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Trends

Von 4D-Druck bis 3D-Druck-Fabrik

| Autor: Simone Käfer

Der 4D-Druck scheint noch in weiter ferne, aber eine Produktionslinie für die Additive Fertigung mit Metall wurde bereits realisiert.
Der 4D-Druck scheint noch in weiter ferne, aber eine Produktionslinie für die Additive Fertigung mit Metall wurde bereits realisiert. (Bild: © Simone Käfer)

Was hat uns das Jahr 2019 bisher in der Additiven Fertigung gebracht und wo geht die Reise noch hin? Wir haben die Aussagen von Experten und die bereits umgesetzten Trends zusammengebracht.

  • Anwendungen werden stärker fokussiert. Das wiederum befördert die Ausbildungssparte. Neben erweiterten Studiengängen finden sich auch Weiterbildungsangebote.
  • Im Bereich der Werkstoffe wird viel Neues im 3D-Kunststoffdruck erwartet. Im Metallsektor arbeiten Unternehmen intensiv an der Druckbarkeit von Kupfer.
  • Im April wurde die erste vollautomatisierte Produktionslinie für Additive Fertigung vorgestellt.

3D Printing Accelerates, 4D Printing Gets Started“ (3D-Druck nimmt zu, 4D-Druck beginnt) titelte Pete Basiliere Anfang diesen Jahres in seinem Blog bei Gartner. Er ist Research Vice President des Marktforschungsunternehmens. 4D-​Druck heißt, dass sich ein additiv gefertigtes Bauteil aufgrund äußerer Reize verändert. Vorstellbar ist ein Flugzeugflügel, der sich der Windgeschwindigkeit anpasst. „Airbus, Autodesk, HP und Stratasys haben bereits publik gemacht, dass sie am 4D-Druck arbeiten”, schreibt Basiliere weiter. Zudem hält er es für wahrscheinlich, dass auch Unternehmen der Militärtechnik an solchen Projekten beteiligt sind. „Im Jahr 2023 werden Start-ups, die an der Markteinführung für 4D-Druck arbeiten, 300 Mio. Dollar Risikokapital einnehmen”, ist seine Einschätzung.

Anwendungen

Während also einige von den Möglichkeiten des 4D-Drucks träumen, bringt uns die Vorhersage von Materialise wieder in die Realität zurück. Bereits für 2018 hatte das belgische Softwarehaus und Auftragsfertigungsunternehmen einen „nutzungsorientierten Ansatz“ als Trend vorhergesehen. Also weg von immer neuen Verfahren und Techniken hin zur Identifizierung sinnvoller Anwendungen. Wer kauft schon eine Maschine, wenn er nicht weiß, was er damit anfangen könnte? Laut Materialise wird sich „diese Tendenz verstärken, da die anwendungsorientierte Herangehensweise des 3D-Drucks in der Finanzwelt an Bedeutung gewinnen dürfte“. Es geht auch darum, die Anwender anzuregen, die Additive Fertigung zu nutzen. Trotzdem haben in den vergangenen Monaten einige Hersteller neue Verfahren vorgestellt. So verkündete Stratasys im Herbst, man arbeite an einem Verfahren für die Metallfertigung namens LPM (Layered Powder Metallurgy), und Form­labs treibt den Kunststoffdruck mit LFS (Low-Force Stereolithography) weiter voran.

In Asien wiederum sei der Fokus auf die Anwendung ein klarer Trend, heißt es in der Einschätzung von Materialise weiter, die dortigen Regierungen förderten inzwischen Beratungs- und Co-​Creation-Projekte im Bereich des 3D-Drucks. „Die Schaffung und Stimulierung der Nutzernachfrage wird den 3D-Druck tatsächlich weiter beschleunigen“, so Materialise-CEO Fried Vancraen. Das Unternehmen selbst unterstützt beispielsweise die südkoreanische Regierung im Rahmen von Co-Creation-Projekten.

Weiter- und Ausbildung

Solche regierungsgetriebenen, aber auch von Unternehmen selbst finanzierten Beratungsleistungen sind nötig, weil das Wissen um die additiven Verfahren und ihre Besonderheiten fehlt. Daher bieten einige IHKs inzwischen Fortbildungen an, beispielsweise die IHK Mittleres Ruhrgebiet. Der Verband 3D-Druck hat mit dem Kunststoff-Institut Lüdenscheid sogar Qualitätsstandards für einen Grundlagenlehrgang definiert und beim Europäischen Markenamt eintragen lassen. Den Kurs zum „Verfahrensmanager industrieller 3D-Druck“ bietet das Kunststoff-Institut Lüdenscheid diesen Juni zum ersten Mal an.

Das lernt eine Fachkraft für Additive Fertigung

Vom Ingenieur zum 3D-Drucker

Das lernt eine Fachkraft für Additive Fertigung

20.06.19 - An der IHK Mittleres Ruhrgebiet wird seit November 2018 der Kurs „Fachkraft für Additive Fertigung“ angeboten. Wir haben mit dem Dozenten Jörg Heusler über die Inhalte des 8-tägigen Kurses gesprochen. lesen

Werkstoffe

Mehr Anwender und Anwendungen heißt anscheinend auch mehr Werkstoffe. Besonders Materialien, die aufgrund ihrer Eigenschaften neue Funktionen ermöglichen, werden von Materia­lise erwartet. Damit soll es Unternehmen möglich sein, den kon­struktiven Nutzen und den Wettbewerbsvorteil, den Additive Fertigung bieten kann, auszuspielen, ohne am Kostenfaktor hängen zu bleiben.

Doch es kommen Herausforderungen auf die Maschinen- und Materialhersteller zu: Gegeben sei „die Notwendigkeit einer Materialstandardisierung und einer besseren Maschinensteuerung, insbesondere für Branchen mit hohen Qualitätsanforderungen wie die Luft- und Raumfahrt und die Medizintechnik“, schreiben die Belgier in ihrem Trendreport.

Umfrage zum Postprocessing Für MM Maschinenmarkt planen wir einen Artikel zum Thema „Nachbearbeitung 3D-gedruckter Teile”. Folgende Fragen hätten wir an Sie als Anwender:
  1. Wie erfolgt bei Ihnen die Nachbearbeitung additiv gefertigter Bauteile?
  2. Welcher Nachbearbeitungsschritt erfordert den höchsten Aufwand?
  3. Was haben Sie bisher unternommen, um den Nachbearbeitungsaufwand zu senken?
  4. Was planen Sie in näherer Zukunft, um den Nachbearbeitungsaufwand zu senken?
  5. Welche Möglichkeiten zur Nachbearbeitung additiv gefertigter Bauteile vermissen Sie bei den aktuell erhältlichen Maschinen und Verfahren?
Haben Sie bereits Erfahrungen als Anwender und sind Sie bereit, sich auch in einem Zeitschriftenartikel zitieren zu lassen? Dann senden Sie Ihre Antworten, gerne zusammen mit einem Porträtfoto an: Stéphane Itasse und Simone Käfer. Vielen Dank im Voraus für Ihre Unterstützung!

  • Kunststoffe

In diesem Jahr erwartet Materialise ein starkes Wachstum im Bereich der Kunststoffe für die Additive Fertigung. Dafür sprechen wachsende Materialdatenbanken, das vermehrte Einsteigen großer Chemiekonzerne beziehungsweise Werkstoffherstellern in den 3D-Druck wie BASF und neue Verfahren im Polymerbereich wie das LSF von Formlabs. Auch 3D-druckbare Elastomere konnte man bei Unternehmen vermehrt sehen.

Als einen gesonderten Punkt führt Materialise „technologie-​neutrale Vernetzung“ an und meint damit offene Marktmodelle. Diese findet man zunehmend unter den Kunststoffen. Ein Beispiel dafür ist die offene Materialdatenbank von Ultimaker. Auch andere Maschinenhersteller versteifen sich nicht mehr darauf, dass ihr ganz spezieller Werkstoff gekauft werden muss, sondern öffnen sich für Materialien verschiedener Hersteller. Technologieneutrale Vernetzung und offene Marktmodelle sind aber auch Themen, welche die Vernetzung von Maschinen betreffen.

  • Kupfer

Auch im 3D-Metalldruck tut sich etwas. Das additive Fertigen von Kupfer rückt immer mehr in Reichweite. Bereits auf der Formnext 2018 konnte man bei Trumpf und Heraeus den kommenden Anspruch sehen. Der Materialhersteller Heraeus hat ein leitfähiges, mikrolegiertes Kupfer produziert, dass mit Standarddruckern in SLM- und LBM-Verfahren verarbeitet werden kann. Dabei sollen Dichten von 99,8 % und eine elektrische Leitfähigkeit von mindestens 90 % erreicht werden. Der Auftragsfertiger Protolabs verwendet für seine 3D-Druck-Services das niedrig legierte Kupfer CuNi2SiCr und druckt auf einer Concept-Laser-Maschine. Auch der Auftragsfertiger Protiq freut sich, ein hoch leitfähiges Kupfer drucken zu können. Außerdem stellte Trumpf auf der Formnext 2018 erste Exponate aus Reinkupfer aus, die man mit einem grünen Laser additiv gefertigt hatte. Dafür hatten die Entwickler den Scheibenlaser Trudisk 1020 an den 3D-Drucker Truprint 1000 angebunden.

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