Spanische Unternehmen Vorreiter der interkulturellen Kommunikation

Die Zusammenarbeit von Menschen aus unterschiedlichen Kulturen birgt auch Konfliktpotenzial. Insbesondere spanische Unternehmen sind aber erfolgreich, wenn es darum geht, mit Mitarbeitern aus Südamerika oder arabischen Ländern richtig umzugehen.

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José Maria Jimeno Pascual (r.) ist der spanische Manager des Teams aus Ägyptern und Spaniern. Hier mit seinem arabischen Mitarbeiter Walaa Moaaz.
José Maria Jimeno Pascual (r.) ist der spanische Manager des Teams aus Ägyptern und Spaniern. Hier mit seinem arabischen Mitarbeiter Walaa Moaaz.
(Bild: Isenburg)

Südafrika, die Sonne strahlt unnachgiebig auf den Wüstensand. Männer, denen man ansieht, dass sie aus unterschiedlichen Kulturen stammen, positionieren und befestigen Parabolspiegel. Auf ihrer Kleidung prangt der Schriftzug Abengoa – ein spanisches Unternehmen, das sich mit dem Bau von Solarkraftwerken beschäftigt. Das Unternehmen hat von den 50 spanischen Solarkraftwerken 13 gebaut. Ein aufstrebender Markt für diese Kraftwerke ist Südafrika. Bislang haben die Spanier auch in Südafrika die meisten Solarkraftwerke gebaut.

Energieunternehmen interessieren sich für sonnige Länder

Was sind die Gründe für einen erfolgreichen Export dieser Technik von Europa über den Äquator in Richtung Süden? Gerade spanische Unternehmen gelten in den sich auftuenden Märkten für erneuerbare Energien in Marokko und Ägypten als besonders erfolgreich.

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Unterschiede machen stark

Marta Jimeno ist Diversity Director bei Gamesa.
Marta Jimeno ist Diversity Director bei Gamesa.
( Bild: Isenburg )

In welchen Ländern ist Gamesa aktiv?

Gamesa hat Büros in Europa, Afrika, Asien, Amerika und Ozeanien. Unsere Mitarbeiter reisen zu kurzfristigen Einsätzen in 43 unterschiedliche Länder.

Welche Kulturen arbeiten zusammen?

Ein Fokus bei der Verschiedenheit ist es, das Talent der Menschen optimal freizulegen, mit einer breiten Präsenz über die ganze Welt verteilt. Unsere Mitarbeiter repräsentieren eine große ethische, kulturelle, religiöse und sprachliche Bandbreite.

Welche Erfahrungen besitzt Gamesa hierzu?

Die große Bedeutung der Unterschiedlichkeit unserer Mitarbeiter macht Gamesa stärker, smarter, innovativer und zu einem besser arbeitenden Unternehmen durch alle Divisionen. Alle Mitarbeiter haben individuelle Verantwortungen, die sicherstellen, dass Chancengleichheit herrscht und keine Diskriminierung. Alle Diskriminierungspraktiken sind zu vermeiden. Unsere Mitarbeiter haben die Aufgabe, Drangsalierung und Einschüchterung anderer Mitarbeiter, Kunden oder Besucher zu vermeiden. Ferner soll die Verschiedenheit auch zu einer Inklusion führen, sodass für das Unternehmen neue Ideen entstehen. Es ist Raum für kreative Denkprozesse. Es wird eine flexible Umgebung geschaffen, in der sich die unterschiedlichen Mitarbeiter vernetzen können und in der die unterschiedlichen Führungspersönlichkeiten Ermutigung erfahren.

Wie kann das optimiert werden?

Gamesa ist verpflichtet, seine Mitarbeiter für ihre Leistungen bei dem Thema zu entlohnen. Gamesas Zielvorgabe ist es, eine Kultur des Respekts zu schaffen und Verschiedenheiten zu beachten. Das unterstützt die Würde, die Gleichheit, die Inklusion sowie die Verschiedenheit. Es bekräftigt Individuen, bei sich selber zu bleiben und ihr Potenzial in einem global erfolgreichen Unternehmen zu entfalten. Gamesa verpflichtet sich, wo immer es möglich ist, bei seinen Operationen einen Arbeitsfluss sicherzustellen, der die einheimische Bevölkerung reflektiert. Wir haben bereits bemerkenswerte Ergebnisse vorzuweisen. Unsere Verschiedenheitsstrategie ist Teil unserer Geschäftsstrategie – mit großer Unterstützung der Direktoren und des Präsidenten.

Hinweise auf die Erfolgsfaktoren finden sich im Geschäftsbericht von Abengoa. Hier heißt es, dass die Unternehmen in stabilen und profitablen Beziehungen mit allen ökonomischen und sozialen Akteuren leben, die zusammenarbeiten. Dieses Verhalten wird unter dem Oberbegriff „social license to operate“ zusammengefasst. Die Mitglieder der Wertschöpfungsketten des Unternehmens werden über die sozialen Netzwerke Linkedin und Twitter strukturiert. Ziel ist es, negative Effekte auszufiltern und positive Aspekte zu fördern. Die Beziehung soll dabei auf Vertrauen basieren, zum gegenseitigen Vorteil.

Ethisch klare Führung ist wichtig

Ein Aspekt ist dabei die ethisch klare Führung. Das Unternehmen strebt ein nachhaltiges Wachstum an, unter Achtung der Menschenrechte gemäß SA8000 der „United Nations Universal Federation fo Human Rights“ sowie der OECD-Richtlinien. Hierzu wurde ein Managementsystem geschaffen. Dies hat zu den hohen Standards beim Umgang mit ethischen und persönlichen Konflikten geführt.

Wie so etwas praktisch funktionieren kann, beweist der in Ägypten erfolgreiche spanische Windanlagenhersteller Gamesa. Seit über 20 Jahren baut das Unternehmen aus Madrid Windkraftanlagen. Dabei sind bereits 36.000 MW installiert. Zu den Leistungen der Spanier gehört der Bau ganzer Windparks genauso wie der Betrieb und Service.

Spirituelle Werte in den Arbeitsprozess integrieren

Etwa 120 km nördlich der Touristenstadt Hurghada befindet sich Gabal El Zayt an der Küste zum Roten Meer. Es ist für den Mitteleuropäer ein unwirkliches Land aus Sand und Felsen. Entlang der Küste verläuft die viel befahrene Straße N24. Wenige Beduinen finden hier ihren Lebensraum. Gabal El Zayt bedeutet übersetzt Ölberg und hin und wieder finden sich schwarze Teerklumpen im Sand, jedoch drehen sich hier nun auch 100 Windkraftanlagen des spanischen Herstellers. José Maria Jimeno Pascual findet hier seinen Arbeitsplatz und ist als Manager für den effizienten Betrieb des Windparks verantwortlich. Nach seiner Motivation befragt, meint der spanische Elektroingenieur: „Gerade an diesem Ort kann ich etwas für den Fortbestand unseres Blauen Planeten tun.“ Dazu pendelt Jimeno Pascual zwischen Hurghada, Madrid und Gabal El Zayt.

Sein Team hat 70 Mitarbeiter und etwa zehn davon haben ihre Wurzeln in Spanien. Der spanische Manager ist noch mit der Teambildung beschäftigt, weil der Windpark erst seit Kurzem in Betrieb ist. „Das Wichtigste hier ist die interkulturelle Kommunikation“, sagt Jimeno Pascual. Die Ägypter sind stark von ihrer Religion geprägt und ihre spirituellen Werte sind in den Arbeitsprozess zu integrieren. Dies gelingt glänzend, denn die Männer um die Spanier sind gut trainiert, hoch motiviert und versehen ihre Arbeiten mit freundlich-interessiertem Blick.

Verständnis für die arabische Kultur

Nach der Ursache des Erfolgs des spanischen Unternehmens befragt, antwortet der Elektroingenieur aus der Nähe von Madrid: „Die Spanier haben ein besonderes Verständnis für die arabische Kultur. Das geht noch auf die Mauren in unserem Land zurück.“ Hier scheint der Abstand zwischen den Kulturen nicht besonders groß zu sein. Dann ist die Kommunikation eher unkompliziert, was den Austausch und den reibungslosen Projektablauf erleichtert.

Jedoch hat es auch Unruhen gegeben und die Spanier mussten ihre Mitarbeiter aus Sicherheitsgründen immer mal wieder abziehen. Dabei herrscht in Pascuals Team eine schöne Atmosphäre. Fremde werden mit dem arabischen Friedensgruß „Salem Aleikum – Friede sei mit euch“ begrüßt. Hierzu wird eine Tasse Tee angeboten. In seinem Team bleibt nichts verborgen, die Sorgen und Nöte seiner Mitarbeiter kommen auf den Tisch.

Jimeno Pascual bemüht sich sehr um ein Verständnis der anderen Kultur und lässt dieses in den Arbeitsprozess einfließen. „Für mich gehören alle dazu, gerade auch die Beduinen, die auf dem Land des Windparks wohnen“, meint der Manager. Eines ist klar, der Spanier will sein interkulturelles Team zu Spitzenleistungen führen.

* Dr. Thomas Isenburg ist freier Fachjournalist in 44629 Herne

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Über den Autor

Dr. rer. nat. Thomas Dr. Isenburg

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