Drehwerkzeuge Vibrationsfreies Ausdrehwerkzeug macht Schluss mit „Tinnitus“

Autor / Redakteur: Carsten Gromoll / Peter Königsreuther

Zerspanungspraktiker wissen laut Kennametal ein Lied davon zu singen, wenn es ums Ausdrehen geht, weil durchdringend sirrenden Pfeifgeräusche quasi dazu gehören. Jetzt können die „Mickymäuse“ und Ohrenstöpsel allerdings in die Werkbank gelegt werden, wie es heißt.

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Vorbei mit Lärm und Ohrenstopfen beim Ausdrehen! Dieses vibrationsfreie Bohrstange fürs Ausdrehen hat Kennametal jetzt im Portfolio. Man braucht sie nur auspacken, und schon kann es los gehen. Sie ist für viele Schneidköpfe ausgelegt, innen gekühlt und erhöht die Zerspanungsleistung im Vergleich zu Vollhart- oder Schwermetall-Typen.
Vorbei mit Lärm und Ohrenstopfen beim Ausdrehen! Dieses vibrationsfreie Bohrstange fürs Ausdrehen hat Kennametal jetzt im Portfolio. Man braucht sie nur auspacken, und schon kann es los gehen. Sie ist für viele Schneidköpfe ausgelegt, innen gekühlt und erhöht die Zerspanungsleistung im Vergleich zu Vollhart- oder Schwermetall-Typen.
(Bild: Kennametal)

Ganz gleich zu welchem Lohnfertiger Sie gehen, die Chancen stehen gut, dass Sie es hören werden: das für das Ausdrehen typische hohe Sirren - ein Geräusch, das so durch Mark und Bein geht, so dass selbst die „Schwerhörigsten“ zu Ohrstöpseln greifen. Welche unangenehmen Lärmpegel beim Ausdrehen entstehen, ist bekannt, seit der Erfinder der Drehmaschine, Henry Maudslay, erstmals ein Stück Stahl einspannte, um es auszudrehen. Seither hat sich das Problem noch verschärft, weil die verwendeten Werkstoffe immer härter und zäher und die Bearbeitungsverfahren dadurch stets anspruchsvoller werden. Doch Abhilfe ist nah, denn Kennametal hat dem Rattern den Kampf angesagt und ein Werkzeug entwickelt, das alle Bediener überzeugen wird. Das neue Ausdrehsystem verfügt über die effektivste Dämpfung, die Kennametal je entwickelt hat. Auch steht eine große Auswahl an Scheidköpfen und Schaftgrößen zur Verfügung.

Ruhiger Lauf heißt auch mehr Leistung

Jemand, der sich mit dem Ausdrehen und den damit verbundenen Herausforderungen bestens auskennt, ist Sam Eichelberger, bei Kennametal Produktingenieur für Drehen. Er hat mit einigen Mitarbeitern den neuen, integrierten Dämpfungsmechanismus entwickelt. „Das eigentlich Besondere an der neuen Bohrstange ist, dass sie nach dem Plug-and-Play-Prinzip eingesetzt werden kann“, erklärt Eichelberger. Die Bohrstange muss vor der Bearbeitung nicht mehr kalibrieren oder umständlich eingestellt werden, sagt der Experte. Alles, was man noch tun muss, ist, dieselbe auszupacken und in den Spannblock einzusetzen – schon kann's losgehen.

Dem Maschinenbedienern zu einem ruhigen Arbeitsplatz zu verhelfen, ist jedoch bei Weiten nicht das Hauptziel. Denn wenn es gar nicht erst zu Vibrationen und damit zum Rattern kommt, verlängert sich die Standzeit des Werkzeugs und die Oberflächengüte des zu bearbeitenden Werkstücks steigt. Und wenn die Werkzeuge länger halten, können sie auch stärker beansprucht werden und somit mehr leisten: so werden Vorschubraten, Schnittgeschwindigkeiten und Schnitttiefen möglich, die viele Fachleute früher für unerreichbar gehalten haben.

Ausdrehen mit Innenkühlung

Eichelberger weiß, wovon er spricht und nennt eine ganze Reihe von Merkmalen, die die neue schwingungsfreie Bohrstange zum bis dato einfachsten und produktivsten Ausdrehsystem machen. Dazu gehört etwa die verzahnte Schnittstelle an der Stirnseite der Bohrstange, durch die die unterschiedlichsten Schneidköpfe mühelos und sicher eingesetzt werden können.

Hinzu kommt noch, dass auch die Schneidköpfe an sich verbessert wurden: Sie sind nun kürzer und leichter, was sie stabiler macht und damit auch die Leistung des gesamten Systems steigert. Außerdem werden die Bohrstangen von Innen gekühlt, so dass das Kühlschmiermittel mit hohem Druck genau dort ankommt, wo es benötigt wird. Auch eine gute die Spanabfuhr wird damit abgesichert.

Die wichtigste Neuerung ist nach Aussage des Spezialisten aber natürlich die integrierte Dämpfung. Eichelberger erklärt: „Die Bohrstangen sind sowohl vibrations- als auch wartungsfrei konzipiert. Im Inneren befindet sich eine Dämpfmasse und während der Bearbeitung schwingt diese mit einer vorgegebenen Frequenz, nimmt dabei die Eigenschwingungen der Bohrstange auf und verhindert, dass das Gesamtsystem vibriert. Verschleißteile, um die man sich kümmern muss, gibt es auch nicht.

Das vibrationsfreie Ausdrehsystem spielt beim Drehen mit einer Auskragung bis maximal 10×D sein volles Können aus, sagt Eichelberger. Deshalb kann auch viel tiefer ausgedreht werden als mit Bohrstangen aus Vollhart- oder Schwermetall. Sowohl interne als auch Tests bei Anwendern haben bewiesen, dass mit den neuartigen Bohrstangen sehr gute, in den meisten Fällen sogar deutlich bessere, Oberflächenqualitäten als mit vergleichbaren Systemen erreicht werden. Gleichzeitig überzeugt das neuen Ausdrehsystem durch deutlich bessere Schnittwerte.

Natürlich können auch die neuen Bohrstangen nur dann volle Leistung erbringen, wenn sie richtig in die Maschine eingespannt werden. Um jederzeit eine korrekte Einspannung der Bohrstange gewährleisten zu können, hat Kennametal eigens zu den unterschiedlichen Maschinentypen passende Revolveradapter sowie eine Reduzierhülse zur Erhöhung der Steifigkeit entwickelt. „Denn das ist ja genau das, was wir mit unserem neuen Produkt erreichen wollen“, erklärt John Gable, zuständiger Produktmanager bei Kennametal. „Die größtmögliche Stabilität und das effektivste Dämpfungssystem, das auf dem Markt verfügbar ist.“

Jeder, der schon einmal versucht hat, eine Bohrstange genau zu zentrieren, wird es zu schätzen wissen, dass die Ausrichtung bei dieser Bohrstange so einfach ist. „Die Stirnseite der Schneidköpfe sind mit einer Referenzfläche ausgestattet“, führt Eichelberger aus. „Man muss die Bohrstange also nur drehen, bis der Winkelsucher null anzeigt, und dann nur noch die Spannschrauben festziehen.“ Das vibrationsfreie Ausdrehsystem von Kennametal bietet eine Reihe von verschiedenen Schneidköpfen.

In Anbetracht der höheren Kosten eines solchen Bohrsystems ist auch positiv hervorzuheben, dass die Schneidköpfe im Schadensfall ausgewechselt werden können, bevor es zu Schäden an der Bohrstange selbst kommt. Sollte bei einem Kunden noch ein älteres Ausdrehsystem von Kennametal zum Einsatz kommen, so muss dieses nicht ausgetauscht werden, da die neuen Schneidköpfe mittels Adapter auch zu allen älteren Systemen passen.

Es wird ein Durchmesserbereich von 25 bis 100 mm abgedeckt“, führt Gable aus. „Außerdem bieten wir zahlreiche auswechselbare Schneidköpfe an. Von aufschraubbaren Wendeplatten mit positiven Spanwinkel zur Schlichtbearbeitung, bis zu geklemmten Wendeplatten mit negativen Spanwinkel für die Schruppbearbeitung. Die Ausdrehsystem wurde speziell für anspruchsvolle Anwendungen entwickelt, und das genau kann es auch.“

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