, die sich bereits bewährt hat. Daalder: „Es kann vorkommen, dass trotz der Vorsortierung der Folien Metallteile oder auch Steine in den Jupiter gelangen. Die Schutzkupplung verhindert, dass der Rotor dabei beschädigt wird. Die Maschine blockiert sofort und unsere Mitarbeiter müssen dann nur die Störstoffklappe aufmachen. Das geht ganz leicht und man wird kaum dreckig.“ Das Material, das sich noch in der Schredderkammer befindet, wird dabei nach vorne gedrückt. Man lasse einfach den Rotor ein Stück zurücklaufen, hole den Fremdkörper heraus und schließe die Störstoffklappe wieder. Das dauere alles in allem nur wenige Minuten, merkt Daalder an.

Vom Folienflake zum farbsortierten PE-Regranulat

Das Recycling der Folienflakes geschieht nebenan und umfasst die Verfahrensschritte Feinzerkleinerung, Trockenreinigung, Extrusion und Granulatabfüllung. Jede der vier Aufbereitungslinien verarbeitet dabei eine Folienfarbe und ist mit einem Micromat 2000 von Lindner ausgestattet. Für Daly Plastics/Caroda ist das ein wirtschaftliches Konzept: Bei einer Auslastung von 2 bis 3 t/h erzeugt der Micromat ein 50 mm durchmessendes Korn. Das ist die optimale Größe für die anschließende Trockenreinigung, bei welcher der Intensive Dry Cleaner 150/300 der Linder Washtech zum Einsatz kommt, um Verschmutzungen und mineralische Anhaftungen zu beseitigen sowie die vorhandene Feuchtigkeit der Folien zu reduzieren.

Video zum Folienrecyceln

Anschließend werden die sauberen Folienflakes granuliert und zum Extruder geführt. Die extrudierten, fadenartigen Kunststoffstränge werden dann abgekühlt und zu Granulat-Pellets abgelängt. Das Endprodukt wird in Big Bags versandfertig abgefüllt oder in Silos für den Transport per Tank-Lkw zum Kunden gelagert. Aus den sehr homogenen grauen, schwarzen und braunen Granulatkörnchen können danach wieder neue, reißfeste Folien und daraus etwa Sammelsäcke für Abfälle produziert werden (per Folienblas-Extrusion).

Regranulatherstellung unter laufender Qualitätskontrolle

Der Micromat erweist sich in der Praxis als Schlüsselfaktor und Maßstab, um die Ziele in puncto Qualität zu erreichen, was Peter Daalder bestätigt und unterstreicht: „Die Maschine erfüllt zwei wichtige Funktionen im Anlagenbetrieb. Sie zerkleinert das Aufgabegut exakt auf die optimale Korngröße des Extruders und dosiert es gleichzeitig. Der Micromat ist also Zerkleinerer und Anlagendosierer in einem. Sehr vorteilhaft ist dabei der Nachdrücker zur Verstärkung des Materialeinzugs. Auch das kommt der Trockenreinigung im anschließenden Prozess zugute.“ Durch den kontinuierlichen, gleichmäßigen Austrag kann das Material effektiv gereinigt werden. Der Reinheitsgrad bestimmt die Qualität des Endprodukts. „Und die Industrie braucht saubere und homogene Granulate, um daraus wieder gute Folien produzieren zu können“, erklärt Daalder. Daly Plastics prüft außerdem laufend die Qualität der Granulate im Labor und stellt zur praxisnahen Begutachtung auch Müllsäcke her. MM

(ID:45757954)