Insolvenzstudie Weltweite Insolvenzen könnten um 15 Prozent ansteigen!

Redakteur: Peter Königsreuther

Wie die Euler Hermes Gruppe analysiert hat, werden die Insolvenzen im nächsten Jahr global deutlich ansteigen. Deutschland komme aber noch relativ gut weg, heißt es.

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Einer Euler-Hermes-Studie zufolge werden die weltweiten Insolvenzfälle ab nächstem Jahr deutlich ansteigen. Wie es in Deutschland aussieht und welche Gründe das hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Einer Euler-Hermes-Studie zufolge werden die weltweiten Insolvenzfälle ab nächstem Jahr deutlich ansteigen. Wie es in Deutschland aussieht und welche Gründe das hat, erfahren Sie in diesem Beitrag.
(Bild: D. Appelt)

Es zeichne sich demnach weiterhin ein Wechsel aus Licht und Schatten ab. Denn 2022 dürften die weltweiten Insolvenzen zwar langsam wieder ansteigen, doch aufgrund staatlicher Hilfen, von einem sehr niedrigen Niveau aus. Trotz eines erwarteten Anstiegs von rund 15 Prozent dürften die globalen Fallzahlen 2022 im Durchschnitt voraussichtlich weiterhin 4 Prozent niedriger liegen als 2019 – also deutlich vor der Pandemie. Dennoch könnten sich Exportrisiken stärker bemerkbar machen als bisher, glaubt Euler Hermes.

Deutschland kommt noch ganz gut weg – aber!

Deutschland stehe im weltweiten Vergleich aber immer noch sehr gut da. In 2021 kündigte sich zunächst ein weiterer Rückgang von 5 Prozent bei den Insolvenzen auf rund 15.000 Fälle an. Ähnliche Fallzahlen gab es zuletzt in den Jahren 1992 (10.920) und 1993 (15.582), mekt Euler Hermes an. Doch vor der Pandemie waren es 2019 noch 18.749 Fälle und 2020 ist der Wert dann im Zuge der staatlichen Hilfsprogramme um 16 Prozent auf 15.840 Fälle gesunken, heißt es weiter.

Doch sei das kein Grund, sich keine Sorgen zu machen! Zwar waren die Fallzahlen rückläufig, doch die erwarteten durchschnittlichen Schäden pro Insolvenz für die betroffenen Unternehmen haben sich im ersten Halbjahr 2021 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt, erklären die Experten. Absolut ausgedrückt heißt das: Im 1. Halbjahr 2020 lagen die erwarteten Schäden pro Insolvenz durchschnittlich noch bei 1,8 Millionen Euro. Aber im gleichen Zeitraum diesen Jahres lagen diese bei 4,3 Millionen Euro und damit eben über doppelt so hoch.

Im nächsten Jahr dürften auch in Deutschland die Pleiten wieder um rund 9 Prozent auf etwa 16.300 Fälle zunehmen, prognostizieren die Analysten. Diese Entwicklung soll sich vor allem im zweiten Halbjahr deutlich bemerkbar machen. Es ist, betont Euler Hermes, aber weiterhin ein sehr niedriges Niveau der Fallzahlen und entspricht in etwa dem Stand im Jahr 1993. Die relativ gute Ausgangslage, eines der größten staatlichen Unterstützungsprogramme und die wieder anziehende Weltwirtschaft haben deutschen Unternehmen nach Meinung von Euler Hermes in eine gute Startposition gerückt, um sich auf die neue Normalität einzustellen. Dennoch sollte man sie Risiken im In- und Ausland nicht unterschätzen.

fünf Indikatoren bestimmen die weitere Insolvenzentwicklung

In Westeuropa haben die Maßnahmen jede zweite Pleite verhindert, in den USA jede Dritte, informiert Euler Hermes. Für 2021 zeichne sich aber keine Trendwende ab. Denn die Verlängerung zahlreicher Programme wird die Insolvenzen im Jahr 2021 auf einem weiterhin niedrigen Niveau halten. Wie es weitergeht, hänge vor allem davon ab, wie die Regierungen in den kommenden Monaten handelten. Erst ab 2022 dürfte sich das weltweite Insolvenzgeschehen wieder sukzessive normalisieren, wie die Analysten prognostizieren.

Die neue Normalität bei den Insolvenzen berge in allen Regionen weiterhin zahlreiche Risiken, die Unternehmen im Auge behalten sollten, empfiehlt Euler Hermes.

Das Zusammenspiel von globaler und lokaler wirtschaftlicher Entwicklung und staatlicher Unterstützung spielen bei der weiteren Entwicklung der Insolvenzen weiterhin eine entscheidende Rolle, ebenso wie die Dynamik beim „Cash-Burning“.

Hinzu kommt das weiterhin bestehende Ausfallrisiko von Unternehmen, die bereits vor Covid-19 zu den Wackelkandidaten oder „Zombies“ zählten, drücken es die Experten aus. Auch hat die verschlechterte Finanzlage das Problem der Schuldentragfähigkeit verschärft. Die rasche Erholung der Unternehmensgründungen ist zwar einerseits eine positive Nachricht, die aber auch eine Kehrseite der Medaille hat, weil junge Unternehmen traditionell anfälliger für Insolvenzen sind.

Zusätzlich vergrößere diese Entwicklung die Basis für potenzielle Insolvenzen – insbesondere in Bereichen, in denen die Gründung von Unternehmen in hohem Maße mit in der Pandemie neu entstandenen Bedürfnissen zusammenhängt (etwa Hauslieferungen) und bei denen die langfristige Tragfähigkeit des Geschäftsmodells unsicher ist.

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