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Bildung

Universitäten zu langsam bei digitaler Transformation

| Autor: Melanie Krauß

Im Studium kommt das Thema digitale Transformation laut einer VDI-Studie deutlich zu kurz. Ein Grund dafür sei unter anderem der mangelnde Anpassungswille der Professoren. Auch die Unternehmen verlieren zunehmend das Vertrauen auf das deutsche Bildungssystem.

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Nur jeder zehnte Professor gibt an, dass seine Kollegen bereit sind, ihre Lehrveranstaltungen an digitale Themen anzupassen.
Nur jeder zehnte Professor gibt an, dass seine Kollegen bereit sind, ihre Lehrveranstaltungen an digitale Themen anzupassen.
(Bild: ©DragonImages - stock.adobe.com)

Ingenieurleistungen durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz nehmen an Bedeutung zu. Studierende und Berufseinsteiger fühlen sich allerdings nicht ausreichend durch digitale Fachinhalte auf die Arbeitswelt vorbereitet. Das ist das Ergebnis der aktuellen VDI-Studie „Ingenieurausbildung für die Digitale Transformation“.

„Die digitale Transformation muss sich in den Curricula im Pflichtbereich niederschlagen, wenn wir weiterhin führender Technikstandort sein wollen“, fordert daher VDI-Direktor Ralph Appel. Im Bereich Informatik geben nur 11 % der befragten Studierenden an, dass sie sich gut vorbereitet fühlen. 56 % sagen das Gegenteil. Bei den Berufseinsteigern fühlen sich nur 9 % adäquat vorbereitet und 61 % eher nicht bis gar nicht – laut VDI ein prekäres Ergebnis vor dem Hintergrund des akuten Fachkräftemangels und der zunehmenden Bedeutung von Schnittstellenkompetenzen im Bereich IT und Technik auf dem Arbeitsmarkt.

„Noch immer unbefriedigend ist außerdem die Bereitschaft der Professoren, sich an die Anforderungen der digitalen Transformation anzupassen“, so Appel weiter. Auf die Aussage „Die meisten meiner Kolleginnen und Kollegen unterstützen die digitale Transformation in unserem Studiengang“ antwortete keiner der befragten Professoren mit „stimme vollkommen zu“. 41 % schätzen ihre Kollegen als weniger unterstützend ein und nur circa 10 % der Befragten stimmten voll zu, dass ihre Kollegen bereit seien, ihre Lehrveranstaltungen anzupassen. 56 % der Studierenden sagten zudem, dass ihre Professoren das Hemmnis an den Hochschulen seien.

Digitalkompetenz der Lehrenden stärken

Der VDI fordert: „Die Digitalkompetenz der Lehrenden muss eindeutig gestärkt werden. Hierfür müssen Anreizsysteme geschaffen und Mittel bereitgestellt werden, die die notwendigen strukturellen Innovationen in der Lehre ausreichend befördern.“

Zu einem ähnlichen Ergebnis kam eine kürzlich von Deloitte veröffentlichte Studie. Diese zeigte, dass deutsche Führungskräfte im Vergleich zu ihren internationalen Kollegen skeptischer sind, was die Schulen und Universitäten angeht. Nicht einmal jeder zweite deutsche Manager (41 %) gab an, dem öffentlichen Bildungswesen zu vertrauen, wenn es darum geht, Mitarbeiter auf die neuen Herausforderungen durch Industrie 4.0 einzustellen.

„Bei vielen Führungskräften bestehen Zweifel, dass Schulen und Universitäten mit dem rasanten Tempo des technischen Wandels Schritt halten und zukünftige Mitarbeiter optimal auf die Arbeitswelt von morgen vorbereiten können“, so Thomas Döbler, Partner und Leiter Manufacturing bei Deloitte. Team- und projektbezogene Initiativen sowie eine möglichst frühe Heranführung an Industrie-4.0-Technologien könnten geeignete Mittel für Unternehmen sein, diesem entgegenzuwirken.

Kooperation mit Unternehmen erforderlich

Als positive Treiber sahen die befragten Studierenden in der VDI-Studie die Unternehmen und die Anforderungen des Arbeitsmarkts. „Hochschulen müssen noch stärker mit modern agierenden Unternehmen bei Fragen zur digitalen Transformation kooperieren. Hier ist erhöhter Austausch und mehr Verzahnung notwendig, um die Bedürfnisse der zukünftigen Berufseinsteiger in den Lehrplänen stärker einzubinden“, so Appel.

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