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Disruptionen der Arbeitswelt Teamwork mit Cobots

| Autor / Redakteur: Nicole Gaiziunas / Melanie Krauß

Während autonome Arbeitsroboter noch häufig ihre Probleme haben, ist der Einsatz von Cobots bereits weitaus vielversprechender. Doch auch dabei gilt es einiges zu beachten.

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Gemischte Mensch-Maschine-­Teams können sowohl prozessual als auch psychologisch eine Herausforderung darstellen.
Gemischte Mensch-Maschine-­Teams können sowohl prozessual als auch psychologisch eine Herausforderung darstellen.
(Bild: ©zapp2photo - stock.adobe.com)

Erschaffe ein Menschenbild aus Lehm und du wirst der Böswilligen Absicht zerstören. In der Legende vom Golem erhielt Rabbi Löw diese göttliche Anweisung in einem Traum, um die jüdische Gemeinde Prags im Jahr 1580 vor Übergriffen zu schützen. Zettel mit Sätzen aus der Kabbala, die der Rabbi ihm unter die Zunge legte, erweckten das Lehmwesen zum Leben. Quasi die Aktivierungscodes für das Betriebssystem. Ob der Golem dann tatsächlich auf den Straßen patrouillierte, wer weiß. Als Urmythos der Robotik ist er jedenfalls unsterblich.

Die zwei großen Herausforderungen

Die autonomen Arbeitsroboter unserer Zeit sind weniger beeindruckend. Sie scheitern an Türklinken, stolpern über Kabel und saugen erfolgreich Staub. Die meisten können (noch) nichts, was Menschen nicht besser und günstiger hinbekommen. Bleiben hier die großen Durchbrüche aus, müssen wir uns wenigstens nicht vor dystopischen Skynet-Szenarien fürchten. Zukunftsweisender ist die teilautonome Robotik, also etwa intralogistische Transportsysteme und Leichtbauroboter beziehungsweise Cobots. Hier gibt es zwei Handlungsfelder: erstens, die Gestaltung der Zusammenarbeit von Mensch und Maschine in prozessualer, organisatorischer und ergonomischer Hinsicht. Das beherrschen einige Industrie-4.0-Pioniere schon gut. Die zweite große Herausforderung liegt darin, die psychologischen, gruppendynamischen und emotionalen Aspekte gemischter Mensch-Maschine-Teams in den Griff zu bekommen.

Bei SEW-Eurodrive, einem Hersteller von Antriebstechnik, hilft zum Beispiel Carmen in der Fertigung beim Beladen von Maschinen oder Bewegen schwerer Komponenten. Mit einem eigenen Namen ist „sie“ eben nicht nur ein Roboterarm, sondern ein Teammitglied. Das lässt Vorurteile und Ängste erst gar nicht aufkommen. Mühsame, monotone und körperlich belastende Aufgaben? Übernimmt Kollege Cobot. Den Mitarbeitern sollte auch klar sein, dass der spannendere Arbeitspart Menschensache bleibt: Kreation, Kommunikation, rasches und flexibles Handeln bei Veränderungen. Zudem entstehen ganz neue Aufgaben und Berufe, die die Cobots selbst betreffen: etwa, sie zu trainieren, zu instruieren oder zu disponieren.

Cobots schrittweise einbinden

Aktuelle Versionen der Kabbala-Zettel aus der Golem-Legende müssen Sie dazu je nach Anwendungsfall schon selbst schreiben. Aber möglicherweise hilft Ihnen die Klärung dieser fünf Ausgangsfragen zum Cobot-Einsatz schon einmal weiter:

  • Welche physischen Prozesse in der Fertigung, im Lager und in der Logistik lassen sich weitgehend automatisieren?
  • Was sind mögliche Auswirkungen dieser Automatisierung auf die Struktur und Tiefe der Wertschöpfungskette und das Design der Assets und Facilities?
  • Wie gestaltet man Kollaborationsstrukturen und erkennt frühzeitig dysfunktionale Entwicklungen?
  • Worüber lassen sich Robotersysteme in Monitoring- und Risikomanagement-Regelkreise einbinden?
  • Wie sollte man die Kooperation zwischen Menschen und Robotern trainieren?

Hier finden Sie den zugehörigen Artikel von Linda Becker aus der Serie Disruptionen der Arbeitswelt zum Thema Cobots:

* Nicole Gaiziunas ist Managing Director und Co-Founder der XU Exponential Game Changers GmbH in 10965 Berlin, Tel. (0 30) 95 99 99 99-0, corporate@be-xu.com, www.be-xu.com

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