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Auslandsmärkte Unternehmen setzen in Mexiko auf den Freihandel

| Autor: Stéphane Itasse

Die Drohung vom nördlichen Nachbarn USA, das Freihandelsabkommen Nafta aufzukündigen, steht noch im Raum. Doch die deutschen Unternehmen im Land halten an diesem Standort fest und richten sich stärker auf den Weltmarkt aus.

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Von Mexiko in die Welt: BMW hält an seinem Werk in San Luis Potosi fest.
Von Mexiko in die Welt: BMW hält an seinem Werk in San Luis Potosi fest.
(Bild: Fabian Kirchbauer/BMW)

Trotz der Sorge vor einem Ende des nordamerikanischen Freihandelsabkommens Nafta zwischen den USA, Mexiko und Kanada wollen 68 % der Mitgliedsunternehmen der Deutsch-Mexikanischen Industrie- und Handelskammer (AHK Mexiko) im laufenden Jahr in Mexiko investieren, was ein Plus von 6 % im Vergleich zum Vorjahreswert bedeutet. Zugleich wollen 55 % der Firmen neues Personal einstellen, das sind 9 % mehr als vor Jahresfrist. Dies ergab die jüngste Konjunkturumfrage der AHK Mexiko.

Gute Chancen sehen die Unternehmer dafür, dass Mexiko nun das Potenzial seiner anderen elf Freihandelsabkommen, darunter das mit der EU, besser ausschöpft und neue Märkte erschließt. 57 % gehen davon aus, dass Mexikos Wirtschaft bereits innerhalb der nächsten beiden Jahre die traditionelle US-Abhängigkeit verringern und sich breiter aufstellen wird; längerfristig gehen sogar 82 % davon aus.

BMW will am Standort Mexiko für die Welt produzieren

Diese Entscheidung spiegelt sich auch in den Ansiedlungen von Unternehmen wider. So errichtet BMW derzeit ein Werk in San Luis Potosi, das 2019 mit der Produktion beginnen soll. „Mexiko hat in der Vergangenheit stark auf Freihandel gesetzt – und davon profitiert. Unser neues Werk soll für den Weltmarkt produzieren“, erläutert der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger.

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Wie sehr BMW auf den Standort Mexiko setzt, zeigt sich auch in der Ausrüstung der Fabrik. So wird in der Lackiererei das weltweit erste Smart-Factory-Konzept von Dürr Systems umgesetzt, wie der Anlagenbauer mitteilt. Die Bietigheimer liefern von der Vorbehandlung über die kathodische Tauchlackierung (KTL) und die Spritzkabinen mit Applikationstechnik bis hin zu den Trocknern die komplette Lackiererei. Auch die Abwasseranlage, die Installationen zur Vollentsalzung des Wassers (VE-Anlage) sowie die Hallenbelüftung gehören zum Lieferumfang. Durchgängig werden smarte Systeme in die jeweiligen Prozesse integriert.

Künftiger Kapazitätszuwachs ist bereits eingeplant

Die Lackiererei wird im ersten Schritt für eine Kapazität von 30 Fahrzeugen in der Stunde ausgelegt mit der Möglichkeit, den Durchsatz später zu verdoppeln. Nur der Bereich Grundlack wird von vornherein für 60 Fahrzeuge in der Stunde konzipiert. BMW wird auch in dieser Anlage mit seinem vollautomatischen IPP (Integrated Paint Process) arbeiten, bei dem auf den Füller und damit auf eine Trocknungsphase verzichtet wird.

Das Anlagenlayout zeigt ein einfaches Industriegebäude ohne Zwischenebenen im Zusammenspiel mit multifunktionalen Karosseriespeichern mit Hochregallager-Technik. Dieses Konzept bietet den Vorteil einer Sortierung der Fahrzeuge mit wahlfreiem Zugriff, was einen zusätzlichen Farbsortierspeicher überflüssig macht.

Für einen effizienten Lackauftrag sorgen 30 Eco-RP-E/L133i-Roboter der jüngsten Generation. Sie werden sowohl in der Außen- als auch in der Innenlackierung sowie als Haubenöffner eingesetzt. Erstmals auf dem amerikanischen Kontinent kommt dabei der neue Dürr-Lackierroboter mit cloudfähiger Steuerung zum Einsatz.

Die neu entwickelte Prozess- und Bewegungssteuerung Eco-RCMP2 steuert die Roboter. Exemplarisch für das Smart-Factory-Konzept steht dabei die integrierte Sicherheitssteuerung zur Arbeitsraum- und Geschwindigkeitsüberwachung. Sensoren sorgen für die Vernetzung der Roboterdaten mit der übergeordneten Wartungssoftware und Anlagensteuerung.

Die erstmals eingesetzte Software Eco-Screen Maintenance Assistant ermittelt den Anlagenzustand anhand der Anzahl der Schaltzyklen der Ventile oder der Belastungsprofile der Servomotoren der Roboter. Dies ermöglicht eine vorbeugende Instandhaltungsplanung und erhöht die Anlagenverfügbarkeit. Damit kann der Service an aktuellen Anlagendaten ausgerichtet werden und orientiert sich nicht mehr an vorgegebenen Wartungsintervallen.

Zur Energieeinsparung wird die Abwärme aus den thermischen Abluftreinigungen der Trockner zurückgewonnen. Mithilfe eines Abhitzekessels wird sie als Heißwasser den Produktionsanlagen wieder zur Verfügung gestellt. Zur Reduzierung der Lösemittelemissionen wird der Abluftstrom aus den Klarlackkabinen über eine Ecopure-KPR-Aufkonzentrierung abgereinigt, bevor er die Anlage verlässt.

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 Stéphane Itasse

Stéphane Itasse

, MM MaschinenMarkt