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Auslandsmärkte Türkischer Maschinenbau setzt in der Krise auf Nähe

| Autor: Stéphane Itasse

Währungskrise, wirtschaftlicher Einbruch und jetzt Corona: Der türkische Maschinenbau hat harte Zeiten hinter sich. Besserung sollen der Export und die geografische Nähe zu den wichtigen Märkten Europas bringen.

Früher war mehr zu tun: Die Corona-Krise hat den türkischen Maschinenbau tief ins Minus gedrückt.
Früher war mehr zu tun: Die Corona-Krise hat den türkischen Maschinenbau tief ins Minus gedrückt.
(Bild: Itasse)

Gerade einmal 20 % der türkischen Maschinenbauer produzierten Ende März noch mit voller Kapazitätsauslastung, bei 44 % der Unternehmen lag sie hingegen unter 50 %. 20 % der vom Maschinenbauverband Makfed befragten Unternehmen hatten sogar vorübergehend geschlossen. Auch die Auftragslage ist schlecht: 10 % der Maschinenbauer hatten zum Zeitpunkt der Umfrage keine Aufträge, 38 % Aufträge für einen Monat und 40 % Aufträge für die kommenden drei Monate.

Auslandsaufträge bleiben wegen Corona aus

Wie sehr die Coronapandemie die internationalen Lieferungen stört, zeigt sich auch bei der detaillierten Betrachtung der Aufträge nach Inland und Ausland. Aus dem Inland haben 35 % der Unternehmen im März keine Aufträge erhalten. 8 % der Unternehmen hingegen sehen keine Auftragsrückgänge. Bei den Auslandsaufträgen konnten 52 % der Unternehmen im März keine Bestellungen verbuchen. Immerhin 5 % der Unternehmen sahen keine Auftragsrückgänge.

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„Nachdem vier der fünf wichtigsten Märkte, welche 40% der Aufträge ausmachen, unter Quarantäneeinschränkungen stehen, musste die türkische Maschinenbauindustrie ihre Erwartungen beziehungsweise die Produktion bremsen“, erläutert Kutlu Karavelioǧlu als Präsident der Vertretung der türkischen Maschinenbauexporteure Turkish Machinery. Die aktuellen Aufträge wurden nach seinen Angaben über einen längeren Zeitraum gestreckt und die Kapazitäten gesenkt.

Diese Entwicklungen schlagen sich auch bei den Mitarbeiterzahlen nieder: Nur noch 38 % der Unternehmen konnten ihr Personal weiter beschäftigen.

Türkischer Maschinenbau war 2020 gut gestartet

Dabei war die türkische Maschinenbauindustrie gut in das Jahr 2020 gestartet. Im Januar gab es einen Exportanstieg von 7 % zum Vorjahr, wie Makfed berichtet, im Februar von 5 % und im März immerhin noch von 0,5 %. Bis Mitte April sanken die Maschinenausfuhren jedoch um 5,9 %. Damit hält sich die Branche besser als der türkische Export insgesamt, der für diesen Zeitraum ein Minus von 9,5 % verzeichnet.

Dennoch sieht Karavelioǧlu den Export als wichtigen Schlüssel für den Aufschwung des Landes. Gerade in der derzeitigen Krise zeige sich, dass viele Länder ihre Prioritäten und Ausrichtung im Hinblick auf die Globalisierung neu strukturieren müssten; Netzwerke würden überprüft, Lieferketten überdacht. „Hier kann die Türkei aufgrund der Nähe zu Europa ein verlässlicher und wettbewerbsfähiger Partner sein“, sagt der Präsident von Turkish Machinery.

Der Maschinenbausektor wird auch vom türkischen Wirtschaftsministerium als tragende Säule gesehen. Das Industrie- und das Technologieministerium haben mit dem Handelsministerium den Rahmen im elften 5-Jahres-Plan bis 2023 festgelegt. In dem Plan wird auch der Unterstützung des Maschinenbaus eine große Bedeutung beigemessen. Der Aktionsplan umfasst ein erhebliches finanzielles Volumen, basierend auf fünf Ebenen der Förderung: Förderprogramm F+E, Förderprogramm Produktentwicklung, Investitionsförderungen, Förderprogramm Vertrieb und Marketing sowie Exportunterstützung. „Wir setzen als Vertretungen der Unternehmen derzeit alles daran, eine der Bedeutung entsprechende Unterstützung in der Krise zu erhalten“, erläutert Karavelioǧlu abschließend.

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 Stéphane Itasse

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, MM MaschinenMarkt