Maschinendatenerfassung Wie Signalsäulen zu einem MDE-System werden

Redakteur: Jürgen Schreier

Ein komfortables Maschinendaten-Erfassungssystem in kurzer Zeit zu realisieren, ermöglichen die W-LAN-basierten Funksender von Werma. Sie werden einfach in vorhandene Signalsäulen eingebaut. Andere Hersteller setzen auf die Datenübertragung per Mobilfunk.

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Heute sind die Spritzgießmaschinen bei der Marquardt GmbH mit dem Funksender „WIN slave“ ausgestattet. Dieser wird in die bereits vorhandene Signalsäule integriert.
Heute sind die Spritzgießmaschinen bei der Marquardt GmbH mit dem Funksender „WIN slave“ ausgestattet. Dieser wird in die bereits vorhandene Signalsäule integriert.
(Bild: Werma)

Automobilzulieferer sollen immer effizienter produzieren, und das bei immer kürzeren Produktzyklen. Auch bei der Marquardt GmbH in Rietheim-Weilheim ist das nicht anders. Doch schaffte der Hersteller von elektrischen Schaltern und Schaltsystemen auf verblüffend einfache Weise den Einstieg ins Lean Management. Jede vorhandene Signalsäule wurde in ein modernes Maschinendaten-Erfassungssystem (MDE-System) umfunktioniert. Das Ruf- und Meldesystem von Werma bildet somit die Grundlage für tägliche Auswertungen im Rahmen des Shopfloor-Managements und schafft höchste Transparenz in der Produktion.

Angefangen hat alles aber damit, dass Marquardt sein Betriebssystem auf Windows 7 umstellte. Eine erfolgreiche Einführung war mangels Kompatibilität mit dem damals installierten MDE-System nicht möglich. Die gesamte Spritzgießabteilung stand vor einer großen Herausforderung: Schnell musste eine moderne und einfache Lösung gefunden werden, denn über 100 Maschinen erforderten Überwachung und Auswertung. Doch getreu dem Spruch „Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah“ wurde Marquardt in unmittelbarer Nachbarschaft fündig.

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Funksender WIN slave wird einfach in die Signalsäule „eingeklinkt“

Heute sind die Spritzgießmaschinen des Familienunternehmens mit dem Funksender „WIN slave“ ausgestattet, der in die bereits vorhandenen Signalsäulen integriert wurde. Das Kürzel „WIN“ steht dabei für „Wireless Information Network“ – ein funkbasiertes MDE-System zur Optimierung von Fertigung, Montage und Logistik. Hersteller ist die ebenfalls in Rietheim-Weilheim ansässige Werma Signaltechnik.

In Zusammenarbeit mit der eigenen IT und dem hauseigenen Elektriker wurde das neue Element „WIN slave“ – ohne Unterbrechung der laufenden Produktion – mithilfe eines Bajonettverschlusses in die vorhandene Signalsäule integriert und war in Kombination mit der MDE-Software sofort einsatzbereit. Schon am Nachmittag lag die erste Auswertung vor.

Egal welche Maschine welchen Alters oder Herstellers: Das MDE-System braucht nur eine Werma-Signalsäule als Schnittstelle. Dabei werden Maschinenstillstände und Fehlermeldungen sofort erkannt. Und die gesammelten Maschinensignale können lückenlos in einer Datenbank gespeichert werden. Marquardt ging sogar noch einen Schritt weiter und rüstete auf über 100 Spritzgießmaschinen den „WIN slave“ mit der Zusatzfunktion „Performance“ nach, der neben der Zustandsüberwachung auch die Stückzahlerfassung an Maschinen und Anlagen erlaubt.

Deutliche Effizienzsteigerung von 10 %

„Die Effizienzsteigerung ließ nicht lange auf sich warten“, erklärt auch Marc Mächtel, MVP (Marquardt-Verbesserungs-Prozess)-Beauftragter bei Marquardt. Schon nach kurzer Zeit konnte der namhafte Automobilzulieferer eine deutliche Steigerung von 10 % im Vergleich zu dem damaligen System verbuchen. „Das ist ein grandioses Ergebnis!“, so Mächtel weiter. Mit Werma erkennt die international agierende Firma nun Stillstände und Störungen innerhalb von Sekunden. Große Bildschirme an einer zentralen Stelle in der Spritzerei zeigen eine Übersicht über alle Spritzgießmaschinen, dabei sind besonders die Nachtschichten von großem Interesse.

Bei über 100 Maschinen ist es nicht einfach, den Überblick zu behalten: Die Visualisierung ist daher unschlagbar und dient den Teams in der Fertigung als Grundlage für das tägliche Shopfloor-Meeting. „Sobald mehr als 50 % des Kuchendiagramms einer Maschine einen Maschinenstillstand anzeigen, kann sofort reagiert werden“, ergänzt Mächtel.

Zur Verschlankung der internen Materialflüsse und Steigerung der Produktivität, empfiehlt er das bedienerfreundliche WIN-System jedem Unternehmen. Die eindrückliche Darstellung macht jedem Mitarbeiter im Unternehmen täglich bewusst, wo sofortiger Handlungsbedarf besteht – die Datensammlung ist unbestechlich. Trotz anfänglicher Skepsis ist die Akzeptanz aller Mitarbeiter im Unternehmen hervorragend.

Für weitere Niederlassungen sind Umrüstungen geplant

Aufgrund der guten Erfahrungen mit dem MDE-System in der Marquardt-Zentrale, planen auch andere Niederlassungen ihre Produktionsstätten umzurüsten. Entsprechend leistungsfähiger sollen die Spritzgießmaschinen produzieren und entsprechend gut will der Automobilzulieferer für die Zukunft gerüstet sein. So reicht auch ein „einfaches Mittel“ um die Effizienz der logistischen Prozesse zu verbessern, Ressourcen zu schonen, Kosten zu sparen und das Unternehmen langfristig zu entlasten. Denn wie zu Anfang Stefan Wetzel schon sagte: „Es ist so einfach“.

Ebenfalls drahtlos, nämlich per Mobilfunknetz, übermitteln die Minidat-RC-Geräte der Rösler Software-Technik GmbH Maschinendaten. Bei Wemo-tec, einem Maschinenvermieter aus Hessen, sind 162 dieser Geräte an mobilen Arbeitsbühnen und Teleskopladern installiert. „Zeitnah können wir die Daten, die uns die Minidat-RC-Geräte liefern, für unsere Kunden nutzen. Ausgelesen werden die Arbeitszeit, also die Zündung ein oder aus, und die Batteriespannung, bei den Teleskop- oder Gelenkteleskopbühnen auch als drittes die Hubbewegung“, erläutert Antuan Sciacca von Wemo-tec. Mit der Minidat-Pro-Software lässt sich dann in Sekundenschnelle eine korrekte Abrechnung für den Kunden erstellen.

Fastec bringt Maschinendaten auf mobile Endgeräte

MDA per Smartphone – auch das ist natürlich möglich. Fastec hat eine Android- und IOS-App für sein MES „Fastec 4 Pro“ entwickelt, mit der sich das Alarmmodul des MES auf Smartphones oder Tablets erweitern lässt. Damit kann die Produktion überwacht werden, ohne dass der zuständige Mitarbeiter in direkter Maschinennähe sein muss. Sobald eine Störung eintritt – also Material fehlt oder die Maschine steht – wird der Mitarbeiter direkt über sein Smartphone oder Tablet alarmiert. Er kann die Meldung quittieren und Maßnahmen einleiten, um die Störung schnellstmöglich zu beheben.

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