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Plagiatschutz Wie Sie Ihre Marke in China online schützen

| Autor / Redakteur: Frank Schulz / Claudia Otto

Die digitale Welt, der Erfolg des Online-Handels und die Globalisierung bieten Unternehmen neue Möglichkeiten, Kunden anzusprechen. Sie bringen aber auch neue Herausforderungen und Risiken für den Schutz von Marken und Umsatz mit sich. Dies gilt insbesondere in China. Denn für deutsche Unternehmen ist die Volksrepublik nicht nur wichtigster Handelspartner in der Region Asien/Pazifik, sondern mittlerweile sogar der drittgrößte weltweit.[1]

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Allein 2013 beschlagnahmten US-Behörden gefälschte Waren im Wert von 1,2 Mrd. US-Dollar aus China.
Allein 2013 beschlagnahmten US-Behörden gefälschte Waren im Wert von 1,2 Mrd. US-Dollar aus China.
( © niyazz - Fotolia)

Heute kaufen mehr als 250 Mio. Chinesen im Netz ein. Damit hat das Land in Sachen Online-Handel sogar den ehemaligen Spitzenreiter USA überholt.[2] Doch leider wimmelt es in Fernost von Produktfälschern, die ihre Ware online vertreiben und ein großes Geschäft auf Kosten etablierter Marken machen. Allein im Jahr 2013 beschlagnahmten US-Behörden gefälschte Waren im Wert von 1,2 Mrd. US-Dollar aus China. Das entspricht einem Anteil von über 70 % an den weltweit beschlagnahmten Produktfälschungen (Wert: 1,7 Mrd. US-Dollar)[3]. Markenmissbrauch betrifft aber nicht nur Online-Anbieter – das Risiko besteht auch für Unternehmen, die ihre Produkte gar nicht über das Netz vermarkten. Denn Kriminelle können trotzdem Billigkopien von Markenprodukten online bewerben und in Web-Shops oder auf eigenen Websites zum Verkauf anbieten. Hersteller sind daher gut beraten, ihre Marken gegen solche Angriffe zu schützen.

Für Markenunternehmen kommt es vor allem darauf an, die kriminellen Machenschaften der Fälscher zu stören und es dem Nutzer zu erschweren, gefälschte Angebote zu finden. Um überhaupt Ansprüche geltend machen zu können, muss der erste Schritt die erfolgreiche Warenzeichenregistrierung sein. Grundsätzlich empfiehlt es sich, Warenzeichen in jedem Land, in dem Sie aktiv werden wollen, bereits vor der Einführung neuer Produkte anzumelden. Lokaler Rechtsbeistand ist dabei unabdingbar. Er hilft Ihnen zu prüfen, wie durchsetzungsfähig Ihre Warenzeichenrechte sind und berät Sie hinsichtlich der lokalen Anforderungen. Zudem verfügt er meist über wertvolle Kontakte zu Partnern und Behörden vor Ort.

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Zum unbequemen Ziel für Fälscher werden

Ist ein Unternehmen bereits auf dem asiatischen Markt verankert und wird kopiert, so gilt es, zum „unbequemen Ziel“ für Fälscher zu werden. Verfolgen und verlangen Sie konsequent, dass Fälschungen gelöscht werden. Alleine durch diese kompromisslose Haltung sinkt die Gesamtzahl der Verstöße meist schon erheblich. Dies gelingt am besten, wenn alle Löschungsanträge von Fachleuten mit lokalen Sprachkenntnissen geprüft werden. Unternehmen, die alle Vorfälle genau dokumentieren, können mithilfe der richtigen Technologie auch Muster und Ähnlichkeiten bei Angeboten feststellen. So lassen sich marktplatzübergreifend volumenstarke und extrem hartnäckige Anbieter von Fälschungen identifizieren, die aufmerksam beobachtet werden sollten.

Fälscher sind oft gut darin, Marktlücken zu finden und daraus Kapital zu schlagen. Für Unternehmen ist es dann wichtig, die Kaufmuster von gefälschten Waren geografisch nachzuverfolgen. Denn so können sie auf globaler und lokaler Ebene wichtige Erkenntnisse zum Kaufverhalten gewinnen. Ein Beispiel aus dem Kosumgüterbereich: Bei einer Jeansmarke stagnierten im asiatischen Markt die Umsätze. Daraufhin begann das Unternehmen, die Aktivitäten auf Websites zu untersuchen, die Fälschungen ihrer Produkte anboten. Durch eine genaue Analyse der Seitenaufrufe, der verfügbaren Größen und beliebtesten Produkte zeigte sich eine Marktlücke: Die Kunden suchten nach kleineren Bundweiten und kürzeren Beinlängen. Aufgrund dieser Erkenntnisse passte der Hersteller seine Artikel und deren Produktion sowie das Merchandising für den asiatischen Markt an und konnte so nicht nur die Umsätze steigern, sondern auch neue Kunden gewinnen.

Allein der chinesische Online-Handel hatte 2013 ein Volumen von 294 Mrd. Dollar. Bis 2018 wird er voraussichtlich einen Umfang von 672 Mrd. Dollar erreichen.[4] Für die meisten Fertigungsunternehmen ist es ein Muss, auf diesem Markt mitzuspielen. Wenn Sie in Ihre Markenschutzstrategie das Risiko chinesischer Fälschungen mit einbeziehen, kann Ihnen das nicht nur helfen, in dieser wichtigen Region Ihre Geschäftsziele zu erreichen, sondern auch in anderen Teilen der Welt den Umsatz steigern. MM

Literatur

[1] http://www.bmwi.de/DE/Themen/Aussenwirtschaft/laenderinformationen,did=316542.html

[2] Hoffman. „Chinese Retail Sales of Consumer Good Increase Anually [sic]; Ecovis Beijing.“

[3] United Nations Office on Drugs and Crime. „Transnational Organized Crime: Let’s Put Them Out of Business.“ Counterfeit Goods: A Bargain or a Costly Mistake? N.p., n.d. Web. 29. Mai 2014.

[4] Davis, Don. „Internet Retailer.“ In Südostasien wächst der Online-Handel und China führt den Trend an. N.p., n.d. Web. 2. Dezember 2013.

* Frank Schulz ist Regional Manager Central Europe von MarkMonitor//Thomson Reuters in 80339 München, Tel. (0 89) 54 75 60, markmonitor@akima.com

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