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Chemielogistik Von der Digitalisierung profitieren: In sieben Schritten zur perfekten Outsourcing-Strategie

| Autor/ Redakteur: Constantin Reuter / B.A. Sebastian Hofmann

Entscheider in der Industrie beschäftigen sich permanent mit der Frage, welche Prozesse ihr Unternehmen selbst durchführen kann und welche besser an einen externen Dienstleister übertragen werden sollten. Im Fokus steht dabei nicht nur die direkte Kostensenkung, sondern auch die Prozessoptimierung entlang der gesamten Supply Chain und der Ausbau der internationalen Wettbewerbsfähigkeit.

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Bei der Wahl eines geeigneten Logistik-Outsourcing-Anbieters und einer dazu passenden Strategie haben Unternehmen viele Möglichkeiten. Wir zeigen Ihnen, worauf es dabei ankommt!
Bei der Wahl eines geeigneten Logistik-Outsourcing-Anbieters und einer dazu passenden Strategie haben Unternehmen viele Möglichkeiten. Wir zeigen Ihnen, worauf es dabei ankommt!
(Bild: ©photon_photo - stock.adobe.com)

Seit geraumer Zeit lässt sich eine veränderte Nachfrage bezüglich des Serviceumfangs und der Partnerauswahl im Logistik-Outsourcing beobachten: Neben operativen Themen wie Lager und Transport sind zunehmend auch Kompetenzen bei Prozesswissen und innovativer IT-Lösung gefragt, über die Lead Logistics Provider (LLP) oder Fourth Party Logistics (4PL) Provider verfügen. Um die verschiedenen Dimensionen innerhalb der Lieferkette und des Supply Chain Managements beherrschbar zu machen, bieten Logistikpartner eine breite Palette an Services und Angeboten.

Outsourcing-Modelle in der Logistik
  • First Party Logistics (1PL): Als First Party Logistics Service Provider bezeichnet man Betriebe, die sich selbst um die Abwicklung ihrer Logistik kümmern. Dieses Modell war bis Ende der 1970er Jahre besonders beliebt.
  • Second Party Logistics (2PL): Dienstleister, die sich um die Lager-, Umschlags- oder Transportleistungen anderer Unternehmen kümmern (und üblicherweise die dazu notwendigen Transportmittel besitzen), nennt man Second Party Logistics Service Provider. Dieses Modell setzte sich ab den 1980er Jahren im Zuge einer zunehmenden Internationalisierung der Branchen durch.
  • Third Party Logistics (3PL): Third Party Logistics Service Provider treten als sogenannte Systemdienstleister auf und handeln die gesamten Logistikprozesse ihrer Kunden – Informations- und Finanzdienstleistungen inklusive.
  • Fourth Party Logistics (4PL): Fourth-Party-Logistics-Modelle gehen noch einen Schritt weiter: Hier kümmern sich 4PL-Service-Provider im Auftrag von Unternehmen um die Auswahl eines 3PL-Dienstleisters sowie die Steuerung, Integration und Optimierung der Logistik.
  • Dadurch ist eine unübersichtliche Marktsituation entstanden, die den Unternehmen die Suche nach einem geeigneten Partner erschwert. Der Grund dafür liegt unter anderem in der unterschiedlichen Verwendung der Begriffe Third Party Logistics (3PL), Lead Logistics Provider (LLP) und Fourth Party Logistics (4PL). Eine wertvolle Orientierungshilfe bietet deshalb die Studie „Erfolgsfaktoren 4PL, LLP und 3PL in der Chemielogistik“ der Camelot Management Consultants und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS). Sie zeigt, wie Unternehmen in Abstimmung mit der eigenen Logistik-Outsourcing-Strategie den passenden Logistikpartner finden können und welchen Dimensionen der Komplexität damit begegnet werden kann.

    In Sachen 4PL gibt es in der Chemielogistik noch eine große Unsicherheit.
    In Sachen 4PL gibt es in der Chemielogistik noch eine große Unsicherheit.
    (Bild: Camelot Management Consultants, FHWS)

    So planen Sie eine effektive Outsourcing-Strategie

    Anhand der Ergebnisse entwickelten die Studienautoren einen Leitfaden für die Formulierung einer Outsourcing-Strategie. Er umfasst sieben Schritte.

    • 1. Schritt: Herausfinden, welche Motive das Unternehmen für das Logistik-Outsourcing hat. Das können beispielsweise finanzielle Gründe sein, wie die Verbesserung der Liquidität, oder auch strategische Gründe, wie der Wunsch nach einer Konzentration auf die Kernkompetenzen.
    • 2. Schritt: Unternehmenskultur analysieren.
    • 3. Schritt: Die Rolle der Logistik innerhalb der Unternehmensstrategie definieren.
    • 4. Schritt: Die Ergebnisse aus der Unternehmensanalyse zusammenfügen. Daraus ergibt sich, inwieweit eine Stimmigkeit zwischen dem Motiv und der Unternehmenskultur hinsichtlich des Outsourcings besteht. Hier zeigt sich auch, ob die vorherrschenden internen Rahmenbedingungen eine Zusammenarbeit mit einem Logistikpartner erlauben, um die gesteckten Ziele beim Outsourcing zu erreichen. Falls das nicht der Fall ist, müssen noch interne Maßnahmen vor der Ausschreibung getroffen werden, wie beispielsweise die Anpassung der Outsourcing-Strategie, der Unternehmenskultur oder der Rolle der Logistik innerhalb der Unternehmensstrategie. Viele Firmen sind sich nicht dessen bewusst, dass für die Zusammenarbeit mit externen Partnern oft auch interne Vorbereitungen zu treffen sind, insbesondere bezüglich der Transparenz von Prozessen und Kostenstrukturen.
    • 5. Schritt: Festlegen, in welchem Umfang der Logistikpartner das Unternehmen unterstützen kann. Dabei definieren, welche Dimensionen der Komplexität bei der Zusammenarbeit mit dem Logistikpartner adressiert werden.
    • 6. Schritt: Herausarbeiten, welche Services beziehungsweise Logistikprozesse der Logistikpartner möglicherweise übernehmen kann.
    • 7. Schritt: Die Ausgestaltung der Zusammenarbeit mit dem Logistikpartner beschreiben.

    Dieser Leitfaden kann Unternehmen als Roadmap dienen, um vor dem Hintergrund der Digitalisierung die Logistik eines Unternehmens neu zu justieren und damit zukunftsfähig zu machen (Stichwort Logistik 4.0). Während diese in der Vergangenheit oft nur „Mittel zum Zweck“ und Kostenfaktor war, erkennen immer mehr Unternehmen, dass sie auch ein „Möglichmacher“ ist, um im zunehmend internationalen Wettbewerb zu bestehen. Die Digitalisierung bietet Betrieben die Chance, Kosten zu senken und die Transparenz innerhalb der Supply Chain zu erhöhen.

    In Kombination mit dem richtigen Partner kann auch die Logistik einen wesentlichen Teil zur Optimierung beitragen. Es ist zu erwarten, dass die Anbietermodelle der Logistikdienstleister mit einer größeren IT-Affinität erfolgreicher sein werden. Ob sich hier selbst entwickelte IT-Lösungen oder Standard-Software durchsetzen werden, hängt neben der Komplexität in der Umsetzung auch von dem Kosten-Nutzen-Verhältnis ab. Die Studie zeigt auch, dass die Logistikdienstleister gefordert sind an ihrem Serviceportfolio zu arbeiten, damit sie den zukünftigen Anforderungen ihrer Auftraggeber entsprechen können.

    Hier gibt's weitere Beiträge zu Camelot Management Consultants und der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt!

    * Constantin Reuter ist Principal & Head of Logistics Solutions bei Camelot Management Consultants in 68165 Mannheim, Tel. (06 21) 86 29-80, office@camelot-mc.com

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