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Porträt Vom Radiobauer zum Global Player

| Autor/ Redakteur: Barbara Stumpp / Rosemarie Stahl

Nach dem Ende des Krieges gierten die Menschen nach Unterhaltung und Information. Ein Radio zu besitzen, war deshalb der Wunschtraum vieler. Erwin Sick erkannte diese Marktlücke, nutzte sie, um seine Familie über Wasser zu halten.

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1971 erhielt Erwin Sick im Rahmen der Feier zum 25-jährigen Bestehen das Bundesverdienstkreuz
1. Klasse.
1971 erhielt Erwin Sick im Rahmen der Feier zum 25-jährigen Bestehen das Bundesverdienstkreuz
1. Klasse.
(Bild: Sick)

Aber während Unternehmen wie Grundig darauf ein Imperium bauten, hatte Sick ganz andere Ideen und gründete in einer Baracke in Vaterstetten bei München am 26. September 1946 mit dem Segen der US-Behörden ein Ingenieursbüro.

Eigentlich planten Gisela und Erwin Sick nur einen mittelständischen Betrieb, aber dann wuchs ihr Unternehmen in ganz andere Dimensionen: Heute ist Sick einer der weltweit führenden Hersteller von Sensoren und Sensorlösungen für die Industrie: mit über 7400 Mitarbeitern, 2396 Patenten und Gebrauchsmustern sowie einem Umsatz von mehr als 1,25 Mrd. Euro im vergangenen Jahr.

1946 war die Elektronik noch recht klobig, die Optik allerdings schon ziemlich leistungsfähig. Erwin Sick hatte nun die Idee, Optik mit Elektronik zum Schutz von Maschinenbedienern zu kombinieren. Das erste Modell seines Lichtvorhangs präsentierte er im 1951 auf der Deutschen Erfinder- und Neuheiten-Messe in München und erhielt ein Diplom für „schöpferische Sonderleistung“.

Lichtschranken zum Absichern großer Maschinen kennt man seit den 30er-Jahren. Aber die Technik war noch nicht ausgereift: Auch wenn mehrere Lichtschranken übereinander angeordnet waren, konnten die Arbeiter zwischen den einzelnen Lichtstrahlen hindurchgreifen und sich verletzen. Um die gefährlichen Bereiche lückenlos zu überwachen, hatte Sick die Idee, mit einem Strahlenbündel periodisch die relevante Fläche abzutasten und zwar schneller als ein Arbeiter seine Hand bewegen konnte.

Unfallschutz-Lichtvorhang trifft bei der Industrie ins Schwarze

1951 meldete er den Lichtvorhangs nach dem Autokollimationsprinzip als Patent an. Auf der 2. Internationalen Werkzeugmaschinen-Ausstellung 1952 in Hannover zeigte das Unternehmen den ersten serienreifen Unfallschutz-Lichtvorhang und traf damit bei der Industrie voll ins Schwarze. Der Erfolg erzwang den Aufbau einer Serienproduktion und weiterer Investitionen. Weil das Unternehmen expandierte, reichte die Baracke der Familie bald nicht mehr aus. 1954 bemühte sich Erwin Sick im Freistaat Bayern vergeblich um einen Aufbaukredit.

In Baden-Württemberg bekam er diesen Kredit, also zog er ins badische Oberkirch um. Das Unternehmen expandierte weiter. Am neuen Standort produzierten die Mitarbeiter ein selbst entwickeltes Druckmarken-Steuergerät und den Lichtvorhang in kleinen Serien. Dabei wurden die Produkte von Sick nicht nur in deutschen Unternehmen geschätzt, auch im europäischen Ausland begannen sich die Produkte durchzusetzen und zwar so gut, dass es schon zwei Jahre später in Oberkirch zu eng wurde und man nach Waldkirch umzog. Im Oktober 1956 wurde das Patent für eine neuartige Reflexions-Lichtschranke erteilt, die später eines der umsatzstärksten Produkte des Unternehmens werden sollte.

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