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Titelthema Instandhaltung

Wartung aus der Ferne

| Autor: Frauke Finus

Bei Siemens werden heute bereits rund 45 % des Servicegeschäfts über Remote-Technologien betrieben, und zwar über die Common Remote Service Platform, eine weltweit einheitliche IT-Infrastruktur mit sicheren, verschlüsselten Rechenzentren und IP-Datenverbindungen. Rund 250.000 Anlagen und Systeme werden über die Plattform aus der Ferne gewartet, von Röntgengeräten bis Gasturbinen, von Zügen über Gebäude bis zu Industrieanlagen.

Zustandsüberwachung hilft, den Ernstfall von Vornherein zu vermeiden

Neben gesparten Reisekosten kommt noch ein weiterer wirtschaftlicher Aspekt hinzu: durch eine vorausschauende, geplante Wartung können Schadensfälle bereits im Vorhinein vermieden werden, sodass es gar nicht erst zu einem Maschinenausfall kommt. Werden die entstehenden Datenmengen intelligent analysiert, lassen sich Fehlermuster auswerten und damit Probleme lösen beziehungsweise bereits im Vorfeld verhindern, zum Beispiel in dem man ein Bauteil auswechselt, bevor es den Dienst versagt. Hier spielt dann auch das sogenannte Condition-Monitoring, die Zustandsüberwachung, mit rein. Dieses Konzept basiert auf einer regelmäßigen oder permanenten Erfassung des Maschinenzustands durch Messung und Analyse von physikalischen Größen. Zum Beispiel überwacht SKF mehr als 700.000 Anlagenkomponenten rund um die Uhr und rund um den Globus beispielsweise in 1800 Windenergieanlagen und auf über 600 Schiffen. „Zu diesem Zweck nutzt SKF modernste Cloud-Technologie: Sensoren erfassen eine Vielzahl betriebsrelevanter Parameter, zum Beispiel von Lagern und Schmiersystemen, und laden diese über onlinefähige Condition-Monitoring-Systeme in Echtzeit in die Cloud hoch. Durch den zentralen Zugriff auf die in der SKF-Cloud gesammelten Maschinendaten lassen sich zeit- und ortsunabhängig Diagnosen und Empfehlungen erstellen“, erklärt Dietmar Seidel, Leiter Technische Fachpresse, SKF GmbH.

Auch ABB bietet Fernwartungslösungen. Seine Dienste zur Fernüberwachung managt ABB von Bangalore aus. In Echtzeit werden einzelne Roboter, komplette Zementfabriken und Anlagen der Öl- und Gasindustrie überwacht. „Bei den 3500 Robotern in 31 Ländern gehört die Fernüberwachung zum Servicevertrag“, erläutert G.N.V. Gao, Leiter Forschung und Entwicklung von ABB in Indien. Die Fernüberwachung gehört bei den Großanlagen zum Lebenszykluskontrakt, den ABB seinen Kunden anbietet. Die Fernüberwachung wird auch Bestandteil eines Vorzeigeprojekts, an dem ABB derzeit arbeitet: Beim Sadara-Projekt entsteht in Saudi-Arabien der weltgrößte integrierte Produktionskomplex für Chemikalien und Kunststoffe. ABB ist für das Vorhaben der Main Automation Contractor, was auch die spätere Fernwartung einschließt. „Das Vorhaben spiegelt den Nutzen von Industrie 4.0 für die Zukunft wieder“, sagt Gao, „das wird eines der besten Beispiele für eine intelligente Fabrik.“ Überhaupt werde Fernüberwachung die Produktivität in Industrie-4.0-Umgebungen boosten.

Der Aspekt der Sicherheit hat Priorität bei Fernwartungssoftware

Großkonzerne wie SKF oder ABB programmieren meist selbst die nötige Software für die Fernwartungslösungen. Wird dem Anlagenbetreiber nicht automatisch vom Hersteller eine Fernwartungslösung angeboten, können auch Software-Angebote von externen Dienstleistern auf die Maschinen und Anlagen gespielt werden. High Consulting bietet zum Beispiel den Customized Remote Service Manager (CRSM). Er ist eine Cloud-fähige Fernwartungslösung, die sich nahtlos in den Firmenworkflow integriert. Dank offener Schnittstellen, modularer Programmierung und beliebiger Erweiterbarkeit lässt sich die Software exakt auf jeden Kunden anpassen, von einfachen Maßnahmen wie der Verwaltung der Zugänge im zentralen Active Directory über die Anbindung eines CRM bis zur Integration von Anlagendaten im ERP – alles direkt sichtbar im Portal des CRSM.

Eine andere Fernwartungssoftware, die großes Augenmerk auf den schon angesprochenen Sicherheitsaspekt legt, ist die Perfact Meeting Point Architecture (MPA) Software der Perfact Innovation GmbH & Co. KG. Der Meeting Point der IT-Architektur, der entweder in einer Cloud oder beim Anlagenbetreiber liegen kann, ermöglicht dem Anlagenbetreiber eine Zugriffssteuerung, was Vertrauen schafft. „Durch das zentrale Serviceportal auf das sowohl der Kunde als auch der Servicetechniker Zugriff haben, findet der Service transparent statt und erlaubt dem Kunden gleichzeitig volle Kontrolle, denn der Anlagenhersteller kann sich nicht einfach beim Betreiber auf die Anlage schalten“, erklärt Dr. Ing. Rober Rae, Geschäftsführer von Perfact. Tritt an einer Maschine ein Problem auf, löst der Anwender ein sogenanntes Ticket aus, durch das der Servicetechniker einen zeitlich begrenzten Zugriff auf die Steuerung bekommt. Dabei wird auch festgehalten, wann der Service auf die Anfrage reagiert und wie lange an dieser gearbeitet wird. „Durch mathematische Verschlüsselungsverfahren, den Einsatz sicherer Netzwerkprotokolle und die Zentralisierung der Zugriffe werden Angriffe unterbunden und etwaige Fremdzugriffe schnell erkannt“, erklärt Rae. Das System arbeitet webbasiert und kann auch vor Hersteller-Fernwartungssoftware vorgeschaltet werden.

Die Fernwartung ist der Inbegriff der Instandhaltung 4.0 und wird dementsprechend in Zukunft noch wesentlich zunehmen. Vor dem Hintergrund einer globalisierten Welt liegen die Vorteile einer Wartung aus der Ferne klar auf der Hand. Je besser Maschinen und Anlagen überwacht sind, desto geringer wird auch das Risiko von ungeplanten Instandhaltungsmaßnahmen beziehungsweise Maschinenausfällen. Die Lündendonk-Studie Industrieservice 2014 prognostiziert für die Jahre 2015 bis 2020 nur noch 36 % ungeplante Instandhaltungs- und Reparaturmaßnahmen, im Jahr 2013 waren es noch 43 %. Fernwartung ist ein effektives Mittel, um Kosten in der Instandhaltung zu sparen: Mit einer guten und sicheren Software können längerfristige Ausfälle praktisch ganz vermieden werden.

Ergänzendes zum Thema
 
Forschungsprojekt Maintenance and Telematics for Robots
 
Die Daten aus der Fernwartung – eine rechtliche Grauzone?

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