Suchen

Porträt

Vom Chemiker zum Guru

Seite: 3/3

Firma zum Thema

1999: Manager des Jahrhunderts

Bekannter ist er allerdings für seine Härte, seine radikale Markt- und Gewinnorientierung. Als „Neutronen-Jack“, weil er die Werkshallen praktisch leergebombt hatte, wurde Welch gefeiert und gehasst. Mit der Methode des Shareholder Value, der kompromisslosen Ausrichtung aller unternehmerischen Entscheidungen auf den Gewinn der Aktionäre, übertraf er stetig die Prognosen der Analysten. Dafür wurde er bejubelt und 1999 vom Wirtschaftsmagazin Fortune zum „Manager des Jahrhunderts“ gekürt. Seine Methoden wurden von zahlreichen Unternehmen in der ganzen Welt übernommen und an Universitäten gelehrt. Der ehemalige Chemiker war Managementpapst und -guru in einem.

„Fix, close or sell“ ist wohl seine bekannteste Regel. Nach diesem Satz soll ein Unternehmensteil, der die Wachstums- und Renditeziele nicht erreicht oder operative Defizite aufweist, dann geschlossen (close) oder verkauft (sell) werden, wenn die Probleme nicht innerhalb von zwei Jahren gelöst (fix) werden können.

2009: Der weiche Jack

Laut der März-Ausgabe 2009 der Financial Times Deutschland wandte Welch sich vom Shareholder-Konzept ab, bezeichnete es sogar als dumme Idee. Nicht die Aktienkurse seien das große Ziel; Mitarbeiter, Kunden und Produkte sollten im Fokus stehen, so der geläuterte Welch. Was zu diesem Umschwung führte, ob es die allgemeine Stimmung war, auf die er aufsprang, Weisheit, die ihm im Alter zuflog, oder ob er tatsächlich nie der harte Rausschmeißer war, werden wir wohl nicht erfahren. Feststellen kann man nur, dass es Neutronen-Jack wohl nicht mehr gibt. Inzwischen rät er: „Behandeln Sie Ihr Team gut!“ Wie das gehe? Mit Respekt gegenüber seinen Mitarbeitern. Natürlich gehöre Durchgreifen auch dazu, ein guter Chef zu sein.

(ID:44198099)

Über den Autor

 Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung und Werkstoffe