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Was tun gegen Bauteileknappheit?

| Redakteur: Melanie Krauß

Die erhöhte Nachfrage nach Bauteilen führt zu Preisanstiegen und Lieferengpässen auf Zuliefererseite und verändert den Markt. Bei einer Informationsveranstaltung befassten sich Experten aus der Industrie und Wissenschaft über die Auswirkungen der Bauteileknappheit.

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(Bild: Limtronik GmbH)

Seit einigen Monaten ist laut Limtronik GmbH im Beschaffungsmarkt für elektronische Bauteile eine zunehmende Knappheit zu verzeichnen. Diese Entwicklung habe unter anderem Auswirkungen auf die Preisgestaltung und die Lieferperformance der Zulieferer. Außerdem sei ein Anstieg an gefälschten Bauteilen am Markt festzustellen. Diese Entwicklungen nahm das Unternehmen zum Anlass, im Zuge eines Informationsevents die aktuelle Lage und Lösungsansätze näher zu beleuchten.

Unter anderem schilderten Jean Quecke, PIE Sales Director CE der Future Electronics Deutschland GmbH, und Marc-Gregor Reiterer, Regional VP Central & Eastern Europe Avnet Abacus und Geschäftsführer der Avnet EMG GmbH, die aktuelle Lage auf dem Beschaffungsmarkt. Auch Vertreter des SEF Smart Electronic Factory e.V. und Limtronik widmeten sich der Standortbestimmung sowie den Handlungsalternativen.

„Bauformen >0402 laufen aus beziehungsweise werden nur in kleinen Mengen produziert. Parallel steigt der Bedarf weiter durch E-Mobilität, IoT-Devices, Smarthomes und Smartphones. Eine Verknappung von Kondensatoren und Widerständen ist die Folge. Mit circa 80 % Anteil ist Asien der Hauptabnehmer. Es ist weiter mit Preisanstiegen zu rechnen und die Lieferfähigkeit sinkt. Vor 2020 ist keine Entspannung zu erwarten“, erklärt Dr. Anjou Appelt, geschäftsführender Gesellschafter der Limtronik GmbH.

Wie Unternehmen den Herausforderungen begegnen sollten

Um der negativen Entwicklung auf dem Beschaffungsmarkt zu begegnen, hat Limtronik Maßnahmen definiert und eingeleitet.

  • Es gelte, rechtzeitig die Bedarfe zu ermitteln und langfristig zu sichern.
  • Zudem seien die Vermeidung von Bauformen >0402 und die rechtzeitige Einleitung von Redesign wichtige Stellschrauben.
  • Ein enger Kontakt und Dialog mit den Lieferanten sorge für kurze Wege.
  • Außerdem sollten Entscheidungen schnell getroffen und auf Preisverhandlungen verzichtet werden.

„Die Wahl der Case Sizes ist langfristig entscheidend. Auch wenn aus Platzgründen keine Notwendigkeit besteht, sollte man bei Neuentwicklungen passive Bauteile nicht größer als 0201 einsetzen. Die Industrieelektronik und auch die Automotive-Branche besitzen kaum die Marktmacht, um die Entwicklungen der Konsumgüter umzukehren. Wer entsprechend langfristig plant, kann auch weiterhin auf größere Bauformen setzen, muss aber mit Einschränkungen beispielsweise bei der Verfügbarkeit, dem Preis oder Hersteller leben“, erklärt Appelt.

Eine frühzeitige, langfristige Planung sei von hoher Bedeutung. Bei Besuchen bei Herstellern in Asien werde mittlerweile eine Planung bis zum 2./3. Quartal 2020 erwartet, so Appelt. „Logistiksysteme versagen derzeit und daher haben frühzeitige Bestellung, die Beschaffung und das ,Sicherstellen' des Bestandes höchste Priorität. Preisfestlegungen haben nur ein kurze Halbwertzeit“, sagt Appelt.

Er ergänzt: „Auch eine flexible Planung wird vorausgesetzt: Aufträge sowie Bestellungen der A-Teile müssen der zeitlich als letztes eintreffenden Komponente ständig angepasst werden. Bestandsaufbau scheint dabei unvermeidlich und Mehrfachverwendungen sowie deren Auswirkungen auf Produkt-Mix (logistisch), die Reservierung von Komponenten sowie Lagermodelle sind unvermeidbar. Zudem sind enge Kommunikation und Geschwindigkeit gegenüber Lieferanten entscheidend.“

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