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Biowerkstoffe Umweltfreundlicher Kugelschreiber

| Redakteur: Beate Christmann

Mit einem Kugelschreiber realisiert die Forschernachwuchsgruppe des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) der Uni Hannover ein weiteres Alltagsprodukt, für das einer der selbst entwickelten Biowerkstoffe verwendet wird: Die Hülle des Schreibgeräts besteht zu 90 % aus dem biobasierten Kunststoff IfBB-Blend HD130x, der auf Grundlage von Polymilchsäure hergestellt wurde.

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Grün schreiben: Die Hülle des Kugelschreibers Slider Xite von Schneider Schreibgeräte besteht zu 90 % aus einem biobasierten Kunststoff, den Nachwuchsforscher des IfBB in Hannover entwickelt haben.
Grün schreiben: Die Hülle des Kugelschreibers Slider Xite von Schneider Schreibgeräte besteht zu 90 % aus einem biobasierten Kunststoff, den Nachwuchsforscher des IfBB in Hannover entwickelt haben.
(Bild: Schneider Schreibgeräte GmbH)

Nach einer fairen Computermaus und einer nachhaltigen Zahnbürste kommt nun ein weiteres Alltagsprodukt auf den Markt, für das einer der selbst entwickelten Biowerkstoffe der Forschernachwuchsgruppe des Instituts für Biokunststoffe und Bioverbundwerkstoffe (IfBB) der Uni Hannover verwendet wurde. Die Hülle des Kugelschreibers Slider Xite des Unternehmens Schneider Schreibgeräte besteht zu 90 % aus biobasiertem Kunststoff.

Werkstoff auf Basis von Polymilchsäure

Den Werkstoff auf Basis von Polymilchsäure (PLA) haben Wissenschaftler um Prof. Dr. Andrea Siebert-Raths von der Forschernachwuchsgruppe des IfBB entwickelt und seine Verarbeitung zur fertigen Kugelschreiberhülle zusammen mit ihrem Industriepartner optimiert. Dabei wurde nicht nur auf die Material-, sondern auch auf die Verarbeitungseigenschaften geachtet.

Der Kunststoff IfBB-Blend HD130x überzeugte mit der kürzesten Zykluszeit sowie einer auffällig guten Oberflächenbeschaffenheit und hohem Glanz. Zudem zeichnet er sich durch seinen hohen Anteil an nachwachsenden Rohstoffen aus, den die Zertifizierungsgesellschaft DIN Certo der TÜV-Rheinland-Gruppe und des DIN-Instituts bestätigt hat. Dank einer hohen Wärmeformbeständigkeit kann die Kugelschreiberhülle beim Transport auch höheren Temperaturen über 60 °C ausgesetzt werden, ohne sich zu verformen.

Technische und unternehmerische Umsetzung im Fokus

Gemeinsam mit ihren Partnerunternehmen entwickelt und verbessert die Forschernachwuchsgruppe speziell auf die Produkte ihrer Industriepartner zugeschnittene biobasierte Verbundwerkstoffe. Neben der technischen Umsetzung steht auch die unternehmerische Umsetzung im Fokus der Forscher. Sie befassen sich daher sowohl mit der ökonomischen als auch ökologischen Material- und Produktbetrachtung. Die Forschernachwuchsgruppe berät zudem bei Fragen zu Kommunikation und Marketing von Produkten aus biobasierten Kunststoffen.

Die Forschernachwuchsgruppe „Systematische Identifizierung sowie praktische Umsetzung von Synergien im Bereich der Biopolymere, Biopolymerfasern und Verbundwerkstoffe“ wird gefördert vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL). Projektträger ist die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR).

Hintergrund Polymilchsäure

Polymilchsäure (Polylactic Acid) ist einer der am häufigsten eingesetzten biobasierten Kunststoffe. Unter anderem werden bereits Büroutensilien, Textilien, Autoteile und medizinische Implantate aus PLA hergestellt. Im Unterschied zu erdölbasierten Kunststoffen stammen die Ausgangsstoffe von PLA aus nachwachsenden Rohstoffen wie Maisstärke oder Zucker. Mikroorganismen wandeln die Ausgangsstoffe in Milchsäure um. PLA besteht aus langen Ketten dieser Milchsäure-Ringe (Lactide). Je nach Kombination der Lactide entstehen Kunststoffe mit unterschiedlichen Eigenschaften. Durch Zugabe von Additiven, Fasern oder Reststoffen und durch die Wahl der Verarbeitungsmethode passen Ingenieure die PLA-Kunststoffe weiter für ihren jeweiligen Einsatz an.

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