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Techrad Trends finden und überblicken für KMU – Teil 1

| Autor / Redakteur: Max-Ferdinand Stroh, Justus Benning und Georg Emonds / Simone Käfer

Welche Innovationen sind entscheidend für Ihr Unternehmen und wie ist deren Entwicklungsstand? Mit dem Projekt Techrad sollen auch KMU die Antwort auf diese Frage im Blick behalten können.

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Techniktrends zu überblicken, ist für KMU oft nicht möglich, aber wettbewerbsentscheidend. Das Projekt Techrad arbeitet an einer Lösung dieses Dilemmas.
Techniktrends zu überblicken, ist für KMU oft nicht möglich, aber wettbewerbsentscheidend. Das Projekt Techrad arbeitet an einer Lösung dieses Dilemmas.
(Bild: ©Egor - stock.adobe.com)
  • Fünf Unternehmen erarbeiten ein Technologieradar für KMU.
  • NLP ist ein Teilgebiet Künstlicher Intelligenz und macht das Technologieradar erst möglich.
  • Anwender erhalten von Techrad eine personalisierte Auswertung über die aktuell verfügbaren Technologien und deren Reifegrad.

Industrie 4.0 und die Digitalisierung überhäufen uns mit neuen Technologien, deren Applikationsmöglichkeit, Reifegrad und Aufwand-Nutzen-Verhältnis meisten nur schwer zu erfassen sind. Doch sind sie Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen. Wie also sich regelmäßig Wissen über neue Technologien aneignen, relevante Trends frühzeitig erkennen und die Entwicklung der Technik über die Zeit verfolgen, wenn man als KMU weder die personellen noch die finanziellen Mittel dafür erübrigen kann?

Um dieses Dilemma zu lösen, haben sich in Nordrhein-Westfalen einige Unternehmen zusammengeschlossen, ein Technologieradar zu erarbeiten. Ein Technologieradar fasst Technologien, deren Kontext und Reifegrad übersichtlich in einer Grafik zusammen und trägt somit zu einer erfolgreichen Früherkennung bei. Recherche, Sichtung und Auswertung zahlreicher Dokumente sind die Grundlage. Das Forschungsprojekt Techrad arbeitet an einer Automatisierung dieser Schritte. Die Schwierigkeit liegt darin, dass die Einordnung in ein Technologie­radar eine kontextbasierte Bewertung der technologischen Lösung erfordert, die zumeist auf mehreren Dokumenten unterschiedlicher Quellen basiert. Hier kommt künstliche Intelligenz (KI) ins Spiel. Beim Natural Language Processing (NLP, Verarbeitung natürlicher Sprache) wurden kürzlich Durchbrüche erzielt, wobei Sprachmodelle erstellt wurden, die in der Lage sind, kontextbasierte Prosatexte zu erstellen (Text Generation), Texte nach Empfindungen zu unterscheiden (Sentiment Analysis) und auch Fachtexte präzise zu übersetzen.

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Die Suchmaschine für neue Technologien

Techrad soll ein KI-basiertes Technologieradar für kleine und mittlere Unternehmen werden, das autonom nach vorgegebenen Suchkriterien Informationen über Technologien sammelt und diese dem Nutzer bereitstellt. Dazu werden im ersten Schritt die Daten für die Erstellung des Technologie­radars gesammelt, ähnlich wie bei einer Suchmaschine: Es werden Suchbegriffe eingegeben und aus diesen wird eine Recherche gestartet. Nach dem Starten der Suche werden mittels Web-Crawling relevante Daten von Webseiten autonom recherchiert und gespeichert. Darüber hinaus werden gezielt Daten aus Datenbanken über deren Schnittstellen abgerufen. Bei den Datenbanken handelt es sich um Quellen verschiedener Informationstiefe: Patentdatenbanken, wissenschaftliche Veröffentlichungen aber auch Social Media. Die so gesammelten Informationen werden zwischengespeichert und anschließend von NLP-Algorithmen ausgewertet. Diese bestimmen den Reifegrad der Technologien automatisch und erkennen so neue Technologien. Auch eine Trendentwicklung wird abgeleitet.[1] Die gefundenen Technologien werden ihrem Reifegrad nach im Technologieradar zugeordnet. Cluster zur detaillierteren Einordnung werden automatisch vom Radar erzeugt. Geplant ist, automatisch einen Steckbrief für die Technologie zu erzeugen. Schlussendlich erhalten die Anwender von Techrad eine personalisierte Auswertung über die aktuell verfügbaren Technologien und deren Reifegrad.

Das Web-Crawling agiert im Spannungsfeld zwischen Urheberrecht, Leistungsschutzrecht und Informationsfreiheit, für die es keine eindeutige Gesetzesauslegung gibt. Die Verwertung der gesammelten Information und weltweite Bereitstellung unter einer Vielzahl verschiedener Lizenz­arten muss daher auch von Beginn an rechtswissenschaftlich betrachtet werden.

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Das Know-how hinter Techrad

Ein solches Projekt umzusetzen, erfordert einiges an Know-how aus unterschiedlichen Gebieten. So bringen bei Techrad mehrere Partner ihre Stärken ein.

  • KEX Knowledge Exchange bringt vertieftes Wissen zum Web-Crawling sowie dem operativen Management und Betrieb einer Technologieplattform mit in das Team ein. Sie bieten ein auf Kundenanforderungen zugeschnittenes Technologiemanagement an.
  • Know-how und Software für die Datenverarbeitung und die Algorithmen für maschinelles Lernen, Text Analytics und NLP steuert Rapidminer bei.
  • I2solutions entwickelt die Plattform zur Realisierung des Technologieradars einschließlich des User Interfaces. Seine Expertise liegt besonders im Dashboarding.
  • Die Anwälte um Marco Müller-ter Jung, Fachanwalt für IT-Recht, bringen in diesem hochspannenden und hochkomplexen Projekt das notwendige Wissen zur Einschätzung der Rechtssituation mit. Die Anwälte stellen sicher, dass der Einsatz des Technologieradars keine Rechte verletzt und den Nutzern sichere und legale Ergebnisse bereitstellt.
  • Das FIR an der RWTH Aachen übernimmt die Koordination des Projekts und bringt seine Kenntnisse im Rahmen des Technologiemanagements sowie die Digitalisierung und KI mit ein.

Anmerkungen

[1] Wie genau Algorithmen solche Informationen aus Texten sammeln, wird im zweiten Teil dieser Serie vorgestellt, der im September erscheint.

[2] Dieses Vorhaben wurde aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert.

* Georg Emonds ist Partner bei i2solutions in 52223 Stolberg; Max-Ferdinand Stroh und Justus Benning arbeiten am FIR an der RWTH Aachen, Campus-Boulevard 55 in 52074 Aachen; techrad.fir.de

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