Nachgehakt WAS IST EIGENTLICH MIT … Ingenieuren im ostdeutschen Maschinenbau?

Redakteur: Udo Schnell

Die VDMA-Ingenieurerhebung hat ergeben, dass der Anteil der Ingenieure an den Belegschaften im ostdeutschen Maschinen- und Anlagenbau wesentlich höher ist als im Bundesdurchschnitt. Auch die Quote der Ingenieurinnen liegt weiterhin über dem gesamtdeutschen Wert.

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Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost: „Das Besondere an Ostdeutschland: Viele Unternehmen der Region sind in Nischen aktiv. In diesen bedienen sie ganz individuelle Kundenbedürfnisse und stellen Sondermaschinen her.“
Reinhard Pätz, Geschäftsführer des VDMA Ost: „Das Besondere an Ostdeutschland: Viele Unternehmen der Region sind in Nischen aktiv. In diesen bedienen sie ganz individuelle Kundenbedürfnisse und stellen Sondermaschinen her.“
(Bild: VDMA)

Der Maschinenbau ist wichtigster Arbeitgeber für Ingenieure in Deutschland. Das ist das Ergebnis der VDMA-Ingenieurerhebung 2016. Der Landesverband Ost des VDMA hat auf einige Besonderheiten des ostdeutschen Maschinenbaus hingewiesen. Dort ist der Anteil der Ingenieure höher als im Bundesdurchschnitt. Wir sprachen über die Besonderheiten mit Reinhard Pätz, VDMA Ost:

Ist der höhere Anteil an Ingenieuren ein spürbarer Standortvorteil für ostdeutsche Unternehmen? Können Sie dies an einem Beispiel verdeutlichen?

Ja, das ist zweifellos ein spürbarer Standortvorteil. Die Technisierung unserer Gesellschaft und der Industrie schreitet voran. Um diese Lösungen entwickeln und bedienen zu können, werden generell Ingenieure benötigt. Das Besondere an Ostdeutschland: Viele Unternehmen der Region sind in Nischen aktiv. In diesen bedienen sie ganz individuelle Kundenbedürfnisse und stellen Sondermaschinen her. Der auftragsbezogene konstruktive Anteil an der Wertschöpfung ist daher sehr hoch. Diese Aufgaben nehmen vor allem Ingenieure wahr.

Bei dem vergleichsweise hohen Frauenanteil im ostdeutschen Maschinenbau zeichnet sich eine leicht rückläufige Tendenz ab. Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?

Diese Entwicklung geht leider mit einem gesellschaftlichen Trend einher. Jeder – ob Jung oder Alt – nutzt tagtäglich wie selbstverständlich Technik. Aber immer weniger Menschen wollen auch wissen, was dahintersteckt. Wichtig ist es deshalb, die jungen Leute in ihrem Umfeld zu erreichen und sie frühzeitig mit technischen Berufen und Studiengängen vertraut zu machen. Wir und die Unternehmen haben hier schon vielfältige Aktionen angestoßen. Der VDMA Ost bildet beispielsweise regelmäßig Berufs- und Studienberater weiter. Die Betriebe gehen unter anderem Kooperationen mit Grundschulen und weiterführenden Schulen ein, bieten Praktika an und präsentieren sich auf Nachwuchsmessen. Das ist auch die Chance, wieder mehr Mädchen auf das breite Berufsangebot abseits vermeintlich typischer Frauenberufe aufmerksam zu machen. Auch die Vorbildwirkung kann hierzu beitragen. So könnten erfolgreiche Unternehmerinnen mit einer technischen Ausbildung stärker in die Nachwuchswerbung eingebunden werden.

Darüber hinaus muss es noch besser gelingen, die familienfreundlichen Arbeitsbedingungen in kleineren und mittleren Unternehmen herauszustellen. Dieser große Pluspunkt ist noch zu vielen nicht bekannt und muss deshalb öffentlich stärker kommuniziert werden. Ein weiteres Ziel ist es, die gesellschaftliche Wertschätzung für technische Berufe zu erhöhen. Wenn dies alles gelingt, sehe ich gute Chancen, den Anteil der Frauen wieder zu steigern.

Der Anteil der Ingenieure, die über 60 Jahre alt sind, ist in Ostdeutschland deutlich höher als im Bundesdurchschnitt. Dies könnte in wenigen Jahren zu einem Problem werden. Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?

Dieser Fakt ist auf die politische und wirtschaftliche Wende zurückzuführen und stellt die Unternehmen tatsächlich vor eine große Herausforderung. Umso wichtiger ist es, die jungen Menschen für die faszinierende Welt der Technik zu begeistern. Wir müssen es schaffen, dass die Jugendlichen die Technik mitgestalten wollen. In der Pflicht sehe ich jedoch nicht nur Unternehmen, Schulen und Hochschulen. Auch die Politik muss ihren Teil beitragen, zum Beispiel die duale Ausbildung stärken sowie die Bildungsinhalte von Schulen, Berufsschulen und Hochschulen an die sich ändernden Tätigkeits- und Anforderungsprofile der Wirtschaft anpassen. Optimistisch stimmt mich, dass sich in den nächsten Jahren die Zahl der Schulabgänger in den ostdeutschen Bundesländern wieder erhöhen wird. Diese Talsohle hat das ehemalige Bundesgebiet noch vor sich.

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