Interview Warum die einzige Zukunft für Mittelständler digital ist

Autor / Redakteur: Diane Schulte / Nico Litzel

Christina Langfus, Leiterin Vertrieb Großkunden bei der Telekom Deutschland GmbH und Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender der Ziehl-Abegg SE, erklären die Bedeutung von passgenauen digitalen Lösungen für den Mittelstand.

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Christina Langfus, Leiterin Vertrieb für Großkunden bei der Telekom Deutschland, und Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender der Ziehl-Abegg SE, im Gespräch mit BigData-Insider.
Christina Langfus, Leiterin Vertrieb für Großkunden bei der Telekom Deutschland, und Peter Fenkl, Vorstandsvorsitzender der Ziehl-Abegg SE, im Gespräch mit BigData-Insider.
(Bild: Telekom Deutschland und Ziehl-Abegg SE)

MM Maschinenmarkt: Herr Fenkl, seit mehr als einem Jahr zieht die Corona-Pandemie um die ganze Welt. Wie stark trifft die Pandemie einen global tätigen Mittelständler wie Ziehl-Abegg?

Fenkl: Da wir auch ein Werk in China haben, waren wir mit den Auswirkungen von Corona bereits früh konfrontiert und konnten Learnings für unsere Standorte in Deutschland und dem Rest der Welt mitnehmen. Daher haben wir unsere Mitarbeiter bereits im Frühjahr – noch vor der behördlichen Anordnung – vorsorglich in Quarantäne geschickt. Zudem tun wir alles Machbare, um direkte Kontakte am Arbeitsplatz zu verhindern oder zu reduzieren. Im Frühjahr 2020 war der Hohenlohekreis mit unserem Standort in Künzelsau ein bundesweiter Hotspot. Kurzfristig stellten wir kostenlos FFP2-Masken und Gesichtsschilde für das Krankenhaus in Künzelsau zur Verfügung. Weiterhin unterstützten sechs unserer Mitarbeiter das ansässige Gesundheitsamt an der Corona-Hotline.

Da wir den Bedarf nach Ventilatoren für Luftreinigungsmaschinen, Gebäudetechnik sowie Rechenzentren erfüllen wollen, läuft unsere Produktion in Deutschland auf Hochtouren. Aktuell liegen unsere Umsätze deutlich über dem Vorjahresniveau. In diesen Zeiten profitieren wir vor allem von unserem breit aufgestellten Spektrum an Anwendungen und Produkten. Neben unseren Ventilatoren sind auch unsere Elektromotoren für Aufzüge sehr gefragt.

Kommen alle Ihre Großkunden so gut durch die Pandemie wie Ziehl-Abegg, Frau Langfus?

Langfus: Das Bild ist sehr heterogen: Vor allem große Ketten in den Bereichen Gastronomie, Tourismus und Freizeit bangen vermehrt um ihre Existenz. Andere Branchen wie die produzierende Industrie wurden von der zweiten Welle nicht ganz so hart getroffen.

Welche Rolle haben dabei digitale Lösungen gespielt?

Langfus: Eine große. Die Pandemie hat die digitale Transformation in den Unternehmen generell beschleunigt. Das bestätigt im Übrigen auch das neueste Update unserer Studie „Digitalisierungsindex Mittelstand“, in der wir seit fünf Jahren untersuchen, wie mittelständische Unternehmen ihre digitale Transformation vorantreiben. Demnach haben 34 Prozent der Mittelständler im Zuge der Corona-Krise wichtige Prozesse kurzfristig digitalisiert. Vier von zehn Unternehmen wollen ihre digitalen Dienste und Services erweitern und die Digitalisierung ihrer Prozesse vorantreiben.

Herr Fenkl, hat auch Ziehl-Abegg während der Corona-Pandemie die Digitalisierung vorangetrieben?

Fenkl: Ja, Corona hat uns einmal mehr gezeigt, wie wichtig Digitalisierung für unser Unternehmen ist. Seit Mitte 2020 betreiben wir eine IoT-Plattform mit dem Namen ZAbluegalaxy, die wir gemeinsam mit der Telekom entwickelt haben. Jetzt sind unsere Lufttechnik-Produkte – wie Ventilatoren für Supermärkte, Krankenhäuser oder Industrieanlagen – mit Sensoren ausgestattet, die in Sekundenabständen Status-Updates zu Temperatur, Schwingungen oder Stromverbrauch an ein IoT-Gateway senden. Dieses funkt die Informationen wiederum an die Azure Cloud. Dort werden die Daten gespeichert, visualisiert und analysiert. Mit dieser IoT-Plattform können unsere Kunden ihre Anlagen in Echtzeit über einen Webbrowser einsehen und mit einem Klick alle Betriebsdaten auslesen. Denn unsere Kunden möchten nicht mehr nur einfache Ventilatoren kaufen. Sie wünschen sich vernetzte und intelligente Anlagen, auf die sie über PC und Smartphone zugreifen können. Darauf haben wir mit der ZAbluegalaxy reagiert.

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Den Zustand ausgelieferter Maschinen über eine IoT-Plattform zu prüfen – damit gehört ein Mittelständler wie Ziehl-Abegg aber doch eher zu den Ausnahmen, Frau Langfus?

Langfus: In jedem Fall hat Ziehl-Abegg das ökonomische Potenzial von IoT erkannt. Denn in Kombination mit KI können intelligente Plattformen nicht nur den Zustand von Maschinen und Produkten in Echtzeit einschätzen, sondern auch Entwicklungen vorhersagen. Ein Service, der immer mehr Schule macht: Laut Digitalisierungsindex ist ein Drittel der Betriebe überzeugt davon, dass KI die wichtigste Zukunftstechnologie ist. Ein Viertel nutzt bereits vorausschauende Analysen, die auf KI basieren, jedes zweite Unternehmen will in Zukunft auf intelligente vorausschauende Analysen setzen. Ein schlauer Schritt. Um in Krisensituationen wie der aktuellen Pandemie widerstandsfähig zu bleiben, sollten Unternehmen gerade jetzt in KI und IoT investieren und ihre Geschäftsmodelle erweitern – auch um gegenüber asiatischen Konkurrenten wettbewerbsfähig zu bleiben.

Hand aufs Herz, Herr Fenkl: Hat die ZAbluegalaxy-Plattform tatsächlich Ihre Wettbewerbsfähigkeit gestärkt?

Fenkl: Auf jeden Fall. Mit unserer IoT-Plattform konnten wir unser Geschäftsmodell erweitern. Zudem werden wir damit den Service für unsere Kunden noch einmal deutlich verbessern: Treten Störungen oder Anomalien in unseren Anlagen auf – beispielsweise, wenn eine bestimmte Temperatur überschritten wird – erhalten Techniker umgehend automatisch Benachrichtigungen per Mail oder SMS. Über ein Dashboard können sie sofort den Grund und den Ort des Fehlers sehen und haben beim Einsatz direkt die passenden Ersatzteile dabei, anstatt vor Ort erst nach der Fehlerquelle zu suchen. So sparen unsere Kunden Zeit, Servicekosten und Ausfallzeiten.

Dies ist natürlich eine Investition in die Zukunft. Denn die Industrie beginnt an vielen Stellen gerade erst, mit diesen Daten zu arbeiten und diese entsprechend zu nutzen. Wir sehen uns hier als Vorreiter und stellen nun die Weichen so, dass es später für die Kunden einen tatsächlichen Nutzen ergeben wird.

Also wird die starke Nachfrage und die Notwendigkeit für digitale Lösungen bleiben – auch nach der Pandemie?

Langfus: Definitiv. Die Zukunft eines Unternehmens ist digital – oder es hat keine. Ziehl-Abegg ist ein tolles Beispiel dafür, wie sich Unternehmen innerhalb weniger Monate nachhaltig digital aufstellen können. Mit einem zuverlässigen IT-Partner an der Seite, sind Unternehmen robust gegenüber Störungen aufgestellt. Aber Digitalisieren, nur weil andere es tun, ist nicht zielführend. Daher wollen wir auch in Zukunft gemeinsam mit unseren Kunden digitale Lösungen entwickeln, die zu ihren individuellen Bedürfnissen passen.

Fenkl: Wir halten an unseren Digitalplänen fest, werden die ZAbluegalaxy-Plattform kontinuierlich ausbauen – ganz unabhängig vom Verlauf der Pandemie. Neben den Ventilatoren verbinden wir inzwischen auch unsere Regelgeräte und Aufzugsantriebe mit der Plattform. Unser Anspruch ist es, in allen Bereichen nicht nur Schritt zu halten, sondern auch Vorreiter zu sein.

Die Gesprächspartner:

Peter Fenkl ist Vorstandsvorsitzender der Ziehl-Abegg SE. Das Unternehmen aus Künzelsau in Baden-Württemberg ist spezialisiert auf Luft- und Klimatechnik sowie Antriebsmotoren für Aufzüge.
Das 1910 gegründete Familienunternehmen beschäftigt 4.300 Mitarbeiter an 113 Vertriebs- und 16 Produktionsstandorten.

Christina Langfus ist Leiterin Vertrieb für Großkunden bei der Telekom Deutschland GmbH. Nach Stationen bei Vodafone Global Enterprise und Microsoft stieß die Betriebswirtin 2019 zur Telekom und befasst sich unter anderem mit den Chancen, die IoT und KI der ITK-Branche und ihren Kunden eröffnen.

Diese Interview erschien zuerst auf unserem Schwesterportal BigData Insider.

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