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Transatlantischer Freihandel

TTIP oder das lange Warten

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Eine Reihe von Unternehmern sieht aber bereits jetzt große Vorteile, wenn TTIP umgesetzt wird. „Der Nutzen übersteigt die Risiken bei Weitem“, stellt etwa Mathias Kammüller, Geschäftsführer und Vorsitzender des Geschäftsbereichs Werkzeugmaschinen der Trumpf GmbH + Co. KG, zu dem geplanten Freihandelsabkommen fest. Der exportstarke Maschinenbau profitiere ganz besonders, denn in Europa beschäftige diese Branche rund drei Millionen Menschen.

Und in den Vereinigten Staaten seien es noch einmal rund eine Million, deren Arbeitsplätze durch Erleichterungen im wechselseitigen Handel gesichert und stabilisiert würden. Allein ein kompletter Verzicht auf Zölle könnte im Maschinenbau die Exporteure um einen Betrag von mehreren Hundert Millionen Euro jährlich entlasten – mit beträchtlichem Nutzen auf beiden Seiten des Atlantiks.

Gemeinsame Position gegenüber aggressiven Mitbewerbern in Asien stärken

Die US-amerikanischen Tochtergesellschaften von Trumpf etwa zahlen jedes Jahr rund sieben Millionen Dollar an den amerikanischen Fiskus – und zwar überwiegend für Zulieferungen, die aus der eigenen Unternehmensgruppe stammen. Kammüller ärgert sich: „Für uns als Hochtechnologieunternehmen wäre dieses Geld erheblich besser in Forschung und Entwicklung investiert – und das gilt für alle anderen innovativen Technologieunternehmen genauso.“ Auch wenn die Kosten für doppelte Zulassungsverfahren entfielen, helfe das vielen Mittelständlern.

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In diese Klage stimmt Gesamtmetall-Vertreter Stahl mit ein: „Davor steht heute noch ein langer und steiniger Weg an Produktzulassungsprüfungen der jeweiligen Länder, eigenen Testverfahren oder Konformitätsprüfungen.“ Doch in dem möglicherweise größten Wirtschaftsraum der Welt einheitliche Standards zu haben und die Normen auch in den Zukunftstechnologien setzen zu können, würde die gemeinsame Position gegenüber sehr aggressiven Mitbewerbern in Asien und anderswo auf der Welt stärken. Auch solche Aspekte sollte man nicht außer Acht lassen, meint Kammüller.

Mit TTIP schneller in den USA anbieten

Dass TTIP für Kunden in den USA ein Innovationsbeschleuniger werden kann, beschäftigt auch Jutta Humbert. Die Geschäftsführerin der Nord Drivesystems Group erläutert: „Wir könnten neu entwickelte Produkte dort ein halbes Jahr schneller anbieten als bisher, wenn die im Augenblick erforderlichen zusätzlichen Zertifizierungsverfahren wegfielen.“ Das würde zugleich für alle Seiten einiges an Kosten sparen und auch Einfuhrverzögerungen durch den Zoll kämen nicht mehr vor. Wie viele Unternehmensleiter hofft Jutta Humbert, dass die Angleichung und Anerkennung technischer Standards und Zertifizierungen schnell kommt und das Abkommen nicht noch lange durch strittige Fragen aufgehalten wird.

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