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Wellpappe hält Konkurrenz der Transportverpackungen stand

| Autor/ Redakteur: Claudia Treffert / Dipl.-Betriebswirt (FH) Bernd Maienschein

Bei Transportverpackungen findet die schlichte Kiste aus graubrauner Wellpappe nach wie vor ihre Abnehmer. Aber inzwischen stellen viele Kunden – Investitions- oder Konsumgüter-Hersteller und der Handel – neue Anforderungen an die Wellpappenbranche. Der Hintergrund: geänderte Logistik- und Marketingprozesse.

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Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie (VDW), Darmstadt: „Das Thema ‚Shelf-Ready Packaging‘ steht für die Wellpappenbranche derzeit weit oben.“Bild: VDW
Dr. Oliver Wolfrum, Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie (VDW), Darmstadt: „Das Thema ‚Shelf-Ready Packaging‘ steht für die Wellpappenbranche derzeit weit oben.“Bild: VDW
( Archiv: Vogel Business Media )

Zweifellos war Albert L. Jones überzeugt von seiner Erfindung. Andernfalls hätte der New Yorker 1871 wohl kaum das Verfahren zum Patent angemeldet, das Papier mit Hilfe von Riffelwalzen in Wellen legte.

Doch man darf annehmen, dass er den zukünftigen Erfolg der Wellpappe nicht im Entferntesten vorausahnte. Zumal der damals neue Packstoff mit jeder seiner Weiterentwicklungen immer stärker in den Wettbewerb mit traditionellen Verpackungsmaterialen trat, die ihre Stellung am Markt nicht einfach räumten.

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Der Wettbewerbsdruck unter den Packstoffen ist 137 Jahre später nicht kleiner geworden. Eher hat er sich weiter verschärft, insbesondere mit dem Aufkommen von Mehrweg-Transportsystemen aus Kunststoff. Aber für Oliver Wolfrum, seit 1. Juli 2007 Geschäftsführer des Verbandes der Wellpappen-Industrie (VDW), Darmstadt, steht außer Frage: „Die unterschiedlichen Systeme finden ihren Platz – auf dem Markt und bei den Kunden.“

Nach Ansicht des promovierten Betriebswirts zeigte sich das deutlich Anfang Februar des Jahres in Berlin auf der Fruit Logistica, der Leitmesse für den internationalen Handel mit Früchten und Gemüse. „Dort waren alle Systeme vertreten und haben ihre jeweilige Stärke ins Blickfeld der Besucher gerückt.“

Wellpappe punktet als Verpackungsmaterial mit Flexibilität

Eine besondere Stärke der Wellpappe liegt in ihrer Flexibilität. Aber ohne die Innovationsbereitschaft der Wellpappenhersteller könnte sie weder diese Stärke wirklich ausspielen, noch wäre es möglich, dass der Packstoff seit Jahren seine führende Position auf dem Markt für Transportverpackungen erfolgreich verteidigt. 2006 deckte Wellpappe 68% des Marktvolumens ab, weit abgeschlagen folgten die Folien mit 11,4%, dahinter Vollpappe (8,8%), Holz (6,1%) und Kunststoff (5,7%).

Längst gibt es mehr als die schlichten graubraunen Kisten, auf denen mit schwarzer Schrift nur „Vorsicht zerbrechlich“ und „Hier öffnen“ prangt. Von mehrfarbigen Logos bis zu aufwändigen Drucken werben Transportverpackungen immer öfter für ihren Inhalt und dessen Hersteller.

Doch selbst nach wie vor schmucklose Transportkisten haben oftmals nicht nur die Funktion der Umverpackung, in der die zu transportierenden Teile plus Luftpolster, Kunststoff-Chips oder Packpapierknäuel ihre Reise vom Produzenten zum Abnehmer der Produkte antreten. Sie leisten mehr, denn das Innenleben mancher Transportverpackung hat sich gravierend verändert.

Verpackung aus Wellpappe ersetzt viele andere Packstoffe

„Heute nutzen intelligente Wellpappenverpackungen die Luft, die das Produkt umgibt, um es während des Transports zu sichern und vor Schäden zu schützen“, beschreibt Wolfrum die Situation. Gestanzte oder gefaltete Einlagen, Trennstege oder Laschen an ausgewählten Stellen – alles aus Wellpappe – halten das Transportgut an seinem vorbestimmten Platz und schützen es vor Stößen, ohne dass weiteres Füllmaterial notwendig wäre.

Solche Verpackungsentwicklungen kommen für Joghurtbecher oder empfindliche Kleinteile ebenso in Frage wie für Automobilzubehör oder sperrige Maschinenteile. Ihr Vorteil für den Verpacker: Er benötigt lediglich die Verpackung aus Wellpappe, weil sie die anderen Packstoffe ersetzt. Doch nicht nur das: Sofern die Entwickler auch den Materialeinsatz optimieren, verringert sich das Frachtgewicht und die Frachtkosten sinken.

Neben dem Transportschutz müssen die Entwickler solcher Verpackungen das Handling beim Verpacken der Teile berücksichtigen. Ob vollständig automatisiert oder nach wie vor manuell: Idealerweise ist es so einfach und so Zeit sparend wie möglich. Andernfalls würden gerade dort, wo noch Handarbeit notwendig ist, die Arbeitskosten steigen – mit der Konsequenz, dass die Kunden nach Alternativen suchen würden, die sich einfacher in den Arbeitsprozess integrieren lassen.

Wellpappe-Anbieter müssen sich auf Shelf-Ready Packaging einstellen

Stärker noch als beim Verpacken rückt einfaches und Zeit sparendes Handling der Transport- beziehungsweise Sekundärverpackung beim Auspacken in den Vordergrund. Vom Lager ins Verkaufsregal: Die Konsumgüterindustrie sowie internationale Handelsunternehmen erwarten und forcieren hier die Entwicklung von Standards. Shelf-Ready Packaging (SRP) lautet das Schlagwort, das die Wellpappenhersteller derzeit vor neue Herausforderungen stellt. Denn die Transportverpackung für die Regalpräsentation muss mehrere Funktionen in einem erfüllen.

Nicht nur, dass sie den Produktschutz während aller Transporte gewährleistet (von der Produktionshalle bis zum Verkaufsraum). Sofern sie ins Blickfeld der Endkunden gelangt, muss sie selbstverständlich auch ansprechend aussehen, die Marke muss ins Auge fallen.

Auf jeden Fall sollte die Transportverpackung so konstruiert sein, dass die Mitarbeiter im Handel schützende Fronten und Deckel vor dem Platzieren der Verpackung im Regal einfach und sauber entfernen können. Nur dann können die Kunden auf einen Blick erkennen, um welches Produkt beziehungsweise um welche Produktvariante es sich handelt. Nur dann ist es ihnen möglich, das gewünschte Produkt ohne Behinderung aus der Verpackung zu entnehmen.

„Shelf-Ready Packaging sollte den Kunden ein einfaches und unkompliziertes Einkaufen gewährleisten“, heißt es in einer Studie des EHI Retail Institutes, Köln. Gemeinsam mit den deutschsprachigen Verbänden der Wellpappenindustrie (neben dem VDW das Forum Wellpappe Austria und WS Wellkarton Schweiz) untersuchten die Marktforscher im vergangenen Jahr „Stand und Umsetzung von Shelf-Ready Packaging im Vollsortimentshandel des Lebensmitteleinzelhandels“.

Das Ergebnis zeigt vor allem eines: Es muss noch optimiert werden, und zwar sowohl auf Seiten der Verpackungsentwickler wie auf Seiten des Handels. Andere Untersuchungen zu SRP und zur Akzeptanz bei den Kunden zeigen aber auch: Es lohnt sich für beide Branchen, zu optimieren.

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