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VDMA Textilmaschinenbau stürzt in die Krise

| Redakteur: Stéphane Itasse

Der deutsche Textilmaschinenbau hat in weniger als zehn Monaten einen bis vor Kurzem kaum vorstellbaren Absturz im Ordereingang erlebt. Insgesamt wurden für den Zeitraum Januar bis Juli 2008 42% weniger Aufträge gemeldet als im Vorjahr. Bei Spinnereimaschinen betrug der Rückgang sogar 51%, wie der VDMA am Donnerstag mitteilt.

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Aufgrund der schlechten Auftragssituation musste eine Reihe von Betrieben schon schmerzhafte Maßnahmen wie Personalabbau und Kurzarbeit einleiten. „Zyklisch war das Geschäft mit Textilmaschinen schon immer. Aber was die Branche derzeit erlebt, ist der schwerste Einbruch seit dem Zweiten Weltkrieg“, sagt Fritz P. Mayer, Vorsitzender des VDMA-Fachverbands Textilmaschinen und Geschäftsführender Gesellschafter der Karl Mayer Textilmaschinenfabrik GmbH, Obertshausen.

Textilmaschinenhersteller erwarten keine rasche Wende

In der Breite des Marktes gibt es keinerlei Anzeichen für einen baldigen Umschwung, heißt es. Die Unsicherheiten an den Finanzmärkten einerseits und die Abhängigkeit der Textilindustrien in vielen Teilen der Welt von staatlichen Hilfen andererseits erschwerten eine fundierte Prognose. Der Fachverband Textilmaschinen hat die Umsatzprognose für 2008 auf minus 25% verändern müssen.

Begonnen hatte die Krise allerdings schon Ende 2007, also vor den jüngsten Finanzmarktturbulenzen, wie Nicolai Strauch, Referent beim VDMA-Fachverband Textilmaschinen, auf Anfrage unserer Redaktion erläuterte. „Bei unserem wichtigsten Exportmarkt China hatten wir beispielsweise eine regelrechte Bankrottwelle bei kleinen und mittleren Textilunternehmen“, sagte Strauch. Die Unternehmen würden durch steigende Ölpreise, ein neues Arbeitsgestz, die Aufwertung der Währung Renminbi und nicht zuletzt durch eine deutlich sinkende Textilnachfrage in den USA belastet.

Textilmaschinenbau bleibt stark exportorientiert

Mit einem Exportanteil von 95% gehört die deutsche Textilmaschinenindustrie zu den am stärksten exportorientierten Maschinenbauzweigen. 2007 hatte die Branche Maschinen und Zubehör im Wert von 3,8 Mrd. Euro exportiert und damit das erfolgreichste Jahr in dieser Dekade bestritten.

Die Messlatte bei den Exporten lag dementsprechend hoch. Zwischen Januar und Juli sind die gesamten Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bereits um 12% zurückgegangen. Dieser noch vergleichsweise moderate Rückgang ist in erster Linie auf die Abwicklung von Aufträgen aus dem Vorjahr zurückzuführen.

Die besonders drastischen Einbrüche bei wichtigen Volumenmärkten wie der Türkei (minus 46%) und Indien (minus 23%) zeigen allerdings, wie die fehlenden Bestellungen auf Produktion und Auslieferung durchschlagen.

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