Baden-Württemberg Wachstumsmotor stellt sich den Herausforderungen

Autor: Stéphane Itasse

Besser als in Baden-Württemberg kann es kaum laufen: Starkes Wachstum, niedrige Arbeitslosigkeit, kräftige Exporte und hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung machen die Wirtschaft im Südwesten stark. Und auch, wenn Ungemach droht: Das Bundesland wappnet sich.

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Die Industrie ist prägend für die Wirtschaft Baden-Württembergs.
Die Industrie ist prägend für die Wirtschaft Baden-Württembergs.
(Bild: Stuttgart-Untertürkheim mit Daimler-Werken / Wiki-observer/Wikimedia / BY-SA 3.0)

Immer vorn dabei ist Baden-Württemberg beim Wirtschaftswachstum: Im Jahr 2015 wuchs hier das BIP mit 3,1 % so stark wie sonst nirgends in Deutschland, im vergangenen Jahr reichte es mit einem Plus von 2,2 % immerhin noch für den dritten Platz. „Die Südwestwirtschaft hat sich im Jahr 2016 unter schwierigen außenwirtschaftlichen Bedingungen behaupten können. Nach dem wachstumsstarken Vorjahr 2015 ist das Ergebnis für 2016 wiederum ein hervorragender Wert“, kommentierte Wirtschaftsministerin Dr. Nicole Hoffmeister-Kraut. Baden-Württemberg sei damit im Kanon der westdeutschen Flächenländer führend – nur in Berlin und Sachsen legte das BIP stärker zu. An der guten strukturellen Verfassung sowie der hohen Wettbewerbsfähigkeit der Südwestwirtschaft habe sich nichts geändert.

Weltwirtschaftliche Turbulenzen ziehen noch an Baden-Württemberg vorbei

Auch die weltwirtschaftlichen Unsicherheiten im Jahr 2016 hätten das stetige Wachstum im Südwesten kaum beeindrucken können, sagte die Ministerin. „Da zu Jahresbeginn 2017 die Stimmung in den Unternehmen im Land sehr optimistisch ausfällt und sie mit gut laufenden Inlands- und wieder anziehenden Auslandsgeschäften rechnen, erwarte ich zudem einen kräftigen Frühjahrsaufschwung“, erläuterte Hoffmeister-Kraut in Stuttgart.

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Grundlage ist nach einer Analyse des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg eine breite und vernetzte Struktur sowie der Einsatz von Hightech. Als Industrie- und Exportland verfügt es einerseits über Industriegiganten und andererseits über starke Mittelständler.

Damit ist das Bundesland der größte Industriestandort in Deutschland und einer der wichtigsten in Europa. Rund 1,5 Millionen Menschen arbeiten in der Industrie. Deren Anteil von 33 % an der Bruttowertschöpfung ist wesentlich höher als im Bundesdurchschnitt (22 %).

Investitionsgüter dominieren die Industrie

In der Industrie hat der Investitionsgütersektor, zu dem die großen Branchen Maschinenbau, Fahrzeugbau und Elektrotechnik gehören, eine Vorrangstellung. In diesen drei Branchen werden zusammen 66 % des industriellen Umsatzes erwirtschaftet. Über die Hälfte der hergestellten Investitionsgüter wird ins Ausland verkauft. Das bedeutet: Kein anderes Flächenbundesland ist im Auslandsgeschäft aktiver als Baden-Württemberg. Mit Ausfuhrerlösen von 18.075 Euro je Einwohner lag das Land im Südwesten im Jahr 2015 deutlich über dem Bundesländerdurchschnitt von 11.811 Euro. Daher arbeitet auch jeder dritte Beschäftigte für den Export.

Im Jahr 2016 hat Baden-Württemberg laut Zahlen des Statistischen Bundesamts Destatis Waren in Höhe von fast 192 Mrd. Euro in die Länder der Welt ausgeführt. Innerhalb von 20 Jahren hat sich nach Angaben des Stuttgarter Wirtschaftsministeriums das Exportvolumen mehr als verdoppelt. Die größten Exporteure des Landes sind der Fahrzeugbau, der Maschinenbau, die Elektrotechnik sowie Chemie und Pharmazie. Bei dieser hohen Exportabhängigkeit beobachtet das Wirtschaftsministerium des Landes auch die weltwirtschaftlichen Entwicklungen sehr genau – und sieht protektionistische Tendenzen mit Sorge. „Protektionismus kann vielleicht kurzfristig ein lokales wirtschaftliches Strohfeuer auslösen, langfristig wird er nur Verlierer erzeugen“, mahnt Ministerpräsident Winfried Kretschmann laut Wirtschaftsministerium. „Sollten sich diese Tendenzen in den nächsten Jahren fortsetzen oder gar verstärken, hätte das für ein derart in die internationale Arbeitsteilung eingebundenes Land wie Baden-Württemberg unausweichliche Folgen. Wir müssen uns auf einen verschärften Standortwettbewerb in der Zukunft einstellen.“

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