Porträt Von der Uni an die Börse

Autor: Simone Käfer

Eine geniale Idee und schon ist man erfolgreicher Unternehmer, spielt international mit und läutet mal schnell die Börsenglocke. Wie man mit Vakuumdämmungen ein erfolgreiches Startup großzieht, erzählt uns Joachim Kuhn von Va-Q-Tec.

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Die Börsensymbole dienen als Briefbeschwerer für wichtige Papiere. Va-Q-Tec ist eines der wenigen Unternehmen, die vergangenes Jahr den Gang an die Börse wagten.
Die Börsensymbole dienen als Briefbeschwerer für wichtige Papiere. Va-Q-Tec ist eines der wenigen Unternehmen, die vergangenes Jahr den Gang an die Börse wagten.
(Bild: Simone Käfer/MM)

Eine Glocke, ein goldener Bulle und ein ebensolcher Bär zieren als Briefbeschwerer die Papierstapel. Es sind Geschenke von Freunden. Die Originale stehen auf einem Regal, in klassischem Schwarz mit schicker Aufbewahrungskiste. Er ist präsent im Büro von Joachim Kuhn, der Börsengang. Am 30. September 2016 ging Va-Q-Tec an den Aktienmarkt, als eines von lediglich vier deutschen Unternehmen. Ist das nicht mutig, fast noch ein Startup, gerade mal 15 Jahre alt, und schon bei den Großen mitspielen wollen? „Wir sind zwar ein kleines Würzburger Unternehmen, aber wir machen unsere Geschäfte weltweit mit großen Playern unter anderem aus der Pharmabranche und Kühlschrankherstellern“, erklärt Kuhn, Vorstandsvorsitzender und Mitgründer. „Ohne unsere Container könnten die ihre Produkte gar nicht temperaturgerecht verschicken.” Eine kühne Aussage.

Va-Q-Tec stellt Vakuumdämmungen her. Das Ausgangsprodukt sind Paneele, die 10-mal besser dämmen als herkömmliche, erklärt Kuhn. Beispielsweise würde ein Paneel mit einer Stärke von 20 mm so gut isolieren wie 20 cm Styropor. Sie bestehen aus zwei Komponenten, erklärt Kuhn. Zum einen aus einem offenporigen Material im Inneren, damit die Luft herausgezogen werden kann. Dieser Teil ist von einer hochdichten Barrierefolie aus Kunststoff mit ganz dünner Aluminiumschicht im Nanobereich umhüllt. Die Aufgabe der Folie ist es, kein Molekül an Luftgasen durchzulassen. So bleibt das Vakuum erhalten.

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Sieben Tage mit 5 °C

Zum internationalen Versand werden Container mit den Paneelen bestückt. So sollen transportierten Güter in der für sie geeigneten Temperatur versand werden. Das Verpackungsunternehmen bietet verschiedene Größen, von kleinen Boxen bis große Flugcontainer. Die kleineren eignen sich auch für Campingausflüge. Kunden können die Temperatur angeben, die ihre Waren benötigen. Auf diese werden die Paneelen und Boxen über eigens hergestellten Energiespeicherkomponenten herabgekühlt – oder aufgewärmt. Dann geht die Reise los. „Die Container halten die festgelegte Temperatur bis sieben Tage lang konstant“, so Kuhn, „ohne Energiezufuhr.“ Aber Kunden müssen die Versandmaterialien nicht kaufen: Die Container werden vermietet. Aufgrund des großen englischsprachigen Kundenstamms sitzt die Containervermietung in Rochester bei London. Wer Transportbehälter benötigt, ruft dort an und bestellt beispielsweise fünf Container auf 5 °C vorgekühlt ab Amsterdam für einen Transport nach Melbourne, ab morgen. „Für die Dauer der Reise zahlt er eine Miete“, erklärt Kuhn. In Melbourne stellt der Kunde die geliehenen Container auf einen Umschlagplatz, zu neudeutsch „Hub“, von Va-Q-Tec. Davon existieren derzeit weltweit 25. „Wir verkaufen unsere Container auch, aber das Mietmodell war sicherlich eine gut Entscheidung“, so Kuhn. Warum? „Wir haben zwei-stellige Millionenumsätze im Bereich Vermietung. Und sie steigen noch, wahrscheinlich ist es der stärkste Wachstumsbereich.“ Von den großen Containern wird keiner verkauft, alle nur vermietet. Außer natürlich, jemand fordert einen Spezialbau an. Die kleineren Boxen werden ungefähr zu 40 % vermietet, andere Produkte fallen komplett unter das klassische Verkaufsgeschäft.

Wie kam es nun überhaupt zum Gang an die Börse? Das liebe Geld gab den Antrieb. „Wir waren eine stark wachsende Firma, die sich aus der Uni heraus gegründet hat“, erklärt Kuhn die Situation. „Wir brauchten also Geld.“ Natürlich, denn es galt Maschinen zu kaufen und zu bauen, schließlich wird Hardware produziert. Auch Hallen wollten erbaut und Containerflotten aufgebaut werden. In den letzten Jahren wuchs Va-Q-Tec mit 40 bis 50 %. Auch das kostet Geld. „Deswegen sind wir an die Börse“, fasst Kuhn zusammen. Zwar gab es seit der Gründung Venture-Kapital – und diese Finanzierungspartner aus der Zeit blieben den Würzburgern auch treu –, doch: „Der Börsengang ist die Kapitalgrundlage für unser Wachstum in den nächsten Jahren, für unsere Internationalisierung und den Kapazitätsausbau unserer Flotten!“, so Kuhn.

Der Weg des mutigen Unternehmers

So weit, so normal. Worin liegt nun die Besonderheit am Börsengang? Va-Q-Tec war das erste Unternehmen in den letzten zehn Jahren, das in einem Rutsch von der Uni an die Börse ging. Ein sehr seltenes Ereignis. „Wir wurden von einigen Investoren gefragt, warum wir das tun. Es sei mutig“, erinnert sich Kuhn. Seine Antwort für die Finanzpartner: „Wir wollten für die neue Technik ein Feld schaffen, in dem sie noch mehr Aufmerksamkeit erhält.“ Das hat anscheinend funktioniert. Die Umsatzerlöse im Jahr 2016 sind um 58 % auf 35,5 Mio. Euro gestiegen und haben damit die Erwartung weit übertroffen. Auch das bereinigte EBITDA wächst überproportional. Vergangenes Jahr um 92 % gegenüber 2015 auf knapp 7 Mio. Euro. Ob das nur am Glockenschlag im vergangen September lag? Wahrscheinlich schon, denn die großen sind immer etwas nervös, wenn sie mit einem jungen Unternehmen zusammenarbeiten. Schließlich weiß niemand, ob es das morgen noch gibt. „Aber wir sind essenziell in deren Produktions- und Logistikkette”, ist Kuhn überzeugt. Deswegen waren die Geschäftspartner sicherlich auch froh, dass „wir jetzt ein starkes Rückgrat bekommen haben und alles auf Expansion ausgerichtet ist.“

Aber auf dem Weg dahin gab es auch Hürden zu bewältigen. „Dabei hat uns geholfen, dass wir die Probleme vorher nicht kannten“, antwortet Kuhn mit einem verschmitzten Lächeln. „Sonst wären wir das ein oder andere Mal mit zu viel Angst an die Projekte herangegangen.“ Und wahrscheinlich erst gar nicht so weit gekommen. Eine Erfahrung, die Kuhn mitgenommen hat: Man muss die Probleme einfach abarbeiten wie sie kommen. „Meistens hat auch jedes Problem eine Lösung. Daran muss man einfach fest glauben und dann das Problem lösen. Schließlich kommt Umsatz von Umsetzen“, grinst er.

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Über den Autor

 Simone Käfer

Simone Käfer

Redakteurin für Additive Fertigung