Umweltmanagement Umweltmanagement nach internationaler Norm

Autor / Redakteur: Angela Recino / Robert Horn

Als im September 2015 die ISO 14001:2015 erschien, gehörte der Triebwerksinstandhalter MTU zu den Ersten, die sich nach den neuen Anforderungen auditieren ließen. Dabei erforderte die Revision einige Anpassungen am Umweltmanagementsystem.

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Das Vorgehen zur ISO-14001-Zertifizierung des TÜV: In sechs Schritten begleitet der Dienstleister Unternehmen bei der Umstellung.
Das Vorgehen zur ISO-14001-Zertifizierung des TÜV: In sechs Schritten begleitet der Dienstleister Unternehmen bei der Umstellung.
(Bild: TÜV Rheinland)

Seit der Veröffentlichung der ISO-14001-Revision im Jahre 2015 läuft eine dreijährige Übergangsfrist, in der auch die ältere Version noch akzeptiert wird. Ab September 2018 gilt dann nur noch ISO 14001:2015. Wie in allen neuen Managementsystem-Normen – beispielsweise ISO 9001:2015 – folgt der Aufbau der sogenannten „High Level Structure“ (HLS). Diese soll alle Normen hinsichtlich ihrer Gliederung und der verwendeten Begriffe und Textbausteine vereinheitlichen.

Umweltleistung messbar machen

Für die MTU Maintenance Hannover war die Revision 14001:2015 weniger umwälzend als ursprünglich angenommen. „80 % der Veränderungen hatten wir aufgrund unserer Emas-Validierung ohnehin schon umgesetzt“, sagt Dr. Niebler, Umweltschutzbeauftragter der MTU Maintenance. Dazu gehört beispielsweise die Vorgabe, bei der Festlegung der Umweltziele geeignete Leistungskennzahlen (Key Performance Indicators) zu verwenden, um damit die Umweltleistung besser messbar zu machen. Oder das neue Kapitel „Kontext der Organisation“, das sich mit den „interessierten Parteien“ des Unternehmens befasst. Dadurch sollen die Erfordernisse und Erwartungen der verschiedenen Stakeholder – unter anderem Kunden, Lieferanten, Gemeinden, Aufsichtsbehörden, Nichtregierungsorganisationen, Investoren und Mitarbeiter – besser verstanden werden, um in der Folge zu bewerten, ob konkrete zu erfüllende Anforderungen daraus entstehen.

Als größte Herausforderung der revidierten Norm erwies sich die neu aufgenommene Lebenszyklusbetrachtung. Dabei muss das Unternehmen die Umwelt- auswirkungen eines Produkts oder einer Dienstleistung von der Entstehung bis zum Nutzungsende beziehungsweise zur Entsorgung in Augenschein nehmen – also auch Prozesse, die der eigentlichen betrieblichen Tätigkeit vor- oder nachgelagert sind. Für die MTU Maintenance Hannover bedeutete dies, insbesondere ihre Lieferanten und deren umweltbezogene Aktivitäten genauer unter die Lupe zu nehmen.

Lieferanten unter der Lupe

Für die Instandhaltungsarbeiten und Reparaturen von Triebwerken benötigt die MTU Chemikalien und Zusatzstoffe, die sie von vielen verschiedenen Lieferanten erhält. Niebler und sein Team bestimmten zunächst die wichtigsten. Sie identifizierten 27 Unternehmen, die zusammen mehr als vier Fünftel zum Gesamtliefervolumen beitragen. Diese ordneten sie drei Gruppen zu, die sich am Ende als ungefähr gleich groß herausstellen sollten. Zur ersten Gruppe gehören Lieferanten, die über eine ISO-14001-Zertifizierung oder gleichwertige Nachweise verfügen und die keine umweltbezogenen Merkmale aufweisen, die gegen eine Geschäftsbeziehung sprechen – etwa dass der Lieferweg nach Langenhagen unverhältnismäßig weit ist.

Zur zweiten Gruppe zählen Unternehmen, die keine ISO-14001-Zertifizierung besitzen, aber ihr Umweltengagement auf andere Art ausreichend belegen. Die Gruppen 1 und 2 sind unproblematisch und erfüllen den Anspruch der MTU Maintenance. Schwieriger sind die Lieferanten in Gruppe 3, denn sie können keine entsprechenden Nachweise vorlegen. „Diese Unternehmen ermutigen wir, aktiv zu werden“, sagt Niebler. „Ihnen muss bewusst sein, dass umweltbezogenes Engagement für uns ein zusätzliches gleichwertiges Entscheidungsmerkmal in künftigen Geschäftsverhandlungen darstellt.“ Die MTU Maintenance Hannover lässt sich seit vielen Jahren vom TÜV Rheinland zertifizieren. „Unsere Motivation für eine Zertifizierung besteht darin, das Unternehmen kontinuierlich zu verbessern“, sagt Niebler. „Die Einführung des Umweltmanagementsystems sensibilisiert uns für Chancen und Einsparmöglichkeiten, die wir früher vielleicht nicht gesehen haben.“

Dass die Umwelt profitiert, ist für die MTU Maintenance ein wichtiger Grund. Aber nicht der einzige: „Ökologie und Ökonomie müssen Hand in Hand gehen. Wir tragen Verantwortung für die kommenden Generationen, für unsere Mitarbeiter, deren Familien und den Standort Langenhagen. Letztlich sind wir aber auch ein Industrieunternehmen, das erfolgreich wirtschaften muss. Und die Zertifizierungen helfen uns dabei.“ Zur Zusammenarbeit mit dem TÜV Rheinland stellt Niebler fest: „Die Prüfer kennen unser Unternehmen. Wenn sie hier sind, können sie nach einer Stunde genau sagen, welche Prozesse sich verbessert haben und welche nicht.“

Umweltschutz auf die Fahne geschrieben

Nachhaltigkeit und Umweltschutz sind fest im Leitbild und den jährlichen Unternehmenszielen der MTU-Gruppe verankert. Die MTU Maintenance Hannover erfüllt alle internationalen Umweltstandards, ist vom TÜV Rheinland nach ISO 14001 zertifiziert und gemäß der EU-Ökoaudit-Verordnung Emas (Eco-Management and Audit Scheme) validiert. In der regelmäßig erscheinenden Umwelterklärung informiert das Unternehmen über seine Umweltpolitik, nennt konkrete Daten zur Umweltleistung und beleuchtet ausführlich die ökologischen Auswirkungen seines Handelns.

Die Zertifizierung wird durch den Staat gefördert mittels der Stromsteuererstattung, die ein anerkanntes Energie- oder Umweltmanagementsystem (Emas) voraussetzt. Auch die meisten Kunden erwarten heute entsprechende Nachweise, um ins Geschäft zu kommen. MM

* Angela Recino ist Fachjournalistin aus 53757 Sankt Augustin, Tel. (0 22 41) 2 00 70 11, a.recino@bewegtkommunikation.de

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