VDW-Jahresprognose Werkzeugmaschinenbauer könnten langsam aufatmen

Redakteur: Peter Königsreuther

Für 2021 erwartet der VDW (Verein Deutscher Werkzeugmaschinenfabriken) für die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie einen Produktionszuwachs von 6 % auf rund 12,6 Mrd. Euro.

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Der VDW-Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop stellt fest: „Der weltweite Einkaufsmanagerindex und das deutsche ifo-Geschäftsklima für Investitionsgüter deuten auf Wachstum.“
Der VDW-Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop stellt fest: „Der weltweite Einkaufsmanagerindex und das deutsche ifo-Geschäftsklima für Investitionsgüter deuten auf Wachstum.“
(Bild: VDW)

Im Rahmen der Jahrespressekonferenz des VDW in Frankfurt am Main, wies der Vorsitzende Dr. Heinz-Jürgen Prokop darauf hin, dass eine bessere Stimmung in der Wirtschaft die Investitionsbereitschaft fördert. Er betonte: „Nach zwei Jahren mit großer Zurückhaltung besteht nun Nachholbedarf.“ Alle Zeichen deuteten auf Wachstumskurs. Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie sehe also Licht am Ende des Tunnels.

China und die USA treiben die Weltwirtschaft an

Insbesondere die Automobilindustrie, größter Abnehmer von Werkzeugmaschinen, profitiert vom Aufschwung in China, war zu erfahren. Aus den USA kommt positive Stimmung wegen dem Ende der traumatischen Trump-Ära. Man hofft nun auf Biden. Und die Branchen Elektronik, Nahrungsmittelverarbeitung, Logistik und Teile der Medizintechnik hätten in der Krise ohnehin gute Geschäfte gemacht. Das setze sich fort. Auch in Europa sollen die Investitionen nach hartem Einbruch wieder um 10 % steigen. Nach dem aus vielerlei Gründen sehr schwierigem Jahresdoppel, das hinter uns liegt, wirkt sich das positiv auf die Werkzeugmaschinenindustrie aus, meinen die Experten. Und Oxford Economics, Prognosepartner des VDW, stellt für 2021 einen kräftigen Auftragszuwachs von 35 % in Aussicht. Anhaltspunkte dafür gab es bereits im November und Dezember. „Trotz allem haben wir einen schwierigen Weg vor uns, bis wir wieder das Vor-Corona-Niveau erreicht haben“, gab Prokop zu bedenken.

Eine unschöne Zeit der circa-30-%-Rückschläge

2020 waren die Aufträge bedingt durch die Corona-Krise um 30 % gefallen – nach einem Rückgang gleicher Größenordnung schon ein Jahr zuvor, wohlgemerkt. Auch alle anderen Kennzahlen sind 2020 tief ins Minus gerutscht. Die Produktion sankt um 31 %, der Export um 29 %, der Inlandsabsatz musste ein Minus von 33 % hinnehmen. Die erhoffte Aufwärtsbewegung für das aktuelle Jahr startet deshalb von niedrigem Niveau aus.

Ein Jahr zuvor, erinnerte der VDW, lag die Kapazitätsauslastung noch bei über 88 %. Durch den Auftragsmangel fiel sie 2020 um 16 %. Das ähnelt dem Niveau der Finanzkrise 2009 sehr. Die Zahl der Beschäftigten sank im Jahresdurchschnitt 2020 um 4,5 % auf 70.000. „Betrachtet man jedoch den enormen Rückgang in der Produktion wird deutlich, dass alle ihr gut ausgebildetes Personal so lange wie möglich halten wollen. Dafür ist das Instrument der Kurzarbeit nach wie vor hilfreich und notwendig“, merkte Prokop an.

Deutschland steht im Vergleich noch ganz gut da...

Trotz der hohen Verluste haben sich die deutschen Hersteller im internationalen Wettbewerb gut geschlagen, resümert der VDW. Denn mit Blick auf die Produktion belegt die Branche mit einem Anteil von 16 % (nach China und vor Japan) den Platz 2. Im Export ist sie mit einem 20-%-Anteil Exportweltmeister geblieben.

China bleibt mit einem Verbrauch von 18 Mrd. Euro weltgrößter Markt. Und mit einem Einfuhrvolumen von 5,4 Mrd. Euro, trotz zweistelliger Verluste, der weltgrößte Importeur. Allerdings, fürchtet der VDW, könnten die Geschäfte in Zukunft schwieriger werden. „Schon jetzt berichten die Unternehmen von großem Preis- und Zeitdruck seitens chinesischer Auftraggeber“, registriert Prokop. Außerdem soll der innerasiatische Handel mit dem jüngst geschlossenen RCEP-Abkommen durchlässiger werden – das stärke den Wettbewerb mit Japan und Südkorea im chinesischen Markt. Schließlich strebt die chinesische Regierung mehr Unabhängigkeit von Technologieimporten an. Doch es wird heftig darüber spekuliert, ob das mittelfristig gelingen kann. Viele VDW-Mitglieder haben frühzeitig in China Niederlassungen gegründet und bauen sie weiter aus, um von wirtschaftspolitischen Strategien der Regierung ein Stück weit unabhängiger zu sein.

Die totale Elektrifizierung der Mobilität ist mit Vorsicht zu genießen

Die deutsche Werkzeugmaschinenindustrie ihre große Chancen im „Green Deal“ und den Klimaschutzzielen bis 2050, machte der VDW klar. Und mit der Euro-7-Norm plant die EU-Kommission nun, den Grenzwert für Emissionen von Pkw und Lkw bis 2025 auf null zu setzen. „Damit verbietet sie quasi den Verbrennungsmotor und setzt voll auf Elektromobilität. Der Verbrenner wird nach Einschätzung von Experten bis 2025 technisch kein Zero-Emissions-Ergebnis erreichen können, oder nur unter sehr hohen Kosten“, kommentiert Prokop das Vorhaben.

Verbrenner sind heute schon weit besser als verlangt

Aufgemerkt! Tatsächlich seien moderne Verbrennungsmotoren mittelfristig unverzichtbar, um die Klimaziele zu erreichen. Denn haben bereits heute schon Emissionswerte, die 50 % unter den gesetzlichen Vorgaben liegen! Durch die Verwendung von e-Fuels, die auf Wasserstoffbasis mit regenerativen Energien erzeugt werden, kann der Emissionsausstoß vor allem bei bestehenden Fahrzeugen auch sehr schnell weiter gesenkt werden, betonte der VDW. Aber Schwerlastverkehr, mobile Land- und Baumaschinen, die Feuerwehr oder Schiffe werden noch länger auf Verbrenner angewiesen sein, weil eine direkte Elektrifizierung auf technische Grenzen stößt, erklären die Experten.

Mehr Klimafreundlichkeit in diesem Sektor gebe es praktisch nur mit einer Kombination aus funktionierender Forschungslandschaft und Wertschöpfungskette rund um die Motorentechnologie. „Ein abruptes Ende des Verbrennungsmotors würde den technischen Fortschritt ausbremsen, weil mit Euro 7 niemand mehr in die Entwicklung von Verbrennungsmotoren investieren wird“, macht Prokop klar. Es würde einfach das Geld fehlen. Und: käme das Aus für den Verbrenner, befürchten Experten, dass eine halbe Million Arbeitsplätze allein in Deutschland gefährdet wären.

Werkzeugmaschinenbauer und VDMA fordern Mobilitäts-Offensive

Angesichts dieser Mobilitätsanforderungen unterstützt der VDW ein Positionspapier des VDMA (Verein Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer), das in diesen Tagen veröffentlicht wurde. Darin wird eine Technologieoffensive für umweltfreundliche Mobilität gefordert. Das Ziel ist es, mithilfe der Industrie Klimaneutralität zu erreichen und die Stärken der Unternehmen bei der Entwicklung neuer Technologien zu fördern. Deshalb sollten Abgas- und CO2-Emissionen durch viele verschiedene Technologien reduziert werden, meinen die Initiatoren.

Die Nutzung von Wasserstoff und synthetischen Kraftstoffen für künftige Fahrzeuge gehöre ebenso dazu, wie eine weitere Optimierung des Verbrennungsmotors, die verstärkte Nutzung der Brennstoffzelle und mehr batteriebetriebene Fahrzeuge. Aber nur auf die Elektromobilität zu setzen, führe zu einem extremen Anstieg des Strombedarfs, der aktuell nicht über erneuerbare Energie zu decken sei, mahnte Prokop.

„Die EU ist gefordert, eine solche breit angelegte Modernisierung auf den Weg zu bringen und den Rahmen dafür zu setzen“, fordert der VDW-Vorsitzende. Das würde nicht nur der Autoindustrie sondern auch Branchen wie dem Bau- und Landmaschinenbau in ihrem Transformationsprozess unterstützen.

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