Google+ Facebook Twitter XING LinkedIn GoogleCurrents YouTube

Fasern und Textilien

Hightech-Textilien erschließen neue Anwendungen

| Autor / Redakteur: Bernhard Kuttkat / Claudia Otto

Mit geschickter Anordnung der Luftkammern in pneumatischen Textilien sind komplexe dreidimensionale Strukturen möglich.
Mit geschickter Anordnung der Luftkammern in pneumatischen Textilien sind komplexe dreidimensionale Strukturen möglich. (Bild: ITV)

Neue Fasern und Textilien beflügeln längst nicht nur die Kernbranchen Bekleidung und Heimtextilien, sondern auch die Automobilindustrie, die Medizintechnik und das Bauwesen. Mehr als 50 % des Umsatzes der Textilindustrie in Deutschland entfallen schon auf technische Textilien, die von hoher Innovationsdynamik geprägt sind.

Die Textilindustrie in Deutschland hat die Anforderungen der kommenden Jahre formuliert. Bei der Ermittlung des Forschungsbedarfs der 16 dem Forschungskuratorium Textil e. V. (FKT) in Berlin angeschlossenen Institute für das Jahr 2025 wurden gesellschaftliche Megatrends und Prognosen einzelner Branchen berücksichtigt. Im Zukunftsprojekt Perspektiven 2025 sind die technotextilen Herausforderungen auf zehn Wachstumsfeldern benannt.

Sie korrespondieren zugleich auch mit den Schwerpunkten der Leitmesse für technische Textilien Techtextil 2013: Architektur, Bekleidung, Energie, Ernährung, Gesundheit, Mobilität, Produktion/Logistik, Wohnen, Zukunftsstadt sowie Basisthemen, die sich aus der demografischen Entwicklung, der Ressourcenverknappung und dem Klimawandel ergeben.

Medizintextilien besonders vielversprechend

FKT-Geschäftsführer Dr. Klaus Jansen konkretisiert: „Für Medizintextilien, die mit textilem Fettgewebeersatz oder einem sich selbst reinigenden Bronchien-Stent bereits für Schlagzeilen sorgten, werden vom FKT mehrere Anwendungsfelder für besonders aussichtsreich gehalten.“ Für den Bereich Implantate nennt er die Entwicklung von Knochen-, Bänder- und Sehnenersatz sowie von Nervenfasern auf Basis textiler Strukturen, die Stammzellenzüchtung auf textilen Trägermaterialien für leicht transplantierbaren Hautersatz sowie für endoskoptaugliche Implantate.

Therapeutische Textilien geben kontrolliert pharmazeutische Wirkstoffe ab. Sensorisch unterstützt wird die gezielte Dosierung innerhalb des Körpers (Implantate), über die Haut und auch in der Wundversorgung möglich.

Bakterien produzieren Textilien für die postfossile Welt

Smart Textiles in Bekleidung und Fußböden dienen zur interaktiven Vitalüberwachung oder Signalgebung, zum Beispiel automatisierter Notruf. Sensorische Bettwäsche übernimmt die Überwachung und Diagnose der schlafspezifischen Körperfunktionen wie Regelmäßigkeit der Atmung, des Herzschlages und Optimierung der Schlafzyklen bei Unregelmäßigkeiten oder Schnarchen.

„Die Textilindustrie, die ihren Umsatz heute schon zu mehr als 50 % mit technischen Textilien und faserbasierten Werkstoffen macht, ist besonders innovationsfreundlich“, betont Jansen. Besonders hohe Verwertungschancen haben neuartige textilbasierte Bauteile, sofern sie mit minimalem Materialeinsatz, hoher Festigkeit und belastungsgerechter Auslegung gestaltet werden. Kohlefasern müssen mittelfristig voraussichtlich aus einem anderen Rohstoff als Erdöl hergestellt werden.

Nachhaltige Faserproduktion mit Bakterien und Pilzen bietet Chancen, Rohstoffe für die Textilindustrie zu gewinnen. „In der postfossilen Welt von morgen werden Textilien wahrscheinlich biotechnologisch mithilfe von Bakterien hergestellt“, prognostiziert Prof. Dr. Dirk Höfer, Direktor des Fachbereichs Hygiene, Umwelt & Medizin an den Hohenstein-Instituten in Bönnigheim. Heutzutage können nachhaltige Biomaterialien durch die Verwendung von gentechnisch veränderten Bakterien statt durch den Einsatz von pflanzlichen Quellen oder Öl synthetisiert werden. Mit dem Aufkommen der Gentechnik lassen sich synthetische Polymere in ihren Eigenschaftsprofilen exakt einstellen.

Inhalt des Artikels:

Kommentare werden geladen....

Kommentar zu diesem Artikel abgeben

Der Kommentar wird durch einen Redakteur geprüft und in Kürze freigeschaltet.

Anonym mitdiskutieren oder einloggen Anmelden

Avatar
Zur Wahrung unserer Interessen speichern wir zusätzlich zu den o.g. Informationen die IP-Adresse. Dies dient ausschließlich dem Zweck, dass Sie als Urheber des Kommentars identifiziert werden können. Rechtliche Grundlage ist die Wahrung berechtigter Interessen gem. Art 6 Abs 1 lit. f) DSGVO.
  1. Avatar
    Avatar
    Bearbeitet von am
    Bearbeitet von am
    1. Avatar
      Avatar
      Bearbeitet von am
      Bearbeitet von am

Kommentare werden geladen....

Kommentar melden

Melden Sie diesen Kommentar, wenn dieser nicht den Richtlinien entspricht.

Kommentar Freigeben

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

Freigabe entfernen

Der untenstehende Text wird an den Kommentator gesendet, falls dieser eine Email-hinterlegt hat.

copyright

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Infos finden Sie unter www.mycontentfactory.de (ID: 39407410 / Werkstoffe)

Themen-Newsletter Konstruktion abonnieren.
* Ich bin mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung einverstanden.
Spamschutz:
Bitte geben Sie das Ergebnis der Rechenaufgabe (Addition) ein.

Meistgelesene Artikel

Der zerspanende Roboter auf dem Prüfstand

Zerspanende Roboter

Der zerspanende Roboter auf dem Prüfstand

07.12.18 - Sie sind günstiger geworden, genauer und auch steifer. Roboter bieten bereits jetzt in gewissen Industriebereichen gute Einsatzmöglichkeiten, so auch in der Zerspanung. Auf dem Technologietag „Zerspanen mit Robotern“ diskutieren Industrie und Forschung im Zweijahresrhythmus über die Entwicklung auf diesem Gebiet. lesen

Deutschlands KI-Vorreiter auf einen Blick

Künstliche Intelligenz

Deutschlands KI-Vorreiter auf einen Blick

04.12.18 - Deutschland soll Technologieführer für Künstliche Intelligenz (KI) werden, so das Ziel der Bundesregierung. Wo in Deutschland KI-Anwendungen entwickelt und angewendet werden, zeigt eine KI-Landkarte. lesen

Cobots machen 3D-Druck konkurrenzfähig

Additive Fertigung trifft Robotik

Cobots machen 3D-Druck konkurrenzfähig

06.12.18 - Voodoo Manufacturing betreibt inmitten von Brooklyn eine 1700 m2 große 3D-Drucker-Farm mit über 160 Geräten. Um noch effizienter zu werden, übernimmt ein mobiler, kollaborativer Roboter von Universal Robots das Be- und Entladen der Druckplatten. lesen