Auslandsmärkte Was Mexiko für deutsche Anbieter interessant macht

Autor: Stéphane Itasse

Dass Mexiko als Partnerland der Hannover Messe 2018 ausgewählt wurde, hat gute Gründe. Nicht nur aus den Exportstatistiken lässt sich erschließen, dass deutsche Unternehmen dort gute Geschäfte machen – es gibt auch konkrete Praxisbeispiele.

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Die Crossbar-Roboter 4.0 bilden das Herzstück der Pressenlinie von Martinrea im mexikanischen Silao.
Die Crossbar-Roboter 4.0 bilden das Herzstück der Pressenlinie von Martinrea im mexikanischen Silao.
(Bild: Schuler)

Die Nachfrage nach hoch spezialisierten Fahrzeugen wie Gabelstaplern hat in den vergangenen Jahren auch in Mexiko, dem Partnerland der Hannover Messe 2018, stark zugenommen. Der mexikanische Händler Master-Lift, autorisierter Continental-Partner in Mexiko, gilt als einer der stärksten Retailer in Toluca Valley nahe Mexiko-Stadt.

Starke Industrieregion vor den Toren der Hauptstadt Mexiko

„Toluca Valley ist eine starke Industrie- und Handelsregion mit einer hohen Bevölkerungsdichte, insbesondere in den städtischen Ballungsgebieten“, sagt César Rojo, General Director Master-Lift. „Heute produzieren viele Großunternehmen und Gesellschaften, wie Robert Bosch Mexiko, Johnson and Son oder Federal Express, in Toluca Valley.“ Seit 13 Jahren vertreibt Master-Lift Ersatzteile und wurde schnell zu einem Multi Marken Händler. „Als wir die Möglichkeit erhielten, exklusiv für Continental zu verkaufen, haben wir allerdings keine Sekunde gezögert“, sagt Rojo. Seither ist das Unternehmen stetig gewachsen und hat auch sein Angebot an Produkten und Dienstleistungen ausgebaut. Reifen machen heute rund 30 % des Geschäfts aus, ergänzt durch Ersatzteile, Zubehör, Sicherheitsausrüstung, Dienstleistungen und Gabelstaplervermietung.

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Mit mehr als 24.000 Mitarbeitern in Mexiko ist aber auch Continental ein wichtiger Arbeitergeber im Land. Doch nicht nur dort ansässige Unternehmen können gute Geschäfte machen, auch Exporteure aus Deutschland profitieren. Und dabei ist nicht einmal nur die Region um die Hauptstadt einschließlich des Toluca Valley interessant, wie das Beispiel des Pressenherstellers Schuler zeigt. Für den globalen Automobilzulieferer Martinrea rüsteten die Göppinger am Standort Silao eine Pressenlinie mit einem Platinenlader und Crossbar-Robotern 4.0 aus, um die Flexibilität der Produktionsanlage zu steigern. Dahinter steckt ein ehrgeiziges Unternehmensziel: Martinrea möchte nicht weniger als der weltweit beste Zulieferer von Autoteilen sein. Und unter den Automobilstandorten ist Mexiko eine Weltmacht.

Der Platinenlader ist für Außenhautteile geeignet, die Reinigungs- und Beölungssysteme ermöglichen eine hohe Bauteilqualität, wie der Pressenhersteller mitteilt. Eine neue optische Zeilenkamera von Schuler erkennt die Position der Platinen, bevor sie in die erste Presse geladen werden. Ein Crossbar-Roboter übernimmt die Lagekorrektur.

Pressenautomatisierung auf Weltniveau am Standort Silao

Die Crossbar-Roboter 4.0 bilden das Herzstück der Pressenlinie von Martinrea in Silao: Sie transportieren die Teile von einer Pressenstufe zur nächsten und können diese werkzeugabhängig positionieren. Speziell bei der Produktion von Mehrfachteilen bietet diese Flexibilität einen Vorteil.

Der Crossbar-Roboter ist hängend an einer Fahrbahn montiert und kann dadurch zwischen den Pressenstufen einen Abstand von bis zu 12 m überbrücken. Vor allem bei älteren Linien ist die Distanz so groß, da Platz für eine Ablage- beziehungsweise Wendestation vorgesehen war. Damit ersetzt der neue Crossbar-Roboter Entlade- und Beladefeeder sowie die Orientierstation in einer Pressenlücke. Der Platz für Wartungsarbeiten in der Pressenlücke vergrößert sich und die Zahl der Toolings reduziert sich von drei auf eines je Lücke. Gleichzeitig steigt die Ausbringungsleistung.

Der Crossbar-Roboter basiert auf einem sechsachsigen Industrieroboter, den die Schuler-Ingenieure um zwei weitere Achsen ergänzt haben: die Hand des Roboterarms und den horizontalen Antrieb. Dadurch haben sich Bewegungsspielraum, Flexibilität und Ausbringung erhöht. Die maximale Traglast inklusive Tooling beträgt 90 kg. Dank eines neuartigen Energiemanagements mit integrierter Energierückgewinnung steigt die Energieeffizienz um 50 % im Vergleich zum Vorgängermodell 3.0. Schuler bietet für Platinenlader und Crossbar-Roboter diverse Systeme zum automatischen Toolingwechsel an, der sich innerhalb von 2 min vollautomatisch durchführen lässt.

Durch seine Prozessdaten-Schnittstelle ist der neue Crossbar-Roboter auf die Industrie 4.0 vorbereitet: Dank seiner intelligenten Vernetzung wird er zum Analysetool, das den Prozess überwacht und auftauchende Fehler rückmeldet, wie es heißt.

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MM MaschinenMarkt