Suchen

Transatlantischer Freihandel

TTIP oder das lange Warten

| Autor/ Redakteur: Ulrich P. Schamari / Jürgen Schreier

Was TTIP anbelangt, so schwanken Deutschlands Maschinenbauer zwischen Zustimmung und Ungewissheit. Grundsätzlich sei das Abkommen sinnvoll, so die vorherrschende Meinung. Doch über allgemeine Feststellungen wagt sich praktisch niemand hinaus. Zu wenige Details sind bis dato bekannt. Umstritten bleiben auch in der deutschen Industrie die von US-Konzernen präferierten (privaten) Schiedsgerichte.

Firmen zum Thema

Angesichts der industriellen Renaissance in den USA verkaufen sich deutsche Maschinenbauprodukte jenseits des Atlantiks hervorragend. Einheitliche Standards könnten das Geschäft zusätzlich ankurbeln.
Angesichts der industriellen Renaissance in den USA verkaufen sich deutsche Maschinenbauprodukte jenseits des Atlantiks hervorragend. Einheitliche Standards könnten das Geschäft zusätzlich ankurbeln.
(Bild: Daniel Kaiser)

Die Experten der Industrie und ihrer Verbände sind sich einig: Das geplante transatlantische Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) zwischen der EU und den USA macht Sinn und verfolgt einen guten Zweck. Auch die Frage, ob der Mittelstand etwas von dem Abkommen hätte, wird in der Regel positiv beantwortet. Aber über allgemeine Feststellungen wagt sich praktisch niemand hinaus, weil zu möglicherweise kommenden Paragraphen wenig bekannt ist und folglich auch keine konkrete Einschätzung gegeben werden kann. Martin Leutz vom Arbeitgeberverband Gesamtmetall bringt es auf den Punkt: „Die Verhandlungen laufen noch – und wie bei jeder Vertragsverhandlung sind die Positionen zu Verhandlungsbeginn nicht gleichzusetzen mit dem fertigen Ergebnis.“

EU-Binnenmarkt als Vorbild

Zweifellos ist es gewagt, sich auf einen Vertrag einzulassen, dessen Inhalt man noch nicht kennt. Michael Stahl, Geschäftsführer Bildung und Volkswirtschaft bei Gesamtmetall, weicht deshalb auf einen Vergleich aus: „Wenn wir auf die Chancen von TTIP schauen, hilft ein Blick in die Vergangenheit. Vor wenigen Jahren waren für uns Länder wie Frankreich, England oder die Schweiz tatsächlich noch Ausland – mit unterschiedlichen Vorschriften und Bestimmungen sowie Ein- und Ausfuhrzöllen.“

Bildergalerie

Bildergalerie mit 12 Bildern

Hier habe den Unternehmen das Zusammenwachsen Europas zu einem Wirtschaftsraum sehr geholfen. Durch den EU-Binnenmarkt seien viele Handelsprobleme ausgeräumt worden, und das habe zu mehr Wachstum und Wohlstand geführt. Es mache sich nach wie vor gehörig an den Fixkosten sowie am bürokratischen Aufwand bemerkbar, ob ein Produkt nach Lissabon oder Atlanta verkauft wird.

Maschinenbauverband VDMA geht bei TTIP in die Offensive

Neue Produkte, die aus der hiesigen Forschung und Entwicklung stammen, sollten unverändert auch für die Märkte im Ausland produziert werden können. Die unterschiedlichen Regeln und die Kosten durch die komplexe Regulierung direkt hinter der jeweiligen Landesgrenze seien, so Stahl, jedoch gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine große Herausforderung und damit auch ein Handelshemmnis. Doch es gehe nicht nur um die Zölle und Handelserleichterungen. TTIP biete die Chance, gemeinsame Regeln für einen freien und fairen Handel zu entwickeln – und zwar mit Signalwirkung für die ganze Welt.

Artikelfiles und Artikellinks

Dieser Beitrag ist urheberrechtlich geschützt. Sie wollen ihn für Ihre Zwecke verwenden? Kontaktieren Sie uns über: support.vogel.de (ID: 43413668)