Türkei Türkei: Wachstumspläne beflügeln türkischen Maschinenbau

Autor Stéphane Itasse

In der Türkei hat die Regierung große Pläne: Bis zum Jahr 2023 soll das Land unter die zehn größten Volkswirtschaften der Welt vorstoßen, derzeit rangiert es noch auf Platz 17. Auch wenn Beobachter an der Realisierbarkeit zweifeln, wird durch dieses Vorhaben der Maschinenbau stark befeuert.

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(Bild: Siemens)

Zu den Vorhaben der Regierung gehört auch der Abbau der hohen Importe von Industrie und Energiewirtschaft. Dazu will sie nicht nur die Strukturen tief greifend reformieren, sondern auch den Aufbau einer eigenen Produktion gezielt fördern.

Zwar hat sich das Wirtschaftswachstum der Türkei im vergangenen Jahr auf schätzungsweise 3 % abgeschwächt, im Jahr 2013 waren es nach Daten der Weltbank noch 4,1 %. Doch dem ging ein langjähriger Boom voraus: In den zehn Jahren von 2002 bis 2012 hat das Land nach Angaben der deutsch-türkischen Auslandshandelskammer sein Bruttosozialprodukt (BSP) von 231 Mrd. US-Dollar auf 820 Mrd. Dollar mehr als verdreifacht. Während zeitweilig viele Industrienationen unter einer der größten Wirtschaftskrisen seit den 1930er-Jahren litten, kam die Türkei auf eine durchschnittliche Wachstumsrate von 5,1 %. Für die OECD hat das Land am Bosporus die am schnellsten wachsende Wirtschaft ihrer Mitglieder. Die Exporte sind nach Angaben der Kammer im vergangenen Jahrzehnt ebenfalls stark gestiegen und stehen bei 152 Mrd. Dollar. Zu den wichtigen Ausfuhrgütern zählten auch Industrieprodukte.

Türkischer Maschinenbau wächst stark

Die Türkei tritt nach Angaben der Kammer für eine freie Marktwirtschaft ein und ist dem EU-Abkommen zur Zollunion beigetreten. Die Einnahmen der Privatisierungsverwaltung hätten sich zwischen 1985 und 2012 auf 46 Mrd. Dollar belaufen. Im Jahr 2013 sei mit 12,5 Mrd. Dollar ein Jahresrekord verzeichnet worden. Dazu komme seit 2012 ein neues System von Investitionsanreizen. Es habe sich positiv auf den Zustrom von ausländischen Direktinvestitionen ausgewirkt. Zum neuen Regime gehören Steuerbefreiungen, Unterstützungen zu den Sozialversicherungsbeiträgen sowie Steuervorteile und die Zuweisung von Grundstücken bei Investitionen in Technologiegebiete, Industrieansiedlungen und Freihandelszonen, wie die Auslandshandelskammer berichtet. Damit sollen Investitionen in F&E sowie regionale, strategische und Großinvestitionen zur Verringerung der Importabhängigkeit gefördert werden.

Der Maschinenbau gehört zu den dynamischen Branchen in der Türkei; Beobachter schätzen das Umsatzwachstum für das vergangene Jahr auf 5 %, deutlich über dem allgemeinen Wirtschaftswachstum. Seit dem Jahr 1990 hat die Branche nach Angaben der Türkischen Investitionsförderungsagentur Ispat sogar um knapp 20 % pro Jahr zugelegt, seit 2009 um 30 % jährlich. Das Wachstum des türkischen Maschinenbaus werde von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) getragen, die 50 % der Maschinenproduktion ausmachten.

Importe bleiben hoch

Die Branche hat laut Ispat einen immer größeren Anteil an den türkischen Ausfuhren, 2013 erreichten sie mit 22,5 Mrd. Dollar 14 % der Gesamtexporte. Die wichtigsten Ausfuhrziele für türkische Maschinenerzeugnisse seien Deutschland, Großbritannien, Irak und Frankreich. Gleichzeitig importiere die Türkei Maschinenerzeugnisse vor allem aus China, Deutschland, Italien, Südkorea und Frankreich. Die Importe haben 2013 mit insgesamt 47,9 Mrd. Dollar nach Angaben der Investitionsförderer mehr als das Doppelte der Exporte erreicht, was auf eine zunehmende Binnennachfrage nach Maschinenerzeugnissen schließen lasse.

Der Maschinenbau der Türkei hat sich für den 100. Jahrestag der Republik im Jahr 2023 ehrgeizige Ziele gesetzt, wie Ispat weiter berichtet. Um Exporte in Höhe von 100 Mrd. Dollar mit einem Anteil von 2,3 % am Weltmarkt zu erreichen, solle die türkische Maschinenbauindustrie bis dahin eine durchschnittliche jährliche Wachstumsrate von 17,8 % erreichen. Dann solle der Anteil der Branche an den türkischen Gesamtexporten mindestens 18 % betragen.

Dies spiegelt sich jetzt schon in den Ausgaben für Forschung und Entwicklung wider: Von 2010 bis 2012 stiegen nach Angaben der Investitionsförderer die F&E-Ausgaben der Branche um 33 % und damit wesentlich stärker als im allgemeinen Produktionsbereich (24 %) sowie im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige (19 %).

Maschinenbau profitiert von Fachkräften

Als Motor der Branche gelten die KMU. Laut Ispat profitieren diese Unternehmen in der Türkei von günstigen und gut ausgebildeten Beschäftigten. Das Statistikamt der Türkei (Tüik) gibt die Gesamtbevölkerung mit etwa 77 Millionen an, von denen die Hälfte jünger als 30,4 Jahre alt ist. Über 28 Mio. Menschen nehmen diesen Angaben zufolge am Erwerbsleben teil und jedes Jahr kommen weitere 700.000 Oberschulabgänger und 610.000 Universitätsabsolventen hinzu, davon 450.000 Ingenieure. Die gegenwärtigen Arbeitskräfte durchlaufen außerdem nach Angaben der deutsch-türkischen Auslandshandelskammer im Rahmen der EU-Harmonisierung Zertifikatsprogramme zur beruflichen Fortbildung.

Auch ausländische Investoren entdecken jetzt den Maschinenbau für sich: Mit einem Wachstum von 64 % im Zufluss ausländischer Direktinvestitionen seit 2005 war die Branche ein Wachstumsmotor innerhalb des produzierenden Gewerbes, wie die Investitionsförderagentur berichtet. Allerdings haben die ausländischen Direktinvestitionen im Maschinenbau mit 15 % Anteil an denen der allgemeinen Herstellung.

Der Verein Internationaler Investoren in der Türkei (Yased) sieht allerdings noch Handlungsbedarf: In seinem Ende 2014 vorgestellten Bericht zum Thema „Die Türkei, ein regionales Zentrum für nachhaltigen globalen Wettbewerb“ heißt es, dass vier Hauptfunktionen gestärkt werden müssten: Management, Forschung und Entwicklung, fortschrittliche Fertigung und Dienstleistungen. MM

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