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TTIP – Freier Handel ist die Basis für Wachstum und Wohlstand

Die Maschinen- und Anlagenbauer begrüßen die geplante Schaffung eines großen transatlantischen Wirtschaftsraums im Rahmen von TTIP. In einer Interview-Serie lässt der VDMA Vertreter aus Teilbranchen des Maschinenbaus zum Thema TTIP zu Wort kommen – so auch Klaus-Hasso Heller, Geschäftsführer der Aerzener Maschinenfabrik.

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Klaus-Hasso Heller ist Geschäftsführer der Aerzener Maschinenfabrik. Das Familienunternehmen aus dem niedersächsischen Aerzen stellt unter anderem Drehkolbengebläse her.
Klaus-Hasso Heller ist Geschäftsführer der Aerzener Maschinenfabrik. Das Familienunternehmen aus dem niedersächsischen Aerzen stellt unter anderem Drehkolbengebläse her.
(Bild. VDMA)

Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Argument für TTIP?

Heller: Das wichtigste Argument dafür ist, dass es ein Freihandelsabkommen ist. Nur durch solche Abkommen kann der freie Handel forciert werden. Das ist die Basis für Wachstum und Wohlstand. Bei TTIP muss man sehen, dass der große amerikanische Wirtschaftsraum für den deutschen Maschinenbau sehr wichtig ist. Unter der Voraussetzung natürlich, dass das Abkommen intelligent ausgestaltet wird.

Was verstehen Sie unter „intelligent gestalten“?

Heller: Ziel muss es sein, dass in den Verhandlungen das Optimale für beide Seiten erreicht wird. Man muss versuchen, im Rahmen des Abkommens möglichst gleiche Standards zu definieren, die sich aber nicht am bislang niedrigsten, sondern am bislang höchsten Standard orientieren sollten.

Warum steht TTIP in der Öffentlichkeit so sehr in der Kritik?

Heller: Ein Grund ist sicher, dass man die Verhandlungen nicht nur im Geheimen geführt hat, sondern dass man völlig versäumt hat, dieses Abkommen in der Öffentlichkeit zu vermarkten. Durch diesen Fehler ist es Gegnern ein Leichtes gewesen, ihrerseits sehr viel Marketing gegen TTIP einzusetzen. Das sieht man an dem Chlorhühnchen, das gar nicht mehr Gegenstand der Verhandlungen ist, aber immer noch wie ein Fanal benutzt wird.

Deutschland hat schon viele Freihandelsabkommen abgeschlossen, derzeit wird mit Indien verhandelt. Niemand kümmert sich darum. Warum gibt es Protest gegen die USA?

Heller: Es ist möglicherweise die Angst vor der großen Wirtschaftsmacht USA, die viele Menschen, vor allem in Deutschland, aufschrecken lässt. Wir haben noch nie mit einem so großen Land ein Freihandelsabkommen geschlossen. Auch gibt es in Teilen der Bevölkerung seit jeher eine gewisse Unsicherheit den USA gegenüber. Wenn dann noch jemand mit dem Chlorhühnchen kommt, entsteht leicht eine Ablehnung des ganzen Projekts.

Hätte die Politik dieser Entwicklung nicht vorbeugen können und sollen?

Heller: Auf jeden Fall hätten die relevanten Politiker von Anfang an klipp und klar sagen sollen, was man vorhat, worum es geht und welchen Nutzen wir uns davon versprechen. Dann hätte man auch sagen können, dass die Verhandlungen geheim geführt werden, weil das üblicherweise so ist. Hätte man von Anfang an richtig kommuniziert, hätte eine Kampagne gegen TTIP gar keine Nahrung bekommen.

Könnte ein erfolgreiches Abkommen zwischen den USA und der EU auch ein Vorbild sein für multilaterale Handelsabkommen in der Welthandelsorganisation?

Heller: Es könnte sicher als eine Art Basis gesehen werden. Andererseits ist es aber so, dass sich die bilateralen Freihandelsabkommen schon recht viel voneinander unterscheiden. Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass es mit dem weltweiten Freihandel unter der Führung der WHO bis heute noch nicht geklappt hat.

Welche Auswirkungen hätten TTIP auf den Arbeitsmarkt?

Heller: Als Maschinenbauer haben wir das Problem bei Exporten von Maschinen, die wir in Deutschland produziert haben, dass dort andere Standards und Normen gelten und wir Anpassungen durchführen müssen. Das ist sehr aufwändig und kostet viel Zeit. Ohne diese zusätzlichen Belastungen würden unsere Marktchancen in den USA besser – weil wir schneller sind und günstiger anbieten können. Für die Arbeitsplätze bedeutet das, je mehr Aufträge wir bekommen, desto mehr Beschäftigte brauchen wir. Denn die Maschinenbauer werden nach wie vor einen großen Teil der Wertschöpfung im eigenen Land haben.

Aber auch die Amerikaner haben es dann leichter auf unserem Markt.

Heller: Der Maschinenbau in Deutschland ist in vielen Bereichen technologischer Vorreiter. Deshalb sind in dieser Industrie die Chancen für uns deutlich größer, als für die andere Seite.

Was sollte in dem vorgesehenen TTIP-Kapitel für kleine und mittlere Unternehmen stehen?

Heller: Das wichtigste für ein kleineres Unternehmen ist, dass unterschiedliche Normen akzeptiert werden. Denn für kleinere Unternehmen ist der Kostenaufwand, den man betreiben muss, um die eigenen Produkte anzupassen, unvergleichlich höher, als dies für ein großes Unternehmen der Fall ist.

Welche wirtschaftlichen Konsequenzen hätte ein TTIP für andere?

Heller: Ich kann mir vorstellen, dass es dann andere Länder gibt, die sich überlegen, sich diesem großen Wirtschaftsblock anzuschließen. Üblicherweise orientiert man sich an dem Größten und versucht dann auch dort mitzumachen. Ich würde das sehr begrüßen. Je mehr freier Handel möglich ist, desto besser.

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