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Hannover-Messe 2015

Viel Anpassung von der Galvanotechnik gefordert

| Autor: Stéphane Itasse

Ob neue Funktionen für Bauteile oder Vorgaben durch Reach – in der Oberflächentechnik sind die Entwicklungen spannend. MM-Redakteur Stéphane Itasse befragte deshalb im Vorfeld der Hannover-Messe 2015 Christoph Matheis, Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Oberflächentechnik e.V..

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Christoph Matheis ist Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Oberflächentechnik e.V..
Christoph Matheis ist Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Oberflächentechnik e.V..
(Bild: ZVO)

Welches sind die wichtigsten Neuerungen und Impulse, die die Galvanotechnik präsentiert?

Matheis: Zunehmend an Bedeutung gewinnen funktionale Oberflächen von Bauteilen und Gebrauchsgegenständen. Durch gezielte Oberflächenveränderungen und Anpassungen der Schichten an das Grundmaterial werden die Gebrauchseigenschaften wie Verschleiß- und Reibungsverhalten des gesamten Bauteils entscheidend beeinflusst. Diese Eigenschaften erhöhen wiederum die Effizienz der Produkte in deren Nutzungsphase. Auch aus Kostengründen finden Werkstoffentwicklungen zurzeit verstärkt durch Nutzung der Oberflächentechnologien statt. Andererseits sind Oberflächenentwicklungen durch Auflagen zum Schutz der Umwelt oder andere regulative Eingriffe getrieben. Ein wichtiges Thema des ZVO-Gemeinschaftsstandes „Welt der Oberfläche“ wird die Substitution von Chromtrioxid durch Chrom(III) oder andere Stoffe sein.

Wie stellen sich die aktuellen Rahmenbedingungen für die Galvanotechnik dar, insbesondere im Hinblick auf Reach?

Matheis: Verschiedene gesetzliche Vorhaben auf Bundes- und EU-Ebene haben zu einer starken internen und externen Wettbewerbsverzerrung geführt. Genannt seien hier EEG und Reach. Insbesondere die Reach Anforderungen stellen eine enorme Belastung dar. Die vielen in der Branche tätigen KMU sind durch die teilweise enormen bürokratischen und finanziellen Verpflichtungen an der Grenze des Machbaren. Der auf der Branche lastende Gesamtdruck kann mittelfristig dazu führen, dass Kapazitäten abwandern. Der ZVO und seine Mitglieder treten dafür ein, dass Deutschland für diese bedeutende Schlüssel- und Querschnittsbranche als auch ihre Abnehmerindustrien wie die Automobilindustrie, der Maschinenbau, die Sanitärindustrie, die Medizintechnik oder die Luft- und Raumfahrtindustrie ein attraktiver Standort bleibt.

Das Motto der Hannover-Messe 2015 lautet „Integrated Industry“ – wie verändert dieser Trend derzeit die Galvanotechnik?

Die Software der Oberflächenbehandlungsanlagen im Verbund mit den restlichen Unternehmensressourcen ist zum wichtigsten Treiber industrieller Innovation geworden. Ihre Bedeutung steigt mit wachsender Dynamik weiter. Um zukunftsfähig zu bleiben, müssen Unternehmen in der Galvano- und Oberflächentechnik mehr denn je ihre Produktivität steigern, energie- und ressourceneffizienter arbeiten und ihre Flexibilität erhöhen. Nur so können sie gleichzeitig Kosten senken und Markteinführungszeiten verkürzen. Kennzeichnend im Bereich der Oberflächenproduktion sind aber die starke Individualisierung der Produkte unter den Bedingungen einer hoch flexibilisierten Großserien-Produktion. Die für Industrie 4.0 notwendige Automatisierungstechnik in der Galvanotechnik muss daher durch die Einführung von Verfahren der Selbstoptimierung, Selbstkonfiguration und Selbstdiagnose intelligenter werden und die Menschen bei ihrer zunehmend komplexen Arbeit besser unterstützen.

Zentralverband Oberflächentechnik auf der Hannover-Messe 2015: Halle 3, Stand G10

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 Stéphane Itasse

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, MM MaschinenMarkt