Werkzeugbauer stehen auf Softwareintegration

Redakteur: Jürgen Schreier

Integrierte Softwarelösungen sollen Werkzeugbauern das Leben leichter machen. So bringt VISI von Mecadat die gesamte Prozesskette unter einen Hut. Bei CCE und Schubert Software arbeitet man an einer Integration von ERP und PLM.

Um eventuelle Lunker oder Abweichungen von der Idealgeometrie aufzuspüren, finden bei Hörl per Röntgentomografie Erst- und Letztschussprüfungen gegen das 3D-CAD-Modell statt.
Um eventuelle Lunker oder Abweichungen von der Idealgeometrie aufzuspüren, finden bei Hörl per Röntgentomografie Erst- und Letztschussprüfungen gegen das 3D-CAD-Modell statt.
(Bild: Mecadat)

Den Alleskönner – den gibt es tatsächlich: Hörl Kunststofftechnik heißt er. 62 „roboterisierte“ Spritzgießmaschinen neuester Bauart stehen in den Hallen des Laufener Unternehmens, wobei die Oberbayern so ziemlich alle Thermoplaste verarbeiten, die der Markt aktuell hergibt – vom schlichten Polypropylen bis hin zu Hochtemperaturwerkstoffen wie PAA, LCP oder PEEK. Bei Bedarf werden dem Ganzen auch noch Kohlefasern, Glasfasern oder Glaskugeln beigemischt. Da muss man nicht nur das Spritzgießen wie im Schlaf beherrschen, sondern auch Meister im Zerspanen sein. Denn gerade für das Spritzen bei hohen Temperaturen ist in Sachen Werkzeug besonderes Know-how vonnöten. Vor allem die unvermeidliche Ausdehnung stellt bei größeren Werkzeugen eine echte Herausforderung dar. Schließlich müssen die Kerne auch in dieser Situation im Hundertstelbereich tuschieren.

Alle Module eng verzahnt

Klimatisierte Räume, HSC-Fräszentren von Makino sowie Bearbeitungszentren von Hermle und Mikron sorgen für die geforderte Präzision. Gefräst wird drei- und fünfachsig und programmiert mit VISI Machining, das an sechs maschinennahen Arbeitsplätzen installiert ist. Bereits in den 1990er-Jahren hatte Hörl Kunststofftechnik die ersten 3D-CAD- und CAM-Tools von Mecadat installiert und ständig erweitert. Heute ist VISI bei Hörl entlang des gesamten Workflows zu finden: angefangen von der Beratung bei der Bauteilauslegung durch das Produktmanagement über die Werkzeugkonstruktion, die NC-Programmierung bis hin zum Produktdatenmanagement. Möglich macht das die enge Verzahnung aller VISI-Softwaremodule.

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ERP und PLM wachsen zusammen

Integration ist auch bei der CCE Group, Osnabrück, und dem Amberger ERP-Spezialisten Schubert Software & Systems Ziel eines gemeinsamen Projekts. Während größere Unternehmen ERP-Software zur Kalkulation, Angebotserstellung und Auftragsbearbeitung sowie PLM-Lösungen für die Produktentwicklung und Produktionsplanung nutzen, erscheint vielen Mittelständlern die Implementierung und Integration der etablierten Lösungen als zu komplex. Vor diesem Hintergrund soll nun eine integrierte, auf die Bedürfnisse des Werkzeugbaus zugeschnittene ERP-PLM-Systemlösung entstehen. Sie basiert auf der 3D-Experience-Plattform von Dassault Systèmes und dem ERP-System Ratio Net von Schubert. Die Integrationslösung verbindet die Datenbanken beider Teilsysteme über eine Schnittstelle. Besucher der Moulding Expo 2015 konnten sich einen ersten Einruck von der Bedienoberfläche und den Features der neuen Lösung verschaffen.

CAD/CAM und ERP machen mobil – zumindest bei Cadenas. Seit Kurzem steht den Nutzern des strategischen Teilemanagements Partsolutions eine Mobilversion als App zur Verfügung. Diese visualisiert die Partsolutions-Systemumgebung auf einem Smartphone oder Tablet und ist laut Cadenas die derzeit einzige Teilemanagement-App, die Eigenteile, Norm- und Kaufteile in Verbindung mit ERP und CAD-Daten für mobile Endgeräte verfügbar macht. Vor allem die Produktplanungsphase gestaltet sich damit viel einfacher, da bereits während der ersten Projektplanungsbesprechungen Ingenieure via Mobile Device nach geeigneten Teilen suchen können. MM

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