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Toolmanagement

Mercedes Benz setzt auf ein transparentes Toolmanagement

| Autor / Redakteur: Andreas Heß / Victoria Sonnenberg

Die Scharfschleiferei des Toolmanagements in den Mercedes-Benz-Werken Gaggenau, Mannheim und Kassel arbeitet effizient und kostenoptimiert.
Die Scharfschleiferei des Toolmanagements in den Mercedes-Benz-Werken Gaggenau, Mannheim und Kassel arbeitet effizient und kostenoptimiert. (Bild: Daimler AG)

Um Werkzeuge wirtschaftlicher nutzen zu können, empfiehlt sich ein rechtzeitiges Nach- beziehungsweise Scharfschleifen. So lässt sich nicht nur die Lebenszeit der Werkzeuge verlängern.

Im Jahr 2007 führten die Scharfschleifereien der Mercedes-Benz-Werke der Daimler AG in Gaggenau und Rastatt zur effektiven Auftragssteuerung eine adaptive IT-Lösung ein. Schon nach kurzer Zeit zeichnete sich ein erfolgreicher Einsatz des Softwaresystems ab, sodass die Scharfschleifereien in Mannheim und in Kassel als Anwender folgten. Dementsprechend galt es, zusätzlich die dezentralen, standortspezifischen Anforderungen zu erfüllen. Dennoch sollten diese individuellen Wünsche auch in die Gesamtkonzeption einfließen, um so eine kostenoptimale zentrale System- pflege sicherzustellen. Zur Verfügung steht ein einheitlicher Programmkern mit der Möglichkeit einer werksspezifischen Aktivierung/Deaktivierung von Zusatzfunktionen. Die IT-Abteilung in Gaggenau hat eine zentrale Koordinationsstelle eingerichtet und einen Arbeitskreis „Scharfschleiferei“ gebildet, um unter anderem die Anforderungen aus den einzelnen Werken einzuholen und zu diskutieren.

Mit der Entwicklung und Betreuung eines geeigneten Systems wurde die HSi GmbH aus Erfurt betraut. Das Softwarehaus ist bereits seit 1998 als Lieferant von IT-Lösungen zur Kalkulation, Arbeitsplanung, Planzeitermittlung und Auftragssteuerung für Daimler tätig. Die Grundfunktionalität der Auftragsbearbeitung in den Scharfschleifereien setzt auf die bewährte Softwarelösung HSauftrag für die Terminierung und Steuerung von Aufträgen sowie Optimierung der Kapazitätsauslastung. Es handelt sich hier um eine adaptive Standardsoftware, sodass bereits die Basisfunktionalität durch eine kontinuierliche Weiterentwicklung und der aktuelle Stand der Softwaretechnologie gewährleistet sind. Die Konzeption der implementierten Softwarelösung unterstützt grundsätzlich die Einbeziehung weiterer Mandanten und Werke mit analogen Anforderungen.

Handhabbare Steuerungslösung unterhalb der ERP-Ebene

Um eine schnelle, unkomplizierte Erfassung und Einlastung der Aufträge, hohe Transparenz sowie eine effektive Auftragssteuerung zu realisieren, bedarf es nicht eines PPS- oder ERP-Systems. Zudem sind die speziellen Funktionen der Scharfschleifereien mit den typischen ERP-Systemen nicht effektiv genug abzubilden. Mit HSauftrag steht eine handhabbare Steuerungslösung für die Werkstatt unterhalb der ERP-Ebene zur Verfügung. Dabei liegt der Fokus auf Terminierung, Kapazitätsvorschau, Rückmeldung, Auftragsfortschritt sowie Nachkalkulation. Vor diesem Hintergrund werden im System insbesondere folgende Prozesse abgebildet:

  • die Kundenauftragserfassung und die Generierung von Fertigungsaufträgen einschließlich der Fertigungsunterlagen;
  • die regelbasierte Ermittlung von Planzeiten und -kosten auf der Grundlage klassifizierter Werkzeugdaten;
  • Einbindung der Fremdvergabe zur Werkzeugbearbeitung;
  • Auftragseinlastung, Auftragsverfolgung und Rückmeldung sowie Auftragsabrechnung.

Die Planer in der Arbeitsvorbereitung sowie der Werkstattleiter haben die Möglichkeit, mit einer „Schnellschuss“-Funktion in etwa einer Minute eine Auftragserfassung vorzunehmen. Sie können sich unter anderem unmittelbar die Belastungssituation in der Werkstatt auf dem Monitor vergegenwärtigen und die verfügbaren Maschinenkapazitäten optimal auslasten. Rückmeldungen, die Verfolgung des Auftragsfortschritts und die Nachkalkulation führen zu einer hohen Planungssicherheit und Steigerung der Produktivität.

Mit der Verknüpfung der Auftragssteuerung zur HSi-Technologiebasis besteht der Zugriff auf Verfahrensbausteine mit hinterlegten Schnitt- und Zeitwerten sowie Regelwerke zur exakten Planzeitermittlung. Die adaptive Software ermöglicht es dem Anwender, diese Technologiedaten und Regeln in Eigenregie selbst fortzuschreiben. Die HSi-Software ermittelt exakte Planzeiten für einzelne Arbeitsgänge sowie für komplette Fertigungsaufträge mit nachvollziehbaren Haupt-, Rüst- und Nebenzeiten. Arbeitspläne mit den zugehörigen Arbeitsgängen können automatisch generiert werden. Die hierzu unter anderem hinterlegten Stammdaten enthalten Wertetabellen mit Abschliffdaten, Werkzeugtyp, Schneidstoff und so weiter.

Häufig erhalten die Scharfschleifereien kaum planbare Aufträge aufgrund unvorhergesehener Schäden an Werkzeugen durch Bruch oder Qualitätsnachlass. Diese Aufträge gilt es schnell und ohne umfangreiche Beistellung der Stammdaten zu erfassen. Um nun nicht nur zu reagieren, macht es Sinn, mit geeigneten Maßnahmen eine präventive Planung zu realisieren. Wie oft und ab wann sollte ein Werkzeug nachgeschliffen werden? Nach wie vielen Einsätzen ist ein Ersatz anzuschaffen? Hierzu ist eine Werkzeughistorie mit Aussagen über die Nutzungshäufigkeit und voraussichtliche Lebensdauer von Vorteil.

Mit Klassifizierung zu weniger Stammdaten

Um die Anzahl der Stammdaten, insbesondere der Werkzeuge, überschaubar zu halten, werden alle Werkzeugtypen mittels einer Fertigungsmittelnummer klassifiziert. Unabhängig davon verfügt jedes einzelne Werkzeug über eine Identifikations- beziehungsweise Inventarnummer. Alle Werkzeuge einer Klasse beziehen sich auf den jeweiligen Standardarbeitsplan, typischerweise mit Wareneingangsprüfung, Schleifen mit oder ohne Beschichtung und Warenausgang. Erst bei der Erzeugung eines Kunden- beziehungsweise Fertigungsauftrags erfolgt die konkrete Ausprägung mit Zeiten und Kosten.

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Eine vereinfachte Kostenermittlung kommt zustande, indem hinterlegte, mit den externen Bearbeitern bereits verhandelte Preislisten zur Verfügung stehen. Diese Preislisten beinhalten die Kosten beziehungsweise eindeutige Abrechnungsnummern für eine externe Bearbeitung, interne Stundensätze, Abschliffzeiten sowie Arbeitsplätze und Planzeiten für Werkzeuggruppen. Die Komprimierung der Stammdaten trägt zu einer deutlichen Fehlerreduzierung bei.

Die Kundenauftragserfassung gestaltet sich derart, dass nach dem Eintragen der Kopfdaten wie Auftraggeber, Auftragsnummer et cetera das Anlegen der Auftragspositionen zu erfolgen hat. Dazu gilt es, die Bearbeitungsfälle auszuwählen, die Identifikationsnummern (Fertigungs- oder Betriebsmittelnummer) einzuscannen und eine Priorität festzulegen. Das System bietet dem Planer auf der Basis des klassifizierten Werkzeugtyps in einer Auswahlliste infrage kommende Standardarbeitspläne an.

Es folgt die entsprechende Auswahl und die Eingabe der Anzahl der zu bearbeitenden Werkzeuge dieses Typs. Daraufhin werden Arbeitsgänge mit allgemeinen Arbeitsplätzen des Arbeitsplans importiert. Die automatische Bestimmung des konkreten Arbeitsplatzes sowie die Planzeitermittlung schließen sich an.

Automatische Kostenermittlung für die externe Bearbeitung

Im Falle der Fremdvergabe von Arbeitsgängen setzt eine automatische Kostenermittlung für die externe Bearbeitung ein. So greift sie bei Lieferanten mit Budgetmengen auf eine in den Stammdaten hinterlegte Abrechnungsnummer für Werkzeuggruppen zurück. Durchaus lassen sich Arbeitsgänge oder Arbeitsgangfolgen auch im Dialog definieren. Mit dem Speichern des Kundenauftrags werden jeweils pro Kundenauftragsposition oder pro Werkzeug automatisch die Fertigungsaufträge generiert.

Arbeitsfortschritt ist jederzeit transparent

Im Rahmen der Rückmeldungen sind auch Fertigmeldungen von Teilmengen mit der Angabe der aktuell fertiggestellten Stückzahl möglich. Ist bei der einen oder anderen Bearbeitung ein Zusatzabschliff erforderlich, so ist mit der Rückmeldung die zusätzliche Zeit auszuweisen. Durch die Rückmeldung des jeweiligen Arbeitsgangs ist der Arbeitsfortschritt jederzeit transparent. Gleichzeitig mit der Rückmeldung wird ein Begleitschein erzeugt. Zum einen bietet er eine Auflistung der Werkzeuge mit ihrer Identnummer und zum anderen eine Gruppierung nach Beschichtungsart, Bestell- und Abrechnungsnummern. Die Flexibilität der Auftragssteuerung zeigt sich insbesondere dadurch, dass die Lösung insgesamt neben den zentral- orientierten Aufgaben völlig konform auch die speziellen Anforderungen der dezentralen Scharfschleifereien in Mannheim und Kassel erfüllt. Im Werk Kassel konnte eine weniger aufwendige Auftragserfassung und Rückmeldung implementiert werden. Denn in der Regel beinhaltet hier ein Auftrag nur einen Arbeitsgang. Es bot sich an, die Auftragskostenstelle und die Identnummer des Werkzeugs mit einem Handscanner zu erfassen und die Stückzahl einzugeben. Mit diesem Schritt wird ein Kundenauftrag in Form eines „Schnellauftrags“ angelegt, automatisch ein entsprechender Fertigungsauftrag und ein Barcode mit Auftragsnummer generiert sowie ein Etikett gedruckt. Mit dem Einscannen dieses Auftragsetiketts erfolgt die Rückmeldung für den Auftrag und die Fortschrittskontrolle ist gegeben.

Mit der Verknüpfung der Auftragssteuerung zur HSi-Technologiebasis besteht der Zugriff auf Verfahrensbausteine mit hinterlegten Schnitt- und Zeitwerten sowie Regelwerke zur exakten Planzeitermittlung. Diese Daten dienen gleichzeitig zur Kostenermittlung.
Mit der Verknüpfung der Auftragssteuerung zur HSi-Technologiebasis besteht der Zugriff auf Verfahrensbausteine mit hinterlegten Schnitt- und Zeitwerten sowie Regelwerke zur exakten Planzeitermittlung. Diese Daten dienen gleichzeitig zur Kostenermittlung. (Bild: HSi GmbH)

Die Auftragserfassung und die Rückmeldung mit dieser erweiterten Scanner-Funktionalität wurden zwischenzeitlich auch in der Scharfschleiferei im Werk Mannheim eingeführt. Allerdings kann nach dem Scannen der Identnummer des zu bearbeitenden Werkzeugs ein Arbeitsplan hinzugefügt werden, da meist mehrere Arbeitsgänge zu durchlaufen sind.

Die Rückmeldung erfolgt wie im Standardverfahren über die Rückmeldenummer des jeweiligen Arbeitsgangs. Als eine nicht unwesentliche Ergänzung hat sich die Möglichkeit der Zusammenstellung von Aufträgen an externe Bearbeiter erwiesen. Das heißt, es wird der Werkzeugbedarf mehrerer Auftragskostenstellen „gesammelt“ und erst wenn optimale Mengen erreicht sind, wird ein Auftrag ausgelöst.

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Diverse Reports für die unterschiedlichsten Auswertungen stellt das HSi-System zur Verfügung. So lassen sich Auftragsbestand pro Zeitraum, Auftragseingang, ebenfalls zeitraumbezogen oder je Fertigungs- beziehungsweise Maschinengruppe, abrufen. Für jede Kostenstelle kann die Auftragsabrechnung summiert oder im Zusammenhang mit den Fertigungsmittelnummern betrachtet werden. Weiterhin lassen sich Terminüberschreitungen von Fertigungsaufträgen erkennen und der aktuelle Verbrauch des Budgets für externe Bearbeitungen mittels Abrechnungseinträgen einschätzen.

Kommunikation mit zentralen Abrechnungssystemen

Es ist unabdingbar, dass die in eine bestehende IT-Infrastruktur integrierte Auftragssteuerung mit den zentralen konzernweiten Abrechnungssystemen kommuniziert. Daher erfolgt ein Datenaustausch unter anderem mit dem Tool-Managementsystem. Ebenso werden für einen festgelegten Zeitraum die angefallenen Kosten für einen in Anspruch genommenen Lieferanten zur externen Werkzeugbearbeitung kumuliert und dem betrieblichen Abrechnungssystem zur Verfügung gestellt. Weiterhin liefert die Auftragssteuerung nach der Werkzeugbearbeitung auf der Basis der Rückmeldungen über die bidirektionale Schnittstelle Informationen an das Tool-Managementsystem. Diese Informationen geben Auskunft über einen erfolgten Standardabschliff, einen Zusatzabschliff, ob eine Beschichtung stattfand sowie in welchem Magazin das Werkzeug verwaltet wird.

Die Auftragsplaner in den Scharfschleifereien verfügen über eine Anbindung an die zentrale Daimler-Nutzerverwaltung (Active Directory). Außerdem steht ihnen auf dem HSi-Server die Softwarelösung HSauftrag mit der HSi-Technologiebasis, welche Teileklassen, Formelemente und Verrichtungen sowie Wertetabellen und Regelwerke enthält, zur Verfügung. Die Organisationsebenen der Anwendung sind unterteilt in Mandant, Buchungskreis, Werk sowie Nutzer und Administrator. Insofern ist die Lösung offen für weitere Abteilungen aus dem Toolmanagement der Daimler AG.

* Dipl.-Ing. Andreas Heß ist Geschäftsführer der HSi GmbH in 99092 Erfurt, Tel. (03 61) 43 02 97 50, info@hsi4m.com

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