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Ungarns Wirtschaft durchläuft Wachstumsdelle

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Insgesamt habe sich die Zufriedenheit mit den wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen verbessert, in mehreren Bereichen sogar erheblich, vor allem in Bezug auf die Rechtssicherheit und die Berechenbarkeit der Wirtschaftspolitik, aber auch hinsichtlich der steuerlichen Belastung und der Steuerverwaltung. „Verbessert“ heißt allerdings nicht automatisch „gut“, wie die Handelskammer betont: In mehreren Bereichen ist noch immer über die Hälfte der Unternehmen unzufrieden. Unzureichend sei die Situation weiterhin in Bezug auf Korruption und Transparenz der öffentlichen Vergabe, hier verzeichneten die Investoren keine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr.

Ungarn braucht eine starke Industrie und Investitionen in die Produktion

„In vielen Bereichen sehen wir eine positive Entwicklung, dennoch bleibt noch viel Raum für weitere Verbesserungen“, sagte der Präsident der DUIHK, Dale A. Martin, zur Vorstellung der Umfrageergebnisse. „Die gegenwärtig günstigen konjunkturellen Bedingungen bieten jetzt die Möglichkeit, auch in den noch als unzureichend beurteilten Bereichen weitere Anstrengungen im Interesse der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen in Ungarn zu unternehmen“, erläuterte er weiter.

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István Lepsényi, Staatssekretär für Wirtschaftsentwicklung und -regulierung im ungarischen Ministerium für Nationale Wirtschaft, sagte bei der Vorstellung der Konjunkturumfrage: „Ungarn braucht für ein ausgewogenes Wirtschaftswachstum eine starke, wettbewerbsfähige Industrie mit modernen Strukturen. Deshalb richtet die Regierung besondere Aufmerksamkeit auf die Entwicklung der Industrie und auf Investitionen in die Produktion.“

Sorgen macht allerdings der zunehmende Fachkräftemangel, wie die Kammer berichtet. 54 % der Befragten sind unzufrieden mit der Verfügbarkeit von Fachkräften, im verarbeitenden Gewerbe sogar 66 %. Dies erschwert den Unternehmen eine flexible Reaktion auf die steigende Marktnachfrage und kann mittelfristig auch die Investitionspläne der Unternehmen negativ beeinflussen, wie die Kammer beklagt.

Fachkräftemangel in Ungarn wird zur Investitionsbremse

Im engen Zusammenhang mit dem Fachkräftemangel stehe auch, dass für die Mehrheit der Investoren die Qualität der Berufsausbildung sowie des Hochschulwesens weiterhin noch nicht ausreichend sind. „Auch die Regierung ist sich der Notwendigkeit bewusst, dass hinsichtlich des Mangels an Fachkräften so rasch wie möglich Fortschritte erzielt werden müssen. Sie arbeitet dazu an einem umfassenden Programm und stimmt sich regelmäßig mit der Kammer ab“, sagte Lepsényi.

Sehr gute Bewertungen erhielten bei den Investoren in Ungarn erneut die Infrastruktur und das Arbeitsrecht. Die Verfügbarkeit und Qualität einheimischer Zulieferer werde zwar immer noch überwiegend positiv eingeschätzt, in der Industrie sei allerdings rund jedes dritte Unternehmen unzufrieden (Vorjahr: 24 %). Die „Bindungsbereitschaft“ der Investoren hat sich 2016 im Vergleich zum – sehr schwachen – Vorjahreswert (71 %) deutlich erhöht: Aktuell würden nach Angaben der DUIHK 80 % der Investoren erneut in Ungarn investieren.

Die deutschen Auslandshandelskammern (AHK) haben 2016 zum insgesamt 11. Mal eine parallele Umfrage in 16 Ländern der Region Mittel- und Osteuropa (MOE) durchgeführt. Alles in allem beteiligten sich daran 1623 Unternehmen. Im Vergleich mit den anderen 15 Ländern konnte Ungarn en bloc seine relativen Positionen leicht verbessern, bleibt aber meist noch hinter den Spitzenwerten zurück. In der Rangfolge der attraktivsten Investitionsziele in der Region verbesserte Ungarn seine Punktzahl leicht, lag aber wie schon in den beiden Vorjahren erneut auf Platz 9 unter den 20 untersuchten Ländern.

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

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