Bremssystem Wie bremst es sich am besten?

Autor / Redakteur: Dr. Norbert Partmann / Dipl.-Ing. (FH) Sandra Häuslein

Hydraulische und elektromechanische Bremssysteme sind in vielen industriellen Anwendungen im Einsatz. Entscheidend für die richtige Wahl ist die jeweilige Applikation. Drei Anwendungsbeispiele zeigen nachfolgend die vielseitigen Einsatzmöglichkeiten.

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In den Schächten der stillgelegten Zeche Walsum in Duisburg werden jährlich 20 Millionen Kubikmeter Wasser abgepumpt. Die dazu notwendige Hubeinheit ist mit Schwimmsattelbremsen von KTR ausgestattet.
In den Schächten der stillgelegten Zeche Walsum in Duisburg werden jährlich 20 Millionen Kubikmeter Wasser abgepumpt. Die dazu notwendige Hubeinheit ist mit Schwimmsattelbremsen von KTR ausgestattet.
(Bilder: KTR)

Ob Verkehrs- oder Fördertechnik, Berg- oder Kranbau, On- oder Offshore: Beim Einsatz eines Bremssystems in einer industriellen Anwendung geht es nicht nur darum große Kräfte zu bändigen. Auch widrigen Umwelteinflüssen wie Schlamm, Nässe, Sturm, Salz, klirrende Kälte oder glühende Hitze gilt es dauerhaft standzuhalten. Bei der Wahl des richtigen Bremssystems gilt es neben den Rahmenbedingungen der Applikation auch die Kundenpräferenz zu berücksichtigen. Die Frage lautet: elektromechanisches oder hydraulisches System?

Hydraulische Bremssysteme

Die hydraulischen Bremssysteme basieren auf der klassischen Scheibenbremse und sind sowohl in aktiver als auch federbetätigter Ausführung erhältlich. Schwimmsattelbremsen bieten den Vorteil weitgehend axialkraftfrei zu arbeiten, wodurch eine Schädigung des Triebstranges ausgeschlossen ist – auch bei Installationsfehlern oder Fehleinstellungen. Die Bremsen erzeugen Klemmkräfte bis zu 542 kN in der aktiven und 1400 kN in der passiven Ausführung. Ihr verhältnismäßig geringes Gewicht und die kompakten Abmessungen ermöglichen ein umfassendes Einsatzspektrum und halten gleichzeitig die Transport-, Lagerungs- und Montagekosten gering. Der hohe Schutz vor Witterungseinflüssen – durch komplette Kapselung und integrierte Schmutzabstreifer – und die maximale Materialnutzung der Bremsbeläge reduzieren überdies den Wartungsaufwand.

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Elektromechanische Bremssysteme als aktive oder passive Schwimmsattelbremse

Auch die elektromechanischen Bremsen gibt es bei KTR wahlweise als aktive oder passive Schwimmsattelbremse. Anders als bei ihrem hydraulischen Pendant erzeugen sie ihre Bremskraft auf rein elektromechanischem Weg und bringen damit Klemmkräfte bis zu 65 kN in der passiven und 1600 kN in der aktiven Ausführung auf. Bei der aktiven Ausführung treibt ein Elektromotor einen Hebelarm bzw. ein Getriebe an, in der passiven Version hingegen wirkt er entgegengesetzt und löst die Bremse. In der aktiven Ausführung sind die Bremsen selbsthemmend. Das bedeutet, dass die Stromzufuhr abgeschaltet werden kann, wenn die Bremse zugefahren ist. Sollte die Stromzufuhr unerwartet abfallen oder unterbrochen werden, bleibt die Bremskraft erhalten. Erforderliche Wartungsarbeiten wie Ölwechsel und Ölentsorgungen erübrigen sich aufgrund der wegfallenden Hydraulik.

Ob hydraulisch oder elektromechanisch – die Bremssysteme sind so ausgelegt um möglichst flexibel eingesetzt werden zu können, wie sie zum Beispiel auf der Zeche in Walsum in Duisburg, im Erztagebau von Tonkolili in Sierra Leone oder in dem neuen Gezeitenkraftwerk vor der schottischen Nordküste vorzufinden sind.

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